Selbst den Spiegel bewegte das geschmeidige Haupthaar des neuen Verteidigungsministers zu Guttenberg, eine Rückkehr des Glamours in die Politik auszurufen. Die Kanzlerin hingegen hatte es mit seidenem Abendkleid und tiefem Dekolleté Monate zuvor nur geschafft, ein bisschen Brust zur Opernnacht zu einem kleinen Politskandal werden zu lassen, in dem Kommentatoren und Medien ihr wenig modernes Bild einer Frau mit Macht und Verantwortung kundtun durften. Die Beurteilung der weiblichen Festgarderobe überlässt man aus diesem Grund wohl besser Männern mit Kunstverstand: Guido Westerwelle jubelte am Abend des Bundespresseballes Ausrufe der Begeisterung ins rbb-Mikrophon: Würde Frau Aigner in einem solchen Kleid ins Kabinett kommen, toll wäre das. In ihrem politischen Alltag ist für Frauen hingegen immer noch das Graue-Maus-Spiel im burschikosen Hosenanzug das Mittel der Wahl, möchte sie einen kompetenten Eindruck wahren. Die Rückkehr des Glamours in das Regierungsviertel gründet sich folglich auf die designierten Herren, Pomade im Gepäck und treue Ehefrau im Knopfloch. Dass diese adelig steife Gelacktheit nicht selten mit Attraktivität gleichgesetzt wurde, zeugte von der Ödnis des Wahlkampfes und dem Ausmaß des Schönredens.
Das Magazin der Süddeutschen Zeitung hat in seiner neuen Ausgabe den adretten Freiherr noch weiter geadelt. Karl-Theodor zu Guttenberg, Minister in einem Land, das derzeit nur wenige lebende Stilikonen aufweist, scheint modisch eine solche Bedeutung errungen zu haben, dass sein Look von Teenagern begehrt und imitiert wird. Belegt wird dieses Phänomen mit einer Fotostrecke von Münchner Jugendlichen, die ihren Kleiderschrank entlang des „Noblesse Chic“ bestückt haben. Doch der erste Topf Gel entsprang mit Gewissheit der Kosmetiktasche des Vaters, das erste Jackett wurde in beratender Einkaufsbegleitung der Mutter erworben, das Seidentuch zurechtgezupft bevor Guttenberg sich anschickte, neue modische Maßstäbe im Kabinett zu setzen. Es soll Mütter geben, die freuen sich über die Goth-Phase des Sprösslings und sehen die Schürfwunden der ersten Skate-Versuche als Vorbereitung auf den Ernst des Lebens. Wie trist wären ansonsten die Fotoalben, die man der fernen Verwandtschaft zeigt? Auch Karl-Theodor wird denken: „Huch, so sahen wir doch damals schon aus“, das große SZ-Stil-Interview aber dennoch zusagen.
Doch wenn es nach Spuren der Politik in der Mode zu suchen gilt, will ich das in der nächsten Woche auf den Laufstegen der Fashionweek in Berlin gerne tun. Besonders freue ich mich auf das Streitgespräch zwischen Petra Pau und Sascha Lobo, die darüber debattieren werden, welche Markenbotschaft das freche rote Haar sendet, ob der Look am Ende eine Hommaga an Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen ist, und weshalb der Verteidungsminister das Trendsetting für sich entschied.
samstag ist vorbei, "berlins willigstes publikum" hat leer getrunken, das gros wird es heil nach haus geschafft haben, der rest landete sicher in fähigen händen. die charite ist nicht weit. gratulation, großstadt, für all die kurzen wege. man muss dich nicht mögen, aber man kann. der rest ist triebverzicht, würde mein vater sagen, und meint damit kultur. hier wird diese bottroper weisheit ins gegenteil verkehrt. vermeintlich.
das sz-magazin hatte sich in diesem jahr zusammen mit der fotografin wiebke bosse in den verlassenen spreepark im berliner plänterwald gewagt, der joggenden hauptstadtbewohnern und spaziergängern entlang der spree am treptower park bekannt sein sollte. dort gibt es sie noch, verwucherte schwäne und freilebende saurier. da der zutritt natürlich eigentlich nicht erlaubt ist, gelingen stilvoll komponierte aufnahmen ohne zeitdruck nur renommierten medien mit genehmigung. so schafft es das münchner sz-magazin einmal wieder mit einem editorial zu begeistern, und wagt sich dabei noch an die unterrepräsentierten gefilde der männer- und kindermode heran.
hoffentlich wird die freitagsbeilage der süddeutschen zeitung im nächsten jahr nicht unter dem sparzwang des medienhauses leiden. ein leben ohne oder mit dürrem sz-magazin hinterließe eine bittere lücke im schöngeist des tageszeitungsjournalismus. sie gäbe kein verträumtes relikt gleich den saurierplastikem im spreepark ab, die dort schon vor der finanzkrise friedfertig und protestlos verwitterten.
kaum etwas kratzt mehr an meinem morgenlächelnals die abwesenheit des sz-magazins in meinem briefkasten an einem freitagmorgen. bis zu meinem büro am hegelplatz ist dieses feine heft die ideale intellektuelle ergänzung zum kaffee und wohl das einzige magazin, dass meinen all monatlich wiederkehrenden altpapierentsorgungsaktionen niemals zum opfer fällt. "boy, ich zeige dir meine sz-magazin-sammlung." auch gestern morgen zauberte das heft mir einmal wieder ein verschmitztes lächeln auf die lippen: 'das prinzip' widmete sich meinem liebsten artgenossen - boris becker. ich habe noch nie einen tennisschläger des sportes wegen in der hand gehabt, ich siedle den sexappeal von männernin weißen shortseher am unteren ende der skala an, und deutschen klatsch verfolge ich maximal auf bild online - doch: boris hat bei mir einen stein im brett, mit augenzwinkerndem beigeschmack. nach einer kindheit mit zu vielen spitznamen in referenz meiner roten locken, habe ich diese dann doch irgendwann ins herz geschlossen und vor allem entschieden, dass ich ebenso rotgeringelte kinder später mein eigen nennen möchte. diesen wunsch in die tat umzusetzen gestaltet sich dabei gar nicht so einfach. nicht nur, bin ich weit vom ticken meiner biologischen uhr entfernt, rote haare vererben sich außerdem rezessiv: mein rostiges haupthaar verdanke ich der mutter meines vaters. selbst ein rothaariger mann böte keine garantie für mein rotes wunschkind. die zündende idee, wie ich trotz aller mendelschen regeln zu eigenen ginger kids kommen könnte, hatte schließlich der praktikant bei meiner früheren arbeit: boris becker muss her! wer mit einer afro-amerikanischen frau ein rothaariges kind zeugen kann, müsste mit einer rothaarigen frau gemeinsam vermutlich einelola rennt in die welt setzen. der realisierung dieser idee stand nach diesem geistesblitz nur entgegen, dass ich in der reihe von beckers liebschaften aussehen würde wie das schwarze schaf, und zudem bobbele gegenüber eher mütterliche gefühle entwickele, als den gedanken an einen liebesakt. das sz-magazin hat dies in dieser woche hervorragend analysiert und in worte gefasst: boris bleibt ein kleiner junge, und einsitcom-held dazu:
"nur der sitcom-held ist in seinen wünschen und träumen, seinen stärken und schwächen und ewigen selbsttäuschungen ähnlich durchschaubar und simpel gestrickt. er sagt dies, und jeder fünfjährige vor dem bildschirm weiß: eigentlich meint er das. eine cappuccinofarbene frau tritt auf, und siehe da: sabber, sabber, bumms, rassel, gelächter. dann kommt eine blondine, er schenkt ihr mit großer geste einen verlobungsring, aber am ende der folge: har, har, har. in der ecke des sets ist eine tür, die fast nie aufgemacht wird, aber jeder weiß: besenkammer. wann immer er daran vorbeikommt: ho, ho, ho."
den vollständigen artikel von tobias kniebe gibt es an dieser stelle, und ich empfehle ihn wärmstens. nicht nur ist er ein bißchen böse - und das mögen wir - er wird auch in euch die mütterlichen oder väterlichen gefühle für das bobbele wecken, und ein bißchen liebe hätte er vermutlich jetzt verdient. per sms den laufpass zu bekommen, nagt auch an einem sitcom-helden.
knicken wäre nicht mein baby, wenn der begriff web 2.0 für mich nicht der inbegriff eines spielplatzes für die damen und herren meiner generation wäre. doch dafür, dass ich überhaupt daran gefallen finden konnte worte über die tastatur meines schoßcomputers in die weiten des internets zu publizieren, habe ich zweifelsohne schon bevor ich mit sechs jahren als i-männchen gelabelt wurde, bücher gefrühstückt, gedrucktes mit ins bett genommen, und war vermutlich nur zum sonntäglichen kirchgang zu bewegen da ich wusste, dass ich danach in der dazugehörigen bücherei verweilen durfte, die keinesfalls ein christliches geprägtes programm aufwies.
wenn man als kind viel gelesen, gezeichnet und aufgrund der abwesenheit der möglichkeit eine sms oder e-mail zu verfassen brieffreundschaften gepflegt hat, bleibt man süchtig nach der haptik von gedrucktem, ähnlich wie fashion-versteher beim stoffkauf sich zunächst auf ihre fingerkuppen, und nicht auf ihr sehvermögen verlassen. ob die dünnen seiten einer schulbibel, die glitschigen blätter einer frauenzeitschrift im pocket-format oder die zunächst sperrigen und rauen bögen eines hardcovers - das feel eines druckerzeugnisses weckt immer eine assoziation zu natur und qualität seines inhaltes. so bleibt es in maßen verständlich, dass journalisten ihre texte ungerne nur ins netz entlassen, anstatt in die druckpresse und vertreter der verlagsbranche das vordringen des webs auch in ihre gefilde geflissentlich ignorieren, totreden, oder gleich das ende des geschriebenen wortes in formvollendung herbeifantasieren. die verschiedenen chancen, sei es nun eine sehr viel weitere verbreitung, ein leichterer zugriff und dies auch für nachfolgende generationen oder ein ressourcenschonendes aushändigen von text und thesen, werden den generalverdacht des kulturverlustes verschuldet durch das internet wohl nur langsam dämpfen.
ausgerecht ein kleiner independent-verlag, ansässig im herzen von kreuzberg 36, hat nun den pionierschritt gewagt und als erster verlag weltweit die erstveröffentlichung eines romans sowohl traditionell als greifbares schriftstück für den buchhandel als auch als e-book für das iphone und ipod touch in den markt gebracht. in kooperation mit den apple-entwicklern der thecode ag hat der verlag onkel & onkel einen stand-alone e-reader für das iphone entwickelt (mehr dazu hier). erstes anliegen von onkel & onkel ist hierbei zunächst die leserschaft für die technologie zu begeistern: sie bieten daher den roman 'puder' von dem norwegischen gegenwartsautor tor age bringsværd als vollständiges werk zum kostenlosen download an. das werk ist sogar inhaltlich auf die iphone-application abgestimmt: die gesellschaftssatire spielt in in einem durchtechnologiesierten oslo der zukunft, in dem protagonist p als irrationales handlungselement bei einem verlag arbeitet, und dort die von computern geschriebenen texte in weniger glatte form versetzt.
von der einwandfreien funktionalität des buches fürs iphone habe ich mich gestern bei einem besuch im laden des verlags in der oranienstraße 195 überzeugen können. neben anderen bunten netzideen in der hinterhand bieten onkel & onkel natürlich auch eine exquisite auswahl gedruckter dinge wie das vielbesprochene führer-quartett, zozoville prints oder meinen persönlichen favoriten: ein winziges schwarzes buch aus der reihe die kleinen bösen bücher: "gemeine antworten auf kinderfragen". wer sich zudem von indieerotik inspieriren lassen möchte kann im laden des verlags das jungsheft erwerben.
"kinder lernen nicht in, sondern trotz der schule", erzählte vor kurzer zeit ein beliebiger politischer akteur in einer wiederholung einer anne will sendung im fernsehen. für mich und sebastian müller, der fotograf dem dieser post gewidmet ist, ist das eine sehr treffliche beschreibung unserer gemeinsamen schulzeit im gymnasium des august-macke-schulzentrums, das trotz der namensgebung in anlehnung an den expressionisten und mitglied des blauen reiters einen kunstunterricht angeboten hat, gegen den progressive kitas heute als meisterkurs abschneiden würden. die zeit auf dem weg zum abitur an schulen in sauerländischen kleinstädten ist bitter für aufgeklärte köpfe, deren fortkommen nach dem schulabschluss nicht gen lehramt, betriebswirt oder zahnmedizin strebt.
neben den tagen, an denen unser völlig seniler spanischlehrer geburtstagslieder in moll vortrug oder wir in unserem vier mann starken kurs entrüstete el pais-texte über wowereits outing versuchten auf spanisch zu diskutieren, waren die gespräche mit sebastian vielleicht das einzig sinnvolle in den letzten zwei jahren meiner schullaufbahn, und sein kluger zynismus immer noch zu sacht formuliert für ein schulsystem und lehrpersonen, die depressionen und drogenabhängigkeit als folge ihres wirkens auf den lehrplan schreiben. berlin zeigte sich schließlich gnädig: vielleicht wäre sebastian - es seinem vater gleichtuend - sonst heute polizist und ich tiermedizinerin, wie mein berliner studienplatz es zunächst vorsah. sebastians bruder, frank müller, betrieb zu dieser zeit glücklicherweise schon sein techno-label mueller records und den act beroshima und färbte noch vor sebastians umzug nach dortmund genügend auf ihn ab. vermutlich hatte das sauerland aber schon allein die spuren hinterlassen, die sich heute in sebastians fotografie entdecken lassen.
sebastian müller studiert derzeit in dortmund fotografie und wurde im letzten jahr als deutscher teilnehmer zum studentenwettbewerb der sony world photography awards für seine umsetzung der aufgabe 'zeige dein land in einem foto' nach cannes eingeladen, wo außerdem die bildstrecke befruchtung entstand, die wie der großteil seiner fotografien die fehde zwischen genie und wahnsinn in seinem kopf anschaulich in szene setzt. seine aktuelle fotoserie ist ein wunderbarer einblick in die liebreizenden seelischen abgründe des fotografen, der nun die ikarus-sage fotografisch umgesetzt und interpretiert hat. dass ein lehrer einer sechsten klasse anhand der bilder griechische mythologie nahe bringt, sei dahingestellt; ein kunstunterricht, der kein katholischer kommunionsunterricht ist, sei diesen kindern trotzdem gewünscht - und wenn es das einzig irritierende oder inspierenende bleibt, in einer schrägen umwelt inmitten von parties der jungen union, kleintierzüchtern und schützenumzügen.
mehr von sebastian müller, der in solchen gefilden aufwuchs, findet ihr auf seiner website.
der folgende text ist schon an dieser stelle erschienen. da knicken in ihm aber eine nicht zu verachtende rolle spielt und er sich auch hier wohlfühlen wird, steht er nun ebenfalls hier in leicht abgeänderter form.
es gibt tage, da freut man sich um so mehr so hübsche kinder wie diesen blog und flannel apparel zu betreuen. zu anfang habe ich die texte ohne ein direkt adressiertes publikum geschrieben, und mich an der zusammenkunft schneidiger wörter, sperriger satzteile und teils wirrer, teils heller gedanken erfreut. ein text für einen meiner blogs, ist in der endsumme ähnlich genugtuend wie das entstehen einer zeichnung auf ehemals weißem papier. die wahl der passenden bildsprache, das einfärben der liebreizenden vokabeln, die passende überschrift und die entscheidung im ton rational, sarkastisch oder vorlaut zu werden - ist ein prozess der mein herz mehr beflügelt als manche frauen das shoppen. manchmal ist es sogar besser als ein biss in den nacken. gezweifelt, zu welchem zweck ich die blogs umhege habe ich nie, denn schreiben ist stets auch selbstzweck und folgt nicht immer ökonomischem kalkül, dem blick auf karriere oder hat missionarische absicht. gezweifelt haben andere, die meine zeitliche investition in diese seiten im netz, so klein und unter vielen, stark in frage gestellt haben. genau diese leute haben blogs allerdings bis heute nicht verstanden.
es kann in deutschland immer noch eine weile dauern, bevor auch nur annähernd die hälfte der mediennutzer verstanden hat, wie blogs zu lesen, zu verstehen und zu nutzen sind. natürlich haben die leser keinen ausgereiften journalismus vor der nase und keine lebenswichtigen nachrichten, keine verkündung bahnbrechender entscheidungen; doch überall im netz lauern perlen ihrer gattung, und gute, auch durchaus persönliche blogs können das eigens selektierte menü medialer leckerbissen um sprünge reichhaltiger machen, ansprüche an stil befriedigen, wissensdurststillen und sätze direkt an dein herz dirigieren.
dieses kleinod hier zu schreiben, hat mir mehr gebracht als jahrelanger zeitungskonsum und sporadisches fernsehen gucken. eine kleine expedition ins netz hat genügt um zu erkennen, dass ich als zielgruppe nicht abgeschrieben wurde. blogs zu lesen, zu schreiben, anzugucken und wieder zu vergessen, ist aktives mediennutzen mit starkem fokus auf dialog und diskurs, leidenschaftliches streiten, gemeinschaft und freundschaft. blogs sind keine digitale inszenierung die in virtuellen freunden resultieren; blogs make you go out there, meet people, get to know them and fall in love.
ich war in höchstem maße skeptisch, als ich über mahret zu einem blogger-treffen zur kopenhagener fashion week eingeladen wurde. ich, die ihren freundeskreisaus sorgsam selektierten männern speist, deren beste freundin keine frau ist und die ihre letzten frauenzeitschriften mit sechzehn verbrannt hat. ich hatte zugesagt, ein paar tage mit fünf anderen frauen, die fast ausschließlich über mode schreiben, im kopenhagener modezirkus zu verbringen. 2008 hatte eine weitere überraschung für mich bereit: ich traf an einem tag am gleichen ort fünf der smartesten, offensten, unkompliziertesten und liebreizensten frauen, die sich bislang in meinem radius aufgehalten haben. fashion-bloggerinnen - you heard me right.
hier also eine weitere noch nicht erkannte chance, die blogs inne wohnen: die klügsten köpfe. denn obgleich die blogosphäre - misst man diese an den deutschen blogcharts oder den nach medialer aufmerksamkeit lechzenden bloggestalten - männlich dominiert scheint, finden sich hier unzählige frauen, die etwas zu sagen haben. bloggen kann natürlich jeder idiot mit computer und notdürftiger rechtschreibung, einen blog hingegen zu etablieren, technisch und optisch umzusetzen, zugang zu inhalt und veranstaltungen zu bekommen, gleicht einem kleinunternehmen - in oben genannten fällen immer ein kleines mediumimperium gebaut auf den zarten schultern einer jungen frau. würde ich nun ein eigenes unternehmen leiten, ich hätte berge versetzt um diese damen für meine zwecke einzuspannen. glücklicherweise kommen auch langsam andere menschen in den entsprechenden positionen auf diese idee. wer hätte mir letztes jahr geglaubt, wer kauft es mir heute ab wenn ich schreibe, ein mit herzblut geschriebener blog ist wohlmöglich eine bessere investition in deine zukunft als ein straight durchgezogenes studium, drei praktika in pr, medien und wirtschaft, oder dein lang geübtes, herbes auftreten um mit karriereglatter ausstrahlung zu überzeugen. ich erwähnte in einem post vor kurzem die frau, die das buch mit dem titel "the best plan for developingthe leaderyou need" in der s-bahn las, ein buch, dass ich als größere strafe betrachte als das weihnachtsgeschenk meiner mutter von eva-maria zurhorst. wenn man nun einen außerwöhnlich klugen kopf für eine mediale unternehmung oder etwas themenspezifisches sucht, ist es kein falscher ansatz zu schauen, wo und wie diese leute sich im netz bewegen und nicht zu fragen, welche seminare sie zu leadership-kompetenz besucht haben, oder an welcher elite-uni sie ihre jugend gegen den ritterschlag mit einem auf umweltverträglichen papier gedruckten zertifikat für besondere folgsamtkeit getauscht haben. das internet macht nicht notwendigerweise dumm, in den richtigen händen kann es ungemein bilden, befähigen und inspirieren.
in den weiten des internets wurde ich glücklicherweise auch kürzlich entdeckt und mein lobbyistendasein endete jäh, aber ohne eine einzige träne. anerkennung für knicken und meine karos schmeichelt und irriterit zugleich, denn komplimente prallen meist an mir ab, da ich die zwei immer noch als experiment betrachte, aber nicht als medaillenkandidaten. wenn ich knicken und seine flauschige schwester allerdings als meine kinder bezeichne, dann habe ich vor kurzem meine große liebe getroffen. sie heißt freitag, und wird noch von sich reden machen. dort geht es auch um sprünge im netz, schöne worte und große gedanken. ich hoffe ihr schaut mal vorbei, wenn es soweit ist. ich habe meinhochzeitskleid schon ausgesucht, und eheliche kinder sind in planung. und selbst das war vor knapp einem jahr noch anders. kinder habe ich mir damals nämlich nicht gewünscht.
manche behaupten, grindin sei so etwas wie die secret society der mp3-blogger. in teilen trifft dies sicherlich zu, aber zum einen akzeptiert grindin frauen, zum anderen tragen wir unsere pläne stets in die öffentlichkeit: so eben wurde wolfgang clement von der deutschen delegation abgeworben, damit überbleibsel der spd wenigstens in ein paar monaten noch im netz zu finden sein werden. die spd streitet sich derweil lieber noch ein bißchen weiter, denn umfrageergebnisse auf einem all-time-tiefstand haben immer noch nachrichtenwert. politikblogger möchte clement hingegen nicht werden. er brütet emsig über einer deutschen adaption von hipster runoff. clement hat blogs verstanden. weblogs werden in deutschland zwar weiterhin geflissentlich unterschätzt, wir werden aber gerade im herannahenden bundestagswahlkampf wohl noch einige hochtrabende ideen zu ihrem einsatz hören. ich gehe an dieser stelle gerne wetten ein, dass unbescholtene jungspunde der parteien sich schon jetzt in klausur darüber die köpfe zerbrechen, wie sie blogs infiltrieren können um sie im wahlkampf für die jeweilige partei auf stimmfang zu schicken. zu spät für die spd, und ebenso attestiere ich für diesen zweck den deutschen parteien gerne: it's not gonna happen. einzige möglichkeit: sie kaufen aleks und bringen in kollaboration mit discodust eine wahlkampfhymne auf den weg und flehen um die unterstützung von clements hipster blog. man sieht mal wieder, bloggen birgt jede menge spaß. vor allem sind blogs aber eine wunderbare ausrede für uns kinderlose.
das kinderthema ist auch in dieser tage in den printmedien omnipräsent. sogar der cicero, seines zeichens zeitschrift für politische kultur, macht mit dem baby-thema auf: "das neue baby-wunder." blond und blauäugig strahlt das wunderkind vom titel. ein wenig irritiert war ich weiterhin darüber, dass der cicero sich nun in touch-ähnlicher ankündigungen auf dem deckblatt bedient: wer ist angela merkels mann wirklich? die sterbe-industrie in holland; was obamas vater über den sohn verrät. das die tage erscheinende face-magazin präsentiert sich mit dem schwerpunkthema: wer kümmert sich um die kinder? nun, hier wird davon ausgegangen, dass die kleinen racker schon da sind, während der cicero uns erkenntnisse darüber liefern will, warum nun wieder so viele kinder geboren werden. im face-magazin erzählen stefan weidner, rza und mark wahlberg von ihrem engagement für kinder, weiterhin gibt es literarische leckerbissen von stefan kalbers, jan off und roman libbertz.
ich durfte hingegen zum face-magazin beitragen, weil ich noch keine kinder habe. ich kann es mir erlauben im nassen kleid durch berliner brunnen zu hüpfen, und - hier meine these zu kinderlosigkeit und blogs - stelle meine zehn kleinen lieblinge vor. mein kinderäquivalent, für das ich manchmal die nacht zum tage mache. wenn man als vermeintlicher akt der ultimativen problemlösung nach berlin gezogen ist, wird man sich früher oder später einen blog anschaffen, den man bemuttern kann. für die katze ist in der mietwohnung kein platz oder die hohe feinstaubbelastung hat unsere allergieproblematik auf die spitze getrieben; als logische folge des kindes als allgegenwärtigen style-accessoire im prenzlauer berg muss man diesen trend boykottieren. wer ist hier überhaupt noch fruchtbar, nach jahren auf raves, im berghain und in der bar25?
ich kümmer mich nicht um die kinder, sondern um knicken. das ist in der tat auch sehr zeitaufwendig, und meine augen leuchten, wenn ich sehe wie der kleine wächst und gedeiht. eine vorbildliche patchwork-familie sind jan und ich außerdem: unverheiratet, ungetauft und mit weiteren partnern. zudem war er es, der mit knicken schwanger geworden ist. wenn das kein stoff für hollywood ist.
wie dem auch sei. freitag abend ist die aus frankfurt stammende kultstätte für elektronische tagesfragen in berlin zu gast. im scala geben sich aleks von discodust, miss toats und ihre gefolgschaft die ehre. das ist natürlich kein schrulliger blogger-pflichttermin wie eine twitterlesung oder die republica, bei der zum thema frauenblogs männer schlicht aus dem raum geworfen wurden. der morgige abend im scala ist einfach eine tanzveranstaltung der extraklasse, auf der sicherlich auch ein paar blogger zugegen sein werden. im kern geht es hingegen immer um inhalte, in diesem fall um musik.
anything you need to know is here. click it, dress up and dance with us.
hip hop-großmeister grandmaster flash hat kürzlich seine autobiographie fertigstellt und wurde prompt von den jungs von CROW´n´CROW ins berliner week end eingeladen um dort seine memoiren zu präsentieren - win it here! ein ausführliches interview im vorfeld des week end-gigs der vorigen woche, geführt von der mtv urban moderatorin hadnet tesfai, findet ihr in kürze auf den seiten von CROW´n´CROW; zudem werden dort zwei riesige sitzsäcke im limitierten grandmaster flash-design für einen wohltätigen zweck versteigert. impressionen in text und standbild gibt es auf dem berliner blog schon jetzt.
der mittlerweile fünfzigjährige joseph saddler, der als erster hip hop act mit den furious five 2007 in die rock 'n' roll hall of fame aufgenommen wurde, ließ es sich im anschluss an die lesung aus 'the adventures of grandmaster flash - my life, my beats' nicht nehmen bis in die frühen morgen stunden seine turntable exzellenz mit dem berliner publikum zu teilen.
knicken verlost nun in zusammenarbeit mit CROW´n´CROW zwei exemplare der fast 300 seiten starken erinnerungen des godfathers aller hip hop djs in gegenleistung zu einem knappen, begnadet schönen beitrag von euch.
thematisch knüpft eure kreative mitwirkung an der brandaktuellen reglementierungsfreude der politik und schreckensszenarien von eltern und lehrern an. wir prämieren eure abhandlungen unter dem leitgedanken "mein kind muss später hip hop hören" - obgleich in text, fotografie oder illustration - mit dem werk des grandmasters. als pflichtlektüre hierzu empfehle ich den wunderbaren text der taz: freiheit für track 7, der einen süffisanten einblick in den alltag der bundesprüfstelle für jugendgefährdende medien gewährt. ich zitiere als vorgeschmack:
"das bayerische landeskriminalamt hat die überprüfung von track 7 und track 9 angeregt. auf dem konferenztisch stehen kaffeekannen und wasserflaschen, darum herum sitzen ein lehrer, ein lokaljournalist, eine frau vom zentralrat der juden, ein vertreter des verbands der deutschen automatenindustrie, einer des landes bayern und einige andere abgesandte von verbänden und ländern. sie stellen heute "die deutsche gesellschaft" dar. die deutsche gesellschaft hat ein durchschnittsalter von ungefähr 57 jahren, vorwiegend graue haare und ausnehmend gute laune. als die erste fanfare aus den boxen stößt, der bass leicht brummt und azad rappt, dass in frankfurt haschisch auf bäumen wächst, nickt eine beisitzerin aus versehen vier takte lang mit dem kopf. während track 9 läuft, unterstreicht der vertreter bayerns auf seinem textzettel die worte "klinge in den arsch steckt"."
ich landete erst vor kurzem unverhofft auf meinem ersten sido konzert, das mich spontan in begeisterung versetzte und einmal mehr untermauerte, dass meine kinder unter anderen zu hip hop beats das krabbeln lernen werden. frauenfeindlich und menschenverachtend? - da empfehle ich pro sieben-formate wie popstars, gülcan & collien oder das model und der freak.
schickt uns eure beiträge (text (max 500 wörter), fotos, illustration und co.) zu "mein kind muss später hip hop hören" bis sonntagabend, 19. juli 2008 an knickenberlin [at] gmail [dot] com. zusammen mit CROW´n´CROW wählen wir die besten aus, stellen sie online und bestücken euch mit dem buch des grandmasters.
lange wachphasen und wirre träume unterbrachen meine nächte im münchner palace hotel am vergangenen wochenende. zwei gründe dafür kann ich zweifelsfrei ausmachen: zum einen unbehagen, ausgelöst durch das schütteln von guido westerwelles hand, die sich anfühlte wie ein zu oft gefettetes ledersofa. zum anderen fieberte ich dem ersten album meiner derzeitigen lieblingsboyband entgegen. viele frauen haben die auflösung ihrer über alles geliebten boygroup überlebt und schicken ihren ersten sohn nun zum ballett - ich habe vor wenigen wochen das erste mal ein poster einer solchen band in meiner küche aufgehangen.
irgendwo zwischen später kindheit und endender teenagezeit klafft bei mir eine lücke, die für viele mädchen die erfahrungen einer heiser gekreischter kehle, hyperventilation in den vordersten reihen einer ausverkauften konzerthalle und den ersten, untröstbaren liebeskummer beinhaltet. boybands mochte ich nie, vielleicht aus dem grund, dass ich barbies und fußball schon im kindergarten nicht als unvereinbare hobbies angesehen habe, und somit meine spielkameraden des männlichen geschlechts nie als exotische energiebündel betrachtete, die aufgeregt einem ball hinterherjagten. dieses frühe verständnis für echte jungs stellte die von produzententeams aus plastikgegossenen knabenchöre für mich in eine ecke, die keinen sinn ergab: spielkameraden? - nein. erste liebe? – bloß nicht. meinen besten schwulen freund würde ich jahre später treffen, mir war weder metroxsexualität zu dieser zeit ein begriff, noch wusste ich von der geldmaschine hinter den gecasteten tanztruppen - dass an dem konzept einer boygroup allerdings einige kanten waren, die nicht in meine lebenswelt passten, und dass die sorgsam selektierten schönlinge bei mir so starke emotionen regten, wie monica bellucci bei guido westerwelle, stand bis zu meinem dreiundzwanzigsten lebensjahr für mich so fest wie kurt becks bürstenschnitt dem wind trotzt.
boybands funktionieren noch immer um pubertierenden mädchen herzen in die augen zu zaubern. diese malen heute wie früher mit nicht zu bremsenden enthusiasmus großflächige plakate für die auserkorenen voller sexueller angebote, von denen sie bis dahin stets nur in der bravo gelesen haben. wer nicht weint, seinen bh auf die bühne schleudert und nach luft jappst, ist kein wahrer fan. zwar ist tokio hotel ein entscheidender fortschritt und erweitert das spektrum der traumgatten für junge mädchen erheblich, dass die auseinandersetzung mit dem anderen geschlecht lange zeit nur über sehnsüchtiges betrachten eines poster geschieht sowie das objekt der begierde über das angebot von oralsex für ein 'happily ever after' gewonnen werden soll, stellt eine frühe weiche für die aufrechterhaltung patriarchalischer strukturen und schlechtem sex. nicht nur die musikindustrie führt dabei bereits kinder hin zu einer verkorksten rollenverteilung. sowohl erziehende, die spielzeugindustrie als auch das schulsystem propagieren eine starre geschlechtertypologie. integration schreibt die deutsche bildungspolitik zwar auf den ersten blick groß groß – doch dabei vergisst sie stets, dass nicht nicht nur sprachübergreifend ein bisschen anleitung beim miteiander hilft, sondern dass erstklässler mit blauem und fliederfarbenen schreibset nicht automatisch zu rollenbildern finden, die für ein zusammenleben förderlich sind. wen wundert es, dass die ersten kinder immer später kommen, wenn die damen daran festhalten auf einen blonden prinz à la nick carter zu warten, und die herren im vorstand fangen spielen. warten wir ab, ob frau von der leyen sich der demographischen hemmfunktion von boybands bewusst ist, denn natürlich ist das rauchverbot in deutschland erst der anfang davon, unsere kultur auf maß zu schleifen.
der hang zur zigarette hat sich mir bislang nicht erschlossen , doch meine vorliebe für boybands habe ich ausgerechnet im fruchtbarsten alter entdeckt. die lebensphase, in der ich begonnen habe musikalische formationen, die hauptsächlich aus hübschen, nonchalanten männern bestehen, zu mögen, weist vielleicht eine parallele zu dem phänomen der kindlichen hinwendung zur boygroup auf: mädchen beginnen zehn jahre ältere sänger zu vergöttern, da diese über romantik und ewige liebe singen, wenn ihre altersgenossen fast ausschließlich für die waden von michael ballack zu begeistern sind, die rehaugen der klassenkameradin aber schlicht nicht interessant genug sind. als mein freund begann unsere familienplanung mit dem grundgesetz und dessen schwestern in der staatsbibliothek auszusitzen, entdeckte ich, wenn auch nicht ausschließlich aufgrund von hübschen hintern, meine liebe zu einer handvoll boybands. lange leuchteten meine augen nur bei dem anblick von zwergkaninchen und männern mit bärten, but things have changed: wie es sich für einen fan mit groupietendenzen gehört, habe ich the teenagers in diesem jahr schon live gesehen, besitze shirt und poster and der wand und kann die lieder mitsingen. ich wurde ermahnt, nicht zu oft über poney poney zu schreiben, und der text über young lords muss dringend gekürzt werden, bevor er online geht. doch sorgen, muss man sich um mich nicht: entscheidender unterschied für die entdeckung der boybandbegeisterung im jungen erwachsenenalter ist nämlich, dass ich nicht davon träume, dorian, quentin oder michael vor den altar zu schleppen, sondern ich eher ihr dreckiges französches gebrabbel als ihre ärsche sexy finde. es geht im inhalt, baby!
und jetzt geht es um vier jungfrauen: die new yorker jungs von the virgins verzaubern nicht mit französischem indiepop sondern sexappeal, markanten gesichtern und schon jetzt gefestigter rockstar-attitude. zu diesem urteil kam nicht nur ich, nachdem sich 'rich girls' zuerst im oktober in mein ohr gebrannt hatte: auch die vogue hommes international befand wade und donald heiß, kantig und nonchalant genug, um sie von terry richardson für die erotic ausgabe des magazins fotografieren zu lassen. ihr derberes äußers zusammen genommen mit den anfängen der band in der new yorker rock szene hätte zunächst dazu führen müssen, dass ich das label boyband für the virgins nur mit einem augenzwinkern benutze, um der wertschätzung ihres stils und musik den hauch mädchenhafter begeisterung zu verleihen, der sonst nur bei liebesblinden fans zu finden ist. doch mit ihrem ersten album rücken the virgins ein gutes stück an das wesen einer klassischen boygroup heran: der schmutzige, schnoddrige sound der ersten ep ist zu sauberen, exakt arrangierten popstücken geglättet worden. textzeilen wie 'let’s have a cocaine brunch' und 'i like the way that her body bends in half' verlieren an nachdruck und arroganz; in diesem ton wird normalerweise von blonden jünglingen über gebrochene herzen oder ewige liebe in verregneten videos gesungen. da die produzenten von gossip girls die komplette erste ep der virgins für den soundtrack der serie auswählten, überrascht es fast, dass das album für den markt den härteren sound einbüßen musste, hatte das überwiegend weibliche publikum die virgins doch mit großer begeisterung aufgenommen. einer band aber, deren demostücke seit monaten in den ersten reihen meiner persönlichen charts rangieren, kann man auch bei einer überdosis pop nicht untreu werden – schon gar nicht im sommer. zudem haben stimme und bassline nicht an eindringlichkeit verloren, und die 80er färbung von 'teenlovers' und 'murder' gibt der laune den letzten notwendigen stupser, um neben roten lippenstift und aspirin den bikini zum festbestand der handtasche zu machen.
den virgins, die mit ihrem dritten konzert eine show von patti smith eröffnet und für ihre liveshows - egal ob in new york, paris oder london - überschwängliches lob geerntet haben, kann man ein für das teenage-girl geschliffenes album verzeihen. auch sie brauchen ein bisschen geld für die jeans an ihren hübschen hintern. auch sie finden den gedanken nicht schlecht, dass ein paar dreizehnjährige verzückt ihr debutalbum hören, und dazu in ihrem pinkgestrichenen jugendzimmer mit dem kopf wippen. ich tue das auch - obwohl ich den rougheren demoversionen den vorzug gebe, die mich hoffen lassen auf live-gigs in deutschland und weitere alben der new yorker jungfrauen. denn verzauberte fans sind wie überzeugte wähler und junge mütter: once they’re in love, they’ll excuse anything.
das album könnt ihr bei itunes kaufen, bei uns gibt es die zwei songs in der ep-version.
für den smoothen start in den tag gibt es anbei einen neuen mix von dj supermarkt von unserem fellow-blog berlin battery. und da geben wir ihm ganz recht: dass er sich während der produktions des mixes von skibunny in frankreich die sonne auf den bauch scheinen ließ, ist kaum zu überhören.
auch die originale des duos aus belfast sind zauberhaft und hörenswert; diese verträumten klänge findet ihr auf der myspace-seite der häschen. die 7inch zu 'remote control' gibt es ab dem 26. mai zu kaufen. ein paar weitere infos zu skibunny, shoegaze-disco und dj supermarkt himself könnt ihr euch bei berlin battery zu gemüte führen. für das und die erste hörprobe könnt ihr auch gerne noch unter der bettdecke verweilen, guten morgen!
die meisten mädchen streifen ihre pferdeliebe ab, sobald ihre männlichen altersgenossen einen bartwuchs aufweisen können, der aufregender als die mähne eines zotteligen huftiers erscheint. nur wenige amazonen bleibem ihrem pony treu genug um auf dressurprüfungen in der provinz farbige schleifen zu gewinnen. die anderen stürzen sich gallopierend in die wettkämpfe des nachtlebens und testen die kussqualitäten verschiedener bartlängen aus. doch auch in der stadt warten die ponies, zumeist in männergestalt: die kleinen pferde sind zuletzt inflationär für schmucke bandnamen zum einsatz gekommen - denkt man an poney poney, new young poney club, i've always wanted a pony, ghetto pony und den rest der herde - sie grasen gemütlich im pop.
die turniergewinner dieses sommers sind für mich allerdings ganz klar die rennpferdchen aus frankreich: mit pony pony run run ist der beginn der heißen jahreszeit nun unweigerlich auf meinen ohren angekommen. links und rechts von unaufhaltsam sprießenden sommersprossen sorgt die band von anoraak für sonnige, sahnige töne, die ich selbst für ein bad in mangosorbet nicht wieder von meinem ipod lassen würde. diese ponies machen süchtig. anoraak's französischer charme ist auch hier nicht zu überhören, aber außer lob & liebe bleibt ebenso für seine band nichts hinzuzufügen.
sie hören, streicheln und mit ihnen auf den ohren ausreiten solltet ihr unabhängig von eurer sattelfestigkeit und ob ihr letzte nacht ein mädchen oder einen bärtigen mann geküsst habt. diese ponies werden uns sicherlich noch länger als den sommer über begleiten. hier könnt ihr sie bei myspace besuchen - und hopp!
vermutlich absolvieren die beteiligten einer teenager- schwangerschaft diese selten so unaufgeregt wie juno, die protagonistin des jüngsten films von jason reitmann, der in deutschland ende märz in die kinos kommt. erzieherische ansprüche soll dieser film auch weitestgehend nicht erfüllen: anstatt eines erhobenen zeigefingers glänzt der film mit den schauspielerischen leistungen von ellen page und michael cera, naturgetreuer darstellung zwischenmenschlicher spannungen ohne hollywoodschönschliff, bissigen dialogen und einem indie-sountrack aus zuckerguss. für mehrere songs der filmmusik hat kimya dawson ihre magische mädchenstimme gestiftet; auf vorschlag von ellen page wurde zudem 'anyone else but you' von den moldy peaches als theme-song und perfect-fit aus der plattenkiste gekramt.
unter musikjournalisten hat sich für das genre, das künstler wie beck, kimya dawson und adam green verkörpern, mittlerweile die bezeichnung anti-folk etabliert, auch wenn die wortschöpfung zur benennnung der bewusst kindlich-naiv geprägten klänge glücklicher hätte ausfallen können. michael und tyrel von den terrordactyls, die ebenfalls diesem genre zugeordnet werden, sehen dies ganz ähnlich: "i think it's american that people here like to make up new words for things that probably don't need them." von der aktuellen popularität des anti-folk profitieren die beiden trotzdem: ihre zusammenarbeit mit kimya dawson, sängerin der moldy peaches, hat der band aus olympia einige neue fans beschert und nicht zuletzt ihre erste tour quer durch die staaten ermöglicht.
die lieder der terrordactyls sind honigsüß, schwelgen in unendlicher kindlichkeit und sind doch stellenweise zu böse, als dass sie von ambitionierten pädagogen hierzulande für den englischunterricht in der grundschule eingesetzt werden könnten. tyrel und michael schrecken vor dem einsatz ihrer lieder in der schule nicht zurück. sie unterrichten abseits ihrer bandaktivitäten erstklässler und lassen diese sequenzen ihrer lieder im kunstunterrich mit pinsel und farbe aufs papier bringen. zum thema "stab me in the chest, i'll stab you in the chest, we'll see which one of us can stab the other in the chest the very best" den pinsel zu schwingen klingt nicht nur erfrischend - denke ich an meinen typisch deutschen kunstunterricht, der überwiegend daraus bestand dinge mit naturwissenschaftlicher akkuratesse abzuzeichnen - sondern ist vielleicht auch griffiger ansatzpunkt für gewaltprävention in der schule: kreativer umgang mit phänomenen der jugendkultur – wir malen bushidos songtexte. dies klingt mindestens so wertvoll wie "unser slum soll schöner werden", ein einblick von funny van dannen in den blumenmalunterricht von frau wagner, zu finden auf "neues von gott".
neben ihrem pädagogischen wirken in kunst & musik widmen die terrordactyls sich ihren anderen lieblingsaktivitäten – nach eigenen aussagen "inspirational sport films and talking about our abs" – und veranworten darüber hinaus stop motion-animationsfilmchen für die eigenen songs. das video zu devices avancierte binnen kürzester zeit zu einem kleinen youtube-hit.
mehr über the terrordactyls erfahrt ihr im untenstehenden interview. genau wie juno empfehle ich es ausschließlich im englischen orginal. neben ihrer zeit dafür spendieren michael and tyrel ihre singles 'devices' und 'shipping' als mp3. das komplette album könnt ihr hier streamen und bei gefallen ohne probleme bei itunes erwerben.
you both attend evergreen, a liberal arts college in olympia, washington. when did you start the terrordactyls? did the creative environment of evergreen encourage you to professionalize your music?
m: we met in high school on vashon island. vashon is a small town off of the coast of seattle. you can only get there by ferry. together with all of our friends, we played music, capture the flag, four-square, and baseball. some of the other bands to come out of the same group are the pharmacy. oh yes and dashel schueler. anyway, tyrel and i initially started working on projects together in a multimedia class where we photoshopped pictures of ourselves in front of explosions and made little movies and stupid animations. t: but evergreen has been awesome for us. that school rules, and after i convinced michael to stop dropping out of fancy guitar schools and transfer to evergreen, the terrordactyls became a lot more real. olympia is full of neat music, and the school has been super flexible letting us work on projects all over the country. we're even getting college credit for being in the terrorordactyls. i don't think either of us have been in an actual classroom for two years now.
so what do you answer when someone asks you about what you are currently doing? do you see yourselves as musicians, artists, students?
m: until now, i have mostly concentrated on music. i studied the classical guitar for most of my childhood and adolescence. it is only recently that i have started branching out and doing animation and filming stuff. t: we always get all self conscious telling people we’re in a band. i don’t know what that is all about i guess we think it just sounds gross. my background is in art and i've been using that to get design jobs to pay the bills, so i'd probably say artist until being in a band starts paying my rent. michael is homeless so it makes it easy for him to be a musician.
you made your own music video for your single ‘devices’, designed a brilliant jewel case for your album and offer all kinds of self-made stuff in the band’s online store. where are you heading, artistically?
m: i mostly just draw pictures of different animals and inanimate objects with lips. it looks funny every time. t: it is true that sticking lips on things that don't have lips is a really good thing … and michael is honestly really good at it. where are we headed?? hmmm … i’m thinking a couple of our songs could be made into comics, and we've been working on a pitch for a kids craft show for some time now. right now we're just having a lot of fun experimenting with different media.
i read that brendhan bowers and scott yoder, who now form the pharmacy, left the band due to the rigorous workout regime your ‘image consultant’ requires you to do. what does your workout regime look like and is it paying off?
m: jumping jacks, hang gliding, obstacle courses, playing with seagulls on the beach, riding the subway, trying not to run into all of the other people on the streets in new york, racing horses, climbing trees etc. i probably can't run a mile without throwing up, so... it's working out really well. t: yeah, this workout routine is also usually enacted only after getting really pumped up from watching one of the rocky movies or surf ninjas or something. mostly scottie and brendhan would probably still be in the band if the pharmacy wasn’t permanently on tour. m: i think that most people see our pictures and immediately think that we are just a couple of really strong dudes with huge muscles and no heart, but we're actually very normal loving individuals.
your music, lyrics and visuals inevitably provoke associations like "cute", "charming" and "playful". does that depict your personality and are you comfortable with those buzzwords?
m: not really. t: whatever, i have no problem with being charming...and cute. take that michael.
so, is there also a wild side to you or are sarcastic lyrics like "shoot me in the face, i'll shoot you in the face, and see which one of us can shoot the other in the most accurate place" as mean as you get?
m: i wasn't really being sarcastic. t: have you seen that first video of decoration daniel? i think it’s on youtube. michael dumps beer in my eyes and throws a pizza at my face really hard. i wouldn't fuck with michael. he's a dark dude.
you received a lot of attention for 'devices', which you recorded with kimya dawson. her songs shape the soundscape of the soundtrack to juno. both the movie and its soundtrack have been very successful and drawn attention and compliments to folk music. are you benefitting from that?
t: it was a good film, and we have been oddly enough benefitting from it. it has been pretty confusing though. it seems that since devices features kimya and our cd came out around the same time as the movie, a bunch of people assumed it was on the soundtrack, which is not the case at all.
in one of your press shots you are wearing a blue spandex suit. in berlin a lot of girls are wearing these shiny american apparel spandex pants as well on the streets as to clubs. would you dig that or how do you like your audience to look like?
t: i got that suit after it was used in a tv production i was working on. it was used as a motion capture suite or something. when i found it was covered in styrofoam balls. kids wearing them on the streets though?…crazy. but i guess i wouldn't really mind if our audience all looked like super heroes!
my last question is somewhat political, if you don't mind. i lived in california during the presidential elections 2000 and the staging of candidates within media is getting crazier every time, involving more and more artists and celebrities. would you consider contributing to someone's campaign with a song or a performance?
m: as of right now, no. the presidential campaign reminds me of a huge nation-wide pep-rally. it's pretty gross. that doesn't mean that i won't vote. i will, but i don't want to endorse anyone right now. t: yeah…the whole election thing is pretty nutty over here. did you guys see that obama speech set to music by that black-eyed peas guy? i don’t think there is anybody that i feel like i need to support that much. it will be nice to get bush out of office, but nobody has me super inspired.
i think that just about wraps it up for us. any parting words, anything you'd like to add?
t&m: thanks for having us. hopefully we can make it to germany in the near future.
die terrordactyls könnt ihr auf ihrer myspace-seite lieb haben, das album hier streamen und hören und den juno-traileran dieser stelle anschauen.
mädchen wünschen sich im alter von sechs bis dreizehn nichts sehnlicher als ein eigenes pony. diese immanente sehnsucht nach der geborgenheit eines vertrauten schnaubens spiegelt sich heute in den stilvorlieben der damaligen pferdemädchen wieder: skinny jeans ersetzen die geliebte reithose, stiefel werden auch im sommer nicht mehr abgelegt, und gerte, sporen und kandare finden sich symbolisch im zügellos geführten nachtleben und losen mundwerk der großstadtgören wieder.
die pferdeliebe der klassenkameradinnen kam den männern schon immer entgegen. bevor sie einen diffizileren geschmack für schöne geschöpfe entwickeln konnten, war das ziel der "willst du mit mir gehen"-zettel das klassisch blonde pferdemädchen, das sich schon frühzeitig zu gunsten einer grazilen figur in den reithosen den babyspeck vom leibe gehungert hatte.
so suchen folglich nicht nur die mädchen in den skinny jeans ihre kinderträume, die röhren lösen ebenfalls bei den herren erinnerungen an eine zeit, die im rückblick so weich, zart und süß erscheint wie die martyrer-süßigkeit der 80er und 90er jahre: das yes-törtchen. doch auch der 2003 vom markt genommene schokokuchen erfährt gerade ein revival, wie mein samstagseinkauf mich heute morgen belehrte.
da sind wir also, am ende der jugend, in unseren reithosen aus jeansstoff, mit unserem kindergartengeburtstagstörtchen und sehnen uns immer noch nach ponys.
diesem verlangen nehmen sich heute abend drei französische herren an: poney poney aus paris beglücken uns im 103 club. dieses konzert sei auch allen kindern der 80er ans herz gelegt, die mit tierliebe und engen hosen wenig anfangen können. hörproben gab es bereits im podcast, eine liebeserklärung an die franzosen erst vor kurzem hier und weiter einstimmen kann man sich auf der myspace seite der pferdchen. zum weiterhören sei zudem noch tahiti boy & the palmtree family empfohlen, ein projekt, an dem poney poney ebenfalls mitwirken.
come, dance in the sparkling ballrooms of paris and berlin!
paris hilton beweist immer wieder aufs neue, dass sie den test für die vorschule kaum bestehen würde, da sie immer noch gedanklich in der bunten welt der kleinkinder weilt.
anziehen ohne hilfe will nicht ganz klappen, ihr sprachschatz ist limitiert, sie steckt dinge in den mund und besteigt neuerdings auch hindernisse, die ihr den weg versperren. dies ist keinesfalls anstößig gemeint, sondern wortwörtlich.
nachdem die partyfotos vom emmy-wochenende tatsächlich etwas von einem kindergeburtstag hatten, entschloss sich wonky ein tor hinauf zu klettern. vielleicht um den paparazzis einen besseren winkel für crotch shots zu bieten, vielleicht um ihre entlassung aus dem gefängnis für die presse neu zu inszenieren, oder eben, weil es das ist, was kleine kinder tun: krabbeln, klettern und unverständliche dinge brabbeln – ihr schutzengel war auch im gepäck und dies somit nicht die letzte meldung über das blonde prachtmädchen.
wo auch immer die party am wochenende steigt: don’t forget to go home, aber bitte durch die tür.
bitte - neuwahlen! politischen verdruss habe ich bislang selten für mich reklamiert, doch die große koalition hat die letzten wochen keine regungen gezeigt, die diesen mildern könnten. wenn parteispitzen nichts besseres zu tun haben als aufmüpfig zu tun, den schuss nicht zu hören und die klatschpresse zu füttern, könnte ein wahlkampf wenigstens die illusion erzeugen, dass abseits von macht noch themen existieren, und die opposition würde zumindest einen bruchteil medialer aufmerksamkeit zurückerlangen.
andrea nahles hat sich mit der kreation des bildes, kanzlerkandidat beck sei ein buddha mit sprengsatz, jedenfalls als kommunikationschefin der kampa qualifiziert – vielleicht eine schöne idee, dem "kraftvoll. mutig. menschlich."-motiv der schröder-plakatserie für die kampagne von kurt beck ein spirituellesleitbild entgegenzusetzen, und in reihe zu stellen mit den christlichen ambitionen der union, begründete die kanzlerin die ziele ihrer partei erst heute mit der moralischen verpflichtung der bewahrung der schöpfung. hoffentlich springt ursula von der leyen nicht auf den zug des biblischen auftrags auf, gibt der vanity fair erneut ein interview und weitet die funktion des kindes im prenzlauer berg von einer modischen auf eine religiöse aus.
daneben sind die einzigen dinge, die mir sorgen bereiten eva hermansneues buch und wolfgang schäuble. daher folgt nun eine portion soft news und gossip, um die online-leselust zu stillen. der wahlkampf wird ja noch etwas auf sich warten lassen.
wem dieses lesefutter zur ersten tasse kaffee noch nicht reicht, um der political displeasure entgegenzuwirken, der kann mal einen blick auf mercedes bunz' manifest zum linken neoliberalismus wagen; nach dieser lektüre klickt man dann doch wieder schnell auf spiegel-online oder schlägt die zeitung auf, und siehe da: die politik-teile machen doch wieder ein bißchen sinn und spaß. etwa so, wie mit bärtigen jungs zu knutschen.
jonathan yeo schuf ein portrait des derzeitigen hüters der oval office, das auf mehreren ebenen zu kontroversen führt. das abbild von george w. bush, zusammengefügt aus pornomagazin-papierschnipseln, konfligiert nicht nur mit den interessen der republikanischen regierung, dem kunstverständnis des texaners an sich, sondern auch mit den persönlichkeitsrechten aller abgebildeten und nicht zuletzt der feministischen haltung gegenüber pornographie.
verdient mr. bush ein konterfei aus der hand eines künstlers, was denkt das nacktmodel darüber, ihre muschi im gesicht des präsidenten zu haben, und sieht die frauenrechtlerin nun die würde dieser frauen verletzt, oder lacht ihr herz, da sie die bush-regierung weniger tolerabel findet als porno?
am wenigstens zu melden in dieser debatte hat das staatsoberhaupt der amerikaner vermutlich selbst. während laura bush verständnisvoll das knie des vermeintlich gekränkten gatten tätschelt, hängt dieser vielleicht seinem kindertraum nach: an american president's portrait in porn! über dem kamin in camp david ist bestimmt noch ein platz frei.