12/12/2007

dance first. think later. it's the natural order.


ein bißchen ordnung soll in den prenzlauer berg zurückkehren, setzt man die sich im kiez tummelnden aufgesprühten hinweise in bezug zu samuel becketts für die überschrift verwandte zitat. tanzngen, die phonologische essenz der berliner nächte, prangt als zum viralen marketing-tool degradierte street art bunt auf den bürgersteigen. doch mit dieser art bordsteinschmuck lässt sich besser leben, als mit den plakatmotiven im u-bahn-schacht hinsichtlich aktueller werbung einerseits, und erfreulich dezentes club-marketing ist es auf der anderen seite. mit gruseln erinnert man sich im gegensatz dazu an den medienaufschrei zur cookies wiedereröffnung, der unter anderem in einem spiegel-artikel mündete, der zweifelsohne aus der feder eines redakteurs stammte, der nicht nur am sekt genippt, sondern wohl auch gedippt hatte. ähnliche strategien empfehlen sich auch ein knappes jahr später, möchte man den ausflug in die turnhalle halbwegs gutgelaunt überstehen. doch lokalitäten, die es schaffen, den gästen vorzugaukeln zur hippen meute zu gehören, und diese so den anderen clubs ersparen, braucht es auch, unabhängig davon wie trostlos es erscheint, den eignen coolness-faktor über die regelmäßige anwesenheit in einem club zu bemessen.

dennoch lassen präferenzen in diesem bereich exaktere rückschlüsse auf die kompatibilität mit der eigenen person zu, als die vorliebe für einen bestimmten fußballclub aufschluss über geschmack und stil gibt. ohne zögern sehe ich darüber hinweg, wenn das herz an den 1. fc köln gekettet ist, der oder das felix, ist aber nur in der ersteren version mein ding und bildet einen wunderbar klaren kontrast zum absolut indiskutablen besuch in der gleichnamigen disco.
ähnlich stand es nicht zur debatte, interessenten an unserem kürzlich vergebenen wg-zimmer zum kennenlernen einzuladen, die in ihrem online-profil angaben, die kulturbrauerei sei ein toller ort zum weggehen. zum weggehen im sinne von "die flucht ergreifen" vielleicht, doch tanzngen gestaltet sich an orten wie diesem als ungelenkes balzen rentier- pullovertrangender enddreißiger, die mit speed-dating wohl besser beraten gewesen wären, da alle teilnehmer sich der peinlichkeit von beginn an bewusst sind.

heißer tipp für die reiferen generationen: der bundes- presseball, neujahrsempfänge, die kantine des verteidigungs- ministeriums: denn niemand macht in amourösen verstrickungen zur zeit mehr schlagzeilen als politiker, vorstandschefs und die grand dames der medien. seit dem das herz der politik von berlin aus pulsiert und nicht mehr nach den sitten bonns spielt, scheint junge liebe, neues glück und abenteuer auch in den elitäreren kreisen wieder en vouge zu sein.



laut dem artikel der zeit leben, der vor kurzem den prenzlauer berg in nicht allzu schmuckes licht rückte, sehen sich auch hier die anwohner als elitäre runde, auch wenn die bundespolitik lieber in mitte hausiert. so darf man sich wundern, dass ausgerechnet im herzen des kiez, der dem bitterbösen text von henning sussebach zufolge von einer fehlgeleiteten meute bevölkert wird, ein neuer club aufmacht, den der skizzierte stereotyp aus mangel an bio-bier und nicht zu tolerierendem passivrauch ohne zweifel meiden würde. der zeit-autor wird zumindest in diesem falle unrecht behalten. die quellen, aus denen die word-of-mouth neuigkeiten ihre runden drehen, versprechen eine feine ergänzung des nachtlebens und das eher niedliche wortspiel zur namensgebung tanzt aus der reihe der plakativ englisch benannten proleten-diskotheken der weißen-hosen-fration.

die macher des zu mir oder zu dir haben sich nach eigenen angaben mächtig ins zeug gelegt, den club so schalldicht versiegelt, dass junge familien durchschlafen können, selbst den fußboden liebevoll gestaltet und bitten in erster linie zum tanz. diesen freitag und samstag laden die herren zum opening ihres tanzparketts, und da der pressetext es sich nicht verkneifen konnte die berühmt-berüchtigten zeilen "in ist, wer drin ist" zu beinhalten, dürfen trendscouts die augen offen halten, ob nun flanell, neon oder pelz die richtung vorgeben. am samstag sorgen unter anderem jahcoozi und peter bounce, der sich nicht nur durch zwei podcast-beiträge einen namen gemacht hat, für den takt zu dem man tanzen, springen und pirouetten drehen darf.



ob das tanzngen so mobil macht, dass es sich bald den aktuellen claim unserer liebsten verkehrsdienstleisters "zukunft bewegen" aneignen darf, oder das konzept noch einmal zurück an die ballettstange muss, wird man am sonntag bei der kater-bionade zwischen kreischenden kindern diskutieren können. vorerst sollten aber die spitzenschuhe eingelaufen und die hüfte geölt werden, denn herumstehen sollte man sich für den nächsten bahnstreik aufsparen.


tanzngen opening
eberswalderstraße 16
14. & 15. dezember ab 22h


5 comments:

  1. endlich sagts mal jemand! das cookies ist ne turnhalle und man fühlt sich immer wie auf ner abi-feier! basta!

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  2. und der dieswöchige besuch von paris hilton spricht ja auch bände.

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  3. den artikel in der zeit habe ich auch gelesen. hatte aber schon den eindruck, das da was dran ist. klar, ist vll etw. einseitig und überzogen, aber den anderen teil hast du ja hier vortrefflich skizziert.
    sehr lustig, danke das hat mir mein frühstück versüsst.
    vor allem der link zu dem rettich song.

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  4. Don Beutovitsch12/14/2007 4:04 pm

    turnen sie es on
    tunen sie es in
    und rauken sie es an.

    oder tun sie es besser nicht.
    die konzentration...
    zu spät. weg.

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  5. gut, dass ich kein dreißigjähriges pärchen bin. ja, der rettich-song ist schon fein.

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