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5/31/2010

never tear us apart

Record Club: INXS "Never Tear Us Apart" from Beck Hansen on Vimeo.

wenn jemand zurücktritt, muss ich immer an michael hutchence denken. inxs-lieder sind die wohl hartnäckigsten ohrwürmer, aber auch mit die schönsten. lieber trage ich die 80er und 90er in den ohren, als dass ich leggings trage, denn wie wir wissen: tights are not pants. wie der zufall es wollte entdeckte ich am grauen gestrigen sonntag (dank caroline von triba space) eine stimme, noch schöner als die lockenpracht des inxs-sängers, die ein paar der stücke in neue, zu tränenrührende farbe taucht: st. vincent. die neuinterpretationen entstanden im rahmen des von beck ins leben gerufenen record club.

"record club is an informal meeting of various musicians to record an album in a day. the album chosen to be reinterpreted is used as a framework. nothing is rehearsed or arranged ahead of time. a track is put up here once a week. the songs are rough renditions, often first takes that document what happened over the course of a day as opposed to a polished rendering. there is no intention to 'add to' the original work or attempt to recreate the power of the original recording. only to play music and document what happens."

ergötzt euch, weint ein wenig, und legt es zumindest auf, wenn ihr den rücktritt verkündet. ohne stil is nich.


9/14/2007

im schweiße deines angesichts



nach einem kurzen ausflug in unsere eckbadewanne gleicht mein anblick immer noch dem eines begossenen pudels. ähnlich durchnässt bewegten sich die neon kids eben aus der tür der maria auf ihre heimwege in die berliner stadtteile.
eine knappe stunde hatte ausgereicht, die heißesten tage des sommers im schnelldurchlauf zu erleben: justice kochten die körper ihres publikums auf eine fiebertemperatur, die alle aufkeimenden erkältungen vergessen machte, und bescherte ein endorphinhoch, das die tänzer erst am frühen freitag abend langsam ins wochenende entlassen wird.
zwischendurch dachte ich: "these guys seriously wanna kill us." halbmarathon für halbwüchsige, blaue flecken als merchandise. das glas sekt versetzt die 14jährigen in ekstase, die 17jährigen sind auf e und die enddreißger genießen den jungbrunnen-effekt der tobenden menge.

ein auf sehr eigenwillige art breitgefächertes konzertpublikum, wenn auch durchgängig sehr bunt, sehr new rave und sehr glücklich - vereint unter dem gleißenden licht eines kreuzes. der trend liegt auf der lauer. werden nun alle mädchen, die im grundschulalter in ein kommunionkleid gesteckt wurden, ihre goldenen ketten mit den kreuzen wieder hervor kramen?
meine mutter bräche vermutlich in freudentränen aus, würde ich es wagen nach meiner kette zu fragen, und sagen, sie hätte doch immer gewusst, dass ich noch einmal zur katholischen kirche zurückfinden würde.
abgesehen davon, dass ich goldschmuck an mir nicht mag, wird aber auch letzteres niemals eintreffen.

unter einem kreuz zu tanzen, hat die überbleibsel meiner katholischen kindheit gezwickt und mich zunächst irritiert. doch eddie amadors erkenntnis kann zweifellos auf mehr als house music übertragen werden: zur bestätigung der aussage "it’s a spiritual thing; a body thing; a soul thing" wird sich vermutlich nach jedem konzert – unabhängig von seiner musikalischen verortung – ein bekennender fan finden.

justice werden zwar weder in naher noch in ferner zukunft so viele anhänger zu ihren gigs versammeln wie es popstar papst benedikt vermag, meinen spirituellen hunger haben die franzosen hingegen für diese nacht besser gestillt, als die katholische kirche es jemals im stande sein wird.
dies geschah ohne explizite texte, hochtrabende aussagen und eindringlicher vermittlung von werten und moral. oftmals macht musik auch ohne viele worte mehr sinn als eine lange predigt.

lediglich in ein paar internen bereichen scheint der jungsclub der katholiken sinn zu machen: wer immer und ohne recht in frauenthemen die alleingültigkeit der eigenen meinung reklamiert, tarnt mit dem zölibat geschickt die große schwierigkeit, das andere geschlecht auch nur in die nähe einer sympathiebekundung zu bewegen.


6/27/2007

loslassen


in berlin auszugehen heisst flexibel zu sein. diese erkenntnis ließ für mich auch nicht sonderlich lange auf sich warten, da ich mit zarten 20 jahren, als frischling aus der hansestadt, innerhalb weniger monate miterleben musste, wie sich 2 clubs, die für mich heute noch referenzpunkte sind, aus dem berliner nachtleben verabschiedeten. zum einen das 103 in der nähe der oranienburger und zum anderen das cookies, an dessen genaue lage ich mich nicht mal mehr erinneren kann. nur an das ficken an der wand.
auf den ersten blick scheint es tröstlich, dass wie die berliner auch ihre clubs meister im umziehen sind, aber mir als kind der bewegung, das seinen weg aus dem pott nach hamburg und schließlich nach berlin machte, fällt es leicht mit sehnsucht zurück zu blicken, und so glänzten weder das cookies noch 103 jemals wieder so, wie ich es lieb in erinnerung behalten habe.
als vor wenigen wochen dann das announcement kam, dass das rio sich verabschieden müssen würde, trat ich dem ganzen vorgang zunächst mit der kaltschnäuzigkeit von 6 jahren berlin gegenüber. es würde etwas neues kommen und coop sich unter umständen bald eh wieder eine neue bleibe suchen. doch umso länger ich darüber nachdenke, desto mehr dünkt mir, dass ich das rio vermissen werde, den einzigen grund in der zinnowitzer auszusteigen. ein bisschen war es immer die indiedisko für die mitteboys und girls, das show & shine im rundlauf durch die 2 floors, an der toilette vorbei zum eingang, den türstehern winken und wieder an die bar. gute nacht nachträglich, liebes rio, ich trinke meine diskoschorle jetzt ohne dich.