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6/07/2010

tatsächlich lauschig


ich habe durst. auf den rängen des hau1 ist es zu schwül, zu gewollt, zu mittig, und ohne jedes kunstverständnis. der tosende applaus, den peaches für eine gänzlich uninspirierende vorstellung ihrer inszenierung "peaches christ superstar" erntet, ist die erste große überraschung an diesem abend. die aus den umliegenden second-hand-boutiquen angereiste fanschar jubelt, als habe der theaterboden es wachgeküsst, als gebe es kein morgen, als sei die kunst, zu klatschen. so schließt die vorstellung mit einem phallus - natürlich -, der dort schwebend, misslich und inhaltsleer, weder den einen durst stillt noch den anderen besänftigt.

zu hören, zu hören und zu trinken, was es wert war die zehen aus dem haus zu setzen gibt es dann dort, wo es doch weniger authentischer hätte zugehen sollen, als wenn die kanadische performancekünstlerin in kreuzberg die bretter des hau betritt. das gegenteil ist der fall. in der bar tausend präsentiert gilles peterson das remixalbum havana cultura und den kubanischen nachwuchskünstler kumar, ingo robin stellt fotografien aus, der getränkesponsor schenkt aus. die klänge aus kuba irritieren das ohr (es regnet, und regnet, und regnet in berlin), die gesichter und stoffe das mittegeschulte auge. es ist ein gesponsertes event - und so richtig nett, tatsächlich lauschig und angenehm, denn der fokus liegt klar auf den künsten und nicht möglichst viele nachtschwärmer mit möglichst viel rum zu beglücken. die gästeliste ist schlank, die anzahl der freien mojitos unverdorben. so bleibt die musik im ohr, und die gespräche im kopf. wer dennoch weder pfennigabsatz noch lenkrad meistern kann, darf den fahrdienst benutzen. vielleicht auch wieder nach kreuzberg, wo ein musical schön getrunken werden will.

p.s. endlich angestoßen mit: freunde von freunden; mehr bilder bei artschoolvets und facebook; das sagt jan joswig; und ein wohlgenährtes dankeschön an mirna.



6/01/2010

querida habana


die liebliche jahreszeit, die scheinbar in diesem jahr gar nicht erst angetreten ist, bringt in dieser woche ein mann aus der heimat der regnerischen witterung in die hauptstadt. gilles peterson, bekannt durch seine bbc-musikshow „worldwide“, kommt als botschafter des digitalen kunstprojektes havana cultura nach berlin, um die musikalische seite der künstler-plattform vorzustellen.

havana cultura präsentiert dauerhaft über 50 kubanische kunstschaffende des inselstaates auf einer website. schriftsteller, videokünstler, musiker, maler, kreative aus dem bereich tanz und theater sowie architekten werden in videoportraits und texten gewürdigt. havana cultura ist ein kultursponsoring-engagement von havana club, das seit 2007 existiert.

der dj gilles peterson kam über eine zusammenarbeit miti dem kubanischen pianisten robert fonsenca zu dem projekt. gemeinsam entstand im vergangenen jahr eine momentaufnahme der jüngeren, kubanischen musikszene, die gilles peterson mit viel hiphop, aber auch salsa, reggea und pop auf einem doppelalbum zusammenführt. jetzt ist das remix-album dazu erschienen. bei soundcloud könnt ihr den podcast zu ‚havana cultura remixed’ hören. auf havana-cultura stehen ebenfalls einige tracks und remixe der alben zum download.

irgendwo zwischen dem kaffeehaus zimt und zucker, der ständigen vertretung und dem berliner ensemble gewährt gilles peterson am morgigen mittwoch echtzeit-einblicke in das remix-album. an seiner seite der hip-hop-sänger kumar. es klingt fast so, als sollte ich dort nach dem hochamt bei peaches ein limettengetränk über meinen kopf, und nicht wie beim maskenball über den des schwerenöters gießen.