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11/27/2008

geheime gewohnheitstiere







unstetigkeit ist sicherlich eine sache, die man unserer generation nicht vorwerfen kann: irgendwo zwischen dem auf und ab der wirtschaft, fluktuationen im freundeskreis, bett und fußballverein, alten unterhosen, regelschmerzen und sonntäglichem ausnüchtern finden sich schematische zyklen, die wir teils unbewusst zu lieben oder hassen, aber auch zu akzeptieren gelernt haben.

seinen anfang nahm das ganze frei nach brand eins bei aristoteles, dem alten denker, der uns einbläute, katharsis wäre das ding: drama, tragödie, schmerz als mittel der seelenreinigung. ein credo, ein hin und her, das wir institutionalisiert haben, sei es in sachen mode, medizin oder nächtlicher zerstreuung. kurz lässt sich das auf folgendes zusammenkürzen: der mensch muss leiden, damit es ihm wieder gut gehen kann.

nun ist man heutzutage, fernab von sturm und drang, nicht mehr ganz so dramatisch; will heissen, leid muss nicht sein, abwechslung schon. man ist schließlich auf- und abgeklärt. so begeisterte mich schon damals im biologieunterricht herr wiedemann, ein heimlicher intimus von helge schneider, mit seinen abhandlungen darüber, warum die parallelen zwischen den vermehrungszyklen von wölfen und kaninchen so eng und unabdingbar mit einander verflochten seien. eine transferleistung zwischen den disziplinen vermochte mein jugendliches gemüt allerdings nicht zu leisten, das vergnügen blieb zunächst biologisch.

ganz generell sind zyklen etwas, dem sich unsere gesellschaft auf gedeih und verderben nicht entziehen kann. einem hamburger mag das per wasserstandsmeldung in die wiege gelegt worden sein, andere teile deutschlands müssen sich vermutlich andere anhaltspunkte suchen, um die etwaigen launen des partners unaufgeregt zu ergreifen. helfen könnte dabei boris becker. er steht wie kein anderer prominenter für den steten wechsel, auf den man sich verlassen kann - ausnahmen bestätigen die regel.

ohne jegliche selbstreflektion scheint dieser habitus auch ins web 2.0, modeblogs mitteilungsbedürftiger mädchen und denen der vom aktualitätswahn geknechteten musiknerds einzug gehalten zu haben. herr becker ist dabei der geheime bacchus, der ohne viel gnade befiehlt, auf altbewährtes und aufgekochtes zu setzen. bis es irgendwann kracht. dann wird von vorne angefangen. rücksicht wird dabei wenig genommen, reflektiert noch weniger. dem kritischen betrachter könnten sich allerdings ein paar fragen aufdrängen.

langweilen wir uns denn eigentlich nicht zwischen immergleichen modestrecken und flannelhemden, die uns weiss machen wollen, dass sie tagesaktuell wären? ist laut und doll aka new rave nicht eigentlich schon tot, geht uns minimales klickerklacker und der ausgenudelte klang neurotischer frauenstimmen über kosmischen discotunes nicht auf den wecker? sind die meisten arty installationen zwischen alternder schwerindustrie und cocktailglas nicht in wirklichkeit überflüssig? vermutlich schon.

der mensch aber ist ein zyklisches gewohnheitstier. er kann nicht anders, er will nicht anders und vor allem: er braucht es nicht anders. ob man das zwingend schlecht finden muss? mit sicherheit nicht, aber es erklärt zumindest das phlegma, das einen ab und an befällt, mit den hochs als reziprok. was vielleicht bleibt, ist ein wunsch nach schärfe, aber: "wir müssen uns sisyphos als einen glücklichen menschen vorstellen."


mehr zu x-beinen findet man hier, mehr fotografie hier und etwaiges zu albert camus hier.


10/15/2008

in flagranti





in flagranti sind vielleicht momentan so etwas wie meine lieblingsband, etwas, auf das man sich freut, und etwas, das glücklicherweise am fließband dinge abliefert, über die man sich auch freuen kann. warum das so ist? deswegen und deswegen zum beispiel.

es bleibt zu hoffen, dass sasha crnobrnja und alex gloor, die sich diggend hinter in flagranti verbegen, nicht aufhören, uns mit ihren kantigen organic-house-diy-grooves und ihrem woman-glamour-trash-chic zu beglücken. und momentan sieht es nicht danach aus, peter wird es freuen. kitsune auch. und in diesem fall holy ghost, die sich genüsslich an der neuen single business acumen verdingen.


in flagranti - business acumen (holy ghost! cover) (dl) (ysi)


mehr informationen gibt es auf dem myspace von in flagranti oder bei codek records, den backkatalog hier und die neue single direkt bei unseren freunden von kitsune, billg und gut. go, buy!


7/30/2008

knicken mix 16: herr schmitz - capri



mein neuster mix, ein bisschen so wie capri-eiskreme. billig, aber trotzdem lecker. es gibt ein bisschen 80er, ein bisschen energie, ein bisschen laser, aber keine schulterpolster.


herr schmitz - capri (dl)


mehr infos zu mir findet ihr hier, die tracklist in den comments. ich akzeptiere free drinks und kreditkarten. download durch klicken des titels. viel spaß damit. ich habe das gern gemacht.


9/30/2007

fraidy-cat ballroom


dienstag darf sich getraut werden: ganz davon abgesehen, welche beweggründe für oder gegen einen hochzeitsantrag oder eine eheschließung am tag der deutschen einheit sprechen, die facette öffnet die türen für einen größeren kontext von mut.

die aktuelle ausgabe des jungen berliner magazins verspricht einsichten in wagemutiges handeln gegen kreuzberger antisemitismus, den kampf gegen panikattacken und hühnerfüße auf dem eigenen herd. im zuge ihrer fünften printausgabe geht die facette-redaktion nun sogar über ein rein journalistisches erleben auf dem papier hinaus: sie wagt nun ebenfalls den eintritt in die blogosphäre und außerdem in die welt des internet-tv.

auch die release-party des magazins wandelt auf neuen pfaden hinein in den berliner untergrund: diesmal lädt die facette ihre gäste in den tresor. diejenigen, bei denen clubs wie das berghain oder der tresor bislang eher unbehagen als tanzwut oder kuscheliges beisammensein ausgelöst haben, können am dienstag zum unerschrockenen feiern antreten.
auf den facette-parties trifft man die üblichen verdächtigen der berliner kreativ- und partyszene und seltener die technowikinger aus dem speckgürtel.


facette magazine release party
2. oktober 2007

beherzt an den plattentellern

im batterieraum
jonas olson (l32, bmi)
tad pole (l32)
irie electric (unkool)
kiddo (elektrolyte rec.)
kossi (elektrolyte rec.)
alex tolar (streiten rec.)

+4bar
so what?! (ffm)
fresh meat (bmi)
bossarella (magrec)
decent (magrec)

tresor club berlin
köpenickerstraße 70
u-bahnhoh heinrich-heine-straße


9/24/2007

another funny game



im frühjahr 2008 bringt michael haneke eine neuverfilmung von funny games in die us-amerikanischen kinos. dem trailer zufolge bewegt sich der film beängstigend nah an dem original von 1997 entlang - leicht retuschiert für ein internationales publikum.

die erste version mit ulrich mühe in einer der hauptrollen wird nach dem oscar-erfolg von das leben der anderen, seinem tod im juli und nach veröffentlichung von hanekes erstem englisch-sprachigen feature wohl neue aufmerksamkeit finden; ohne den starcast hätte haneke seine geschichte den amerikaner aber wohl kaum servieren können.

mit naomi watts und tim roth ist funny games mit zwei außerordentlich renommierten schauspielern neubesetzt worden und wird michael pitt und brady corbet, die schon jetzt zu hollywood’s next-gen men gerechnet werden, sicherlich einen publicity boost bescheren.

ob die diskussion sich in den usa auf inhaltlicher ebene weiter entwickelt als zu einem skandal wird man nächstes jahr verfolgen können. diejenigen, die sich der tortur von funny games noch nicht ausgesetzt haben, sollten nicht bis 2008 warten und das original sehen. arno frisch und frank giering sind die perfekte besetzung für die rollen der mörder, die hollywood jungs sind da vielleicht schon einen tick zu schön und zu charismatisch. haneke wird zu dieser korrektur in der ästhetik des films sicherlich noch befragt werden.

den original trailer gibt es hier, den neuen anbei.

frank giering, nicht erst seit absolute giganten ein leinwandheld, spielt übrigens gerade in schwarze schafe einen türsteher des kitkatclubs.