wenn jemand zurücktritt, muss ich immer an michael hutchence denken. inxs-lieder sind die wohl hartnäckigsten ohrwürmer, aber auch mit die schönsten. lieber trage ich die 80er und 90er in den ohren, als dass ich leggings trage, denn wie wir wissen: tights are not pants. wie der zufall es wollte entdeckte ich am grauen gestrigen sonntag (dank caroline von triba space) eine stimme, noch schöner als die lockenpracht des inxs-sängers, die ein paar der stücke in neue, zu tränenrührende farbe taucht: st. vincent. die neuinterpretationen entstanden im rahmen des von beck ins leben gerufenen record club.
"record club is an informal meeting of various musicians to record an album in a day. the album chosen to be reinterpreted is used as a framework. nothing is rehearsed or arranged ahead of time. a track is put up here once a week. the songs are rough renditions, often first takes that document what happened over the course of a day as opposed to a polished rendering. there is no intention to 'add to' the original work or attempt to recreate the power of the original recording. only to play music and document what happens."
ergötzt euch, weint ein wenig, und legt es zumindest auf, wenn ihr den rücktritt verkündet. ohne stil is nich.
air france haben es auf die 2008er hitlisten so ziemlicher aller pop-orientierten blogs geschafft. bei mir persönlich ist ein vergleich mit cut copy im gedächtnis geblieben. vielleicht nicht ganz zu unrecht, aber irgendwie doch hinkend. australien stimmt aber, gefühlt. in wirklichkeit ist es schweden plus avalanches, jede menge appeal und geschmeidigkeit. oder so.
sie tigern umher - zwischen genres und styles, band und dj-team, arrangements und samples - ohne rücksichtnahme auf musikalische konventionen. aber genau aus diesem grund wandelt sich die anfängliche irritation während des ersten hörens vom album 'gospel ambitions' der australischen soft tigers in großes entzücken. das energiegeladene durcheinander aus kindlichem chorgesang, klatschen, leisen raps, elektro pop und guitarren, das von den jungs selbst als 'sloppy funk' bezeichnet wird, dürfte unter normalen umständen nicht funktionieren - aber schon beim zweiten hören macht dieses mix-up am ende sinn - und unheimlichen spaß.
für ihren heutigen auftritt im picknick ist daher ebenfalls liebreizendes chaos in einer ausgelassenen party-manier zu erwarten, die zuletzt aufgrund zu hoher hacken, aufwendigem make-up und exakt berechneter katastrophen-outfits ein wenig kurz gekommen ist und sich in angestrengtes schaulaufen verwandelt hatte. die soft tigers brauchten einen bunten flyer - den rest wird ihr set und die crew von berlin battery schon besorgen.
aus anlass ihres berlinbesuches stellte bucky von den tigers uns einen meiner favoriten von 'gospel ambitions' zur verfügung. makin love ist ein herzensbrecher und wohl nicht beispielhaft für das, was heute abend erwartet werden darf. daher empfehle ich sowohl album, als auch den besuch im picknick heute abend.
auf ihrem myspace könnt ihr ihre hits 'mr. ice cream' und 'maria' anhören, bei discodust gibt es außerdem eine miami horror remix. alle weiteren relevanten informationen zur freitag nacht findet ihr auf dem flyer.
da jasper und ich gestern ein bad in einem regen aus reis und goldkonfetti auf dem engtanzfloor des aus allen nähten platzenden picknicks der pop up in leipzig vorzogen, sollte zumindest mein schriftlicher beitrag an diesem wochenende einem indie-künstler gewidmet sein. den weg aus meinem postfach auf die seite hat bakers at dawn aus dem schwedischen malmö geschafft. marcus sjoland schreibt und singt seine songs seit 2005 unter diesem namen und ist nun bei serious two records aus nebraska untergekommen, die es sich zum auftrag gemacht haben 'swedish bedroom-pop' an den amerikanischen hörer zu bringen. den deutschen ohren wollen wir bakers at dawn nicht vorenthalten; für die sonntägliche regeneration im park eignen sich diese sachten melodien nur zu gut:
die mp3s in höherer qualität findet ihr auf bakers at dawns zweitem album, das sich bereits 'best of bakers at dawn' nennt. über serious two records könnt ihr es erwerben.
david rocchi ist daroc, wenn der franzose nicht gerade seinem job als akustikingenieur nachgeht. falls er aber nach der arbeit zeit für sein heimstudio, bestehend aus einem alten mac, ein paar synths und der entsprechenden software, findet, dann möchte der pariser etwas spüren. musik, die er nur mag, landet sofort im papierkorb, ihm geht es um die ganz große emotion.
dementsprechend nennt er auch moroder, den voralpendiskofunker mit hang zum cinema, und morricone, den großen filmkomponisten, seine vorbilder. inspiritaion holt er sich allerdings an allen ecken und kanten, stellt dabei aber unmissverständlich fest, dass ihm die alten alben von acts wie depeche mode, queen, michael jackson oder stevie wonder allemal lieber sind als die neuerer bands wie portishead, daft punk oder radiohead. für letztere hegt er zwar auch enorme sympathien, weiss aber um die hohe kunst vergangener liedermacher. des weiteren genoß der französische elektroorgelliebhaber von haus aus eine großzügige beschallung mit gainsbourg, polnareff oder balavoine, altmeistern des french touch. kein wunder, dass valerie ihn liebt.
für die zukunft hofft daroc auf einen deal, der es ihm ermöglicht, ein bisschen mehr zeit für musik aufzubringen. life is hard without benjamins. da aber alles mit liebe ein bisschen besser geht, ein bisschen davon auf seinem myspace spreaden. wort drauf! ps.: neben den beiden tracks hier, gibt es noch den titel moogeux auf discodust. checken, bitte.
entgegen landläufiger meinung existieren in den vereinigten staaten neben dem lederhosenträger und nazi weitere stereotypen für den bewohner deutscher lande. mein liebling darunter, nicht zuletzt weil er das erste klischee war, mit dem ich im golden state konfrontiert wurde, ist die von mike myers von 1989 bis 1997 verkörperte figur dieter. ein recht schmeichelhaftes wesen hat saturday night life da geschaffen: den durchgeknallten, intellektuellen ästheten, der stets im schwarzen rollkragenpullover gemeinsam mit seinem affen klaus in der westdeutschen talkshow "sprockets" absurde interviews mit prominenten führt, und im abspann zu kraftwerk tanzt. in der gesammelten liste von dieters bravourösen aussprüchen taucht allerdings nie auf, dass neben abartigkeiten, vorgestellt in "germany’s most disturbing home videos", die effizienz der deutschen eines seiner bevorzugten themen darstellte. das aus dieters munde stammende 'efficient german sex' wurde zum meistbenutzen catchphrase meines usa-aufenthalts, der in berkeley selbst in politischen diskussionen immer wieder eingeworfen wurde, und stets wohlwollen für die deutsche handhabe der dinge symbolisierte.
sprockets, dieter und äffchen klaus stürmten vor kurzem durch die hintertür meines kopfes als ich auf den song german love von starfucker stieß. aus lektüre der lyrics, geschrieben vom schlagzeuger und kopf der band, josh hodges, kam ich der bedeutung des songtitels nicht näher. aufrund ihrer kürze lassen sie keine weitere interpretation zu, und selbst das urban dictionary hält zu german love keinen erklärenden eintrag bereit. auf nachfrage merkte josh zwar an, dass er deutsche sexy fände, der titel des liedes kam hingegen zustande, als er die melodie vor sich hinsummte und die worte sich dieser anpassten - das 'german' sei bedeutungslos, so josh. weshalb der text nun nicht 'jen my love, i will give it to you' heißt, wird wohl das geheimnis des sängers bleiben.
aber nicht allein aufgrund des regionalen bezugs sondern vor allem aufgrund der brillianz von dem, was josh hodges mit seinen projekten starfucker und sexton blake musikalisch bewegt, sollen die lofi-meisterstücke auch hier die runde machen. portland hat sie alle, die guten. doch sexton blake und starfucker empfiehlt sich nicht nur für indie-fans von elliott smith, the shins oder pinback, sondern für alle, die simple, wunderschöne musik herzen. die alben 'sexton blake' und 'play the hits' – eine compilation von cover-songs, die sogar stücke von elton john und milli vanilli für die indieohren schmackhaft anrichtet – sind was für sie sammlung. wer zum frühstück zunächst die 80er unbehandelt verzehren möchte, findet das orginal von young turks hier, von making love out of nothing at all hier. rod stewart und air supply klingen in der version von sexton blake folgendermaßen:
starfucker ist die jüngere und aktuelle band von josh und ryan biornstad; ausführliche informationen zu diesem projekt und sexton blake hält das interview mit josh hodges bei speakzine bereit. das erste album von starfucker erscheint dieses jahr bei badman recording co.; da ryan und josh virb bevorzugen, könnt ihr euch dort mehr von den jungs aus oregon anhören. show them some german love.
und um mit einem zitat von dieter zu schließen: "it had a good beat and was easy to dance to; i give it a fourteen."
vermutlich absolvieren die beteiligten einer teenager- schwangerschaft diese selten so unaufgeregt wie juno, die protagonistin des jüngsten films von jason reitmann, der in deutschland ende märz in die kinos kommt. erzieherische ansprüche soll dieser film auch weitestgehend nicht erfüllen: anstatt eines erhobenen zeigefingers glänzt der film mit den schauspielerischen leistungen von ellen page und michael cera, naturgetreuer darstellung zwischenmenschlicher spannungen ohne hollywoodschönschliff, bissigen dialogen und einem indie-sountrack aus zuckerguss. für mehrere songs der filmmusik hat kimya dawson ihre magische mädchenstimme gestiftet; auf vorschlag von ellen page wurde zudem 'anyone else but you' von den moldy peaches als theme-song und perfect-fit aus der plattenkiste gekramt.
unter musikjournalisten hat sich für das genre, das künstler wie beck, kimya dawson und adam green verkörpern, mittlerweile die bezeichnung anti-folk etabliert, auch wenn die wortschöpfung zur benennnung der bewusst kindlich-naiv geprägten klänge glücklicher hätte ausfallen können. michael und tyrel von den terrordactyls, die ebenfalls diesem genre zugeordnet werden, sehen dies ganz ähnlich: "i think it's american that people here like to make up new words for things that probably don't need them." von der aktuellen popularität des anti-folk profitieren die beiden trotzdem: ihre zusammenarbeit mit kimya dawson, sängerin der moldy peaches, hat der band aus olympia einige neue fans beschert und nicht zuletzt ihre erste tour quer durch die staaten ermöglicht.
die lieder der terrordactyls sind honigsüß, schwelgen in unendlicher kindlichkeit und sind doch stellenweise zu böse, als dass sie von ambitionierten pädagogen hierzulande für den englischunterricht in der grundschule eingesetzt werden könnten. tyrel und michael schrecken vor dem einsatz ihrer lieder in der schule nicht zurück. sie unterrichten abseits ihrer bandaktivitäten erstklässler und lassen diese sequenzen ihrer lieder im kunstunterrich mit pinsel und farbe aufs papier bringen. zum thema "stab me in the chest, i'll stab you in the chest, we'll see which one of us can stab the other in the chest the very best" den pinsel zu schwingen klingt nicht nur erfrischend - denke ich an meinen typisch deutschen kunstunterricht, der überwiegend daraus bestand dinge mit naturwissenschaftlicher akkuratesse abzuzeichnen - sondern ist vielleicht auch griffiger ansatzpunkt für gewaltprävention in der schule: kreativer umgang mit phänomenen der jugendkultur – wir malen bushidos songtexte. dies klingt mindestens so wertvoll wie "unser slum soll schöner werden", ein einblick von funny van dannen in den blumenmalunterricht von frau wagner, zu finden auf "neues von gott".
neben ihrem pädagogischen wirken in kunst & musik widmen die terrordactyls sich ihren anderen lieblingsaktivitäten – nach eigenen aussagen "inspirational sport films and talking about our abs" – und veranworten darüber hinaus stop motion-animationsfilmchen für die eigenen songs. das video zu devices avancierte binnen kürzester zeit zu einem kleinen youtube-hit.
mehr über the terrordactyls erfahrt ihr im untenstehenden interview. genau wie juno empfehle ich es ausschließlich im englischen orginal. neben ihrer zeit dafür spendieren michael and tyrel ihre singles 'devices' und 'shipping' als mp3. das komplette album könnt ihr hier streamen und bei gefallen ohne probleme bei itunes erwerben.
you both attend evergreen, a liberal arts college in olympia, washington. when did you start the terrordactyls? did the creative environment of evergreen encourage you to professionalize your music?
m: we met in high school on vashon island. vashon is a small town off of the coast of seattle. you can only get there by ferry. together with all of our friends, we played music, capture the flag, four-square, and baseball. some of the other bands to come out of the same group are the pharmacy. oh yes and dashel schueler. anyway, tyrel and i initially started working on projects together in a multimedia class where we photoshopped pictures of ourselves in front of explosions and made little movies and stupid animations. t: but evergreen has been awesome for us. that school rules, and after i convinced michael to stop dropping out of fancy guitar schools and transfer to evergreen, the terrordactyls became a lot more real. olympia is full of neat music, and the school has been super flexible letting us work on projects all over the country. we're even getting college credit for being in the terrorordactyls. i don't think either of us have been in an actual classroom for two years now.
so what do you answer when someone asks you about what you are currently doing? do you see yourselves as musicians, artists, students?
m: until now, i have mostly concentrated on music. i studied the classical guitar for most of my childhood and adolescence. it is only recently that i have started branching out and doing animation and filming stuff. t: we always get all self conscious telling people we’re in a band. i don’t know what that is all about i guess we think it just sounds gross. my background is in art and i've been using that to get design jobs to pay the bills, so i'd probably say artist until being in a band starts paying my rent. michael is homeless so it makes it easy for him to be a musician.
you made your own music video for your single ‘devices’, designed a brilliant jewel case for your album and offer all kinds of self-made stuff in the band’s online store. where are you heading, artistically?
m: i mostly just draw pictures of different animals and inanimate objects with lips. it looks funny every time. t: it is true that sticking lips on things that don't have lips is a really good thing … and michael is honestly really good at it. where are we headed?? hmmm … i’m thinking a couple of our songs could be made into comics, and we've been working on a pitch for a kids craft show for some time now. right now we're just having a lot of fun experimenting with different media.
i read that brendhan bowers and scott yoder, who now form the pharmacy, left the band due to the rigorous workout regime your ‘image consultant’ requires you to do. what does your workout regime look like and is it paying off?
m: jumping jacks, hang gliding, obstacle courses, playing with seagulls on the beach, riding the subway, trying not to run into all of the other people on the streets in new york, racing horses, climbing trees etc. i probably can't run a mile without throwing up, so... it's working out really well. t: yeah, this workout routine is also usually enacted only after getting really pumped up from watching one of the rocky movies or surf ninjas or something. mostly scottie and brendhan would probably still be in the band if the pharmacy wasn’t permanently on tour. m: i think that most people see our pictures and immediately think that we are just a couple of really strong dudes with huge muscles and no heart, but we're actually very normal loving individuals.
your music, lyrics and visuals inevitably provoke associations like "cute", "charming" and "playful". does that depict your personality and are you comfortable with those buzzwords?
m: not really. t: whatever, i have no problem with being charming...and cute. take that michael.
so, is there also a wild side to you or are sarcastic lyrics like "shoot me in the face, i'll shoot you in the face, and see which one of us can shoot the other in the most accurate place" as mean as you get?
m: i wasn't really being sarcastic. t: have you seen that first video of decoration daniel? i think it’s on youtube. michael dumps beer in my eyes and throws a pizza at my face really hard. i wouldn't fuck with michael. he's a dark dude.
you received a lot of attention for 'devices', which you recorded with kimya dawson. her songs shape the soundscape of the soundtrack to juno. both the movie and its soundtrack have been very successful and drawn attention and compliments to folk music. are you benefitting from that?
t: it was a good film, and we have been oddly enough benefitting from it. it has been pretty confusing though. it seems that since devices features kimya and our cd came out around the same time as the movie, a bunch of people assumed it was on the soundtrack, which is not the case at all.
in one of your press shots you are wearing a blue spandex suit. in berlin a lot of girls are wearing these shiny american apparel spandex pants as well on the streets as to clubs. would you dig that or how do you like your audience to look like?
t: i got that suit after it was used in a tv production i was working on. it was used as a motion capture suite or something. when i found it was covered in styrofoam balls. kids wearing them on the streets though?…crazy. but i guess i wouldn't really mind if our audience all looked like super heroes!
my last question is somewhat political, if you don't mind. i lived in california during the presidential elections 2000 and the staging of candidates within media is getting crazier every time, involving more and more artists and celebrities. would you consider contributing to someone's campaign with a song or a performance?
m: as of right now, no. the presidential campaign reminds me of a huge nation-wide pep-rally. it's pretty gross. that doesn't mean that i won't vote. i will, but i don't want to endorse anyone right now. t: yeah…the whole election thing is pretty nutty over here. did you guys see that obama speech set to music by that black-eyed peas guy? i don’t think there is anybody that i feel like i need to support that much. it will be nice to get bush out of office, but nobody has me super inspired.
i think that just about wraps it up for us. any parting words, anything you'd like to add?
t&m: thanks for having us. hopefully we can make it to germany in the near future.
die terrordactyls könnt ihr auf ihrer myspace-seite lieb haben, das album hier streamen und hören und den juno-traileran dieser stelle anschauen.
das verständnis von girl power, das in den 90er jahren an vorderster front von den spice girls propagiert wurde, führte die in dem begriff verborgene idee schon damals ad absurdum. emanzipiert, clever und nachhaltig erfolgreich waren emma, victoria, geri, melanie und melanie nicht, von glücklich ganz zu schweigen. heute tourt die um jahre gealterte, um einige kinder und neurosen reichere und von posh zum plastic spicemutierte mütterband im rahmen einer post-birth crisis die welt, um ein letztes mal zu heucheln den begriff von girl power für die geschichtsbücher besetzt zu haben. jede neunjährige würde bei dem gedanken, später einmal so schandhafte brüste wie victoria beckham ihr eigen zu nennen und die aktuellen bühnenoutfits der tanztruppe tragen zu müssen, mit sofortiger wirkung in tränen ausbrechen und andrea nahles als geeigneteres role model angeben, auch wenn diese lediglich das nächst kleinere übel der rangfolge darstellt.
die mädchen der aktuellen pop-biz-generation haben sich gleich dazu entschieden, keinen feldzug für die anerkennung ihrer weiblichen kraft zu führen, sondern medial zu inszenieren, dass sie diese stärke wenn überhaupt erst durch kräftiges pudern der nase und pubertätsalkoholismus statt –magersucht erlangen können. amy winehouse trat zwar zunächst mit einer stimme in den ring, an deren allmächtige präsenz kein chor aus allen derzeitigen girlbands herankäme, doch die töne, die sie mitunter aus ihrem eingefallenen brustkorb presst und ihre ebenso schwindende gestalt stehen in keiner beziehung zu dem phänomen, dass vor einigen monaten in jedem ersten satz als souldiva tituliert wurde.
wunderbar sichtbar wird in diesem kontext auch, wie netzfremd und fernab der popkultur politiker im namen des jugendschutzes agieren, melden sich doch damen aller fraktionen vehement besorgt zu wort, sobald das privatfernsehen eine neue staffel von germany’s next top model in den programmplan aufnimmt. pro ana websites und bilder von koksenden sternchen in blogs gehören scheinbar zu der kategorie wissen, in der auch die fakten schlummern, die papst benedikt xvı. ignoriert hat, als er seine definition gesunder sexualität aufstellte. wer gräbt schon gerne tiefer?
erinnern wir uns an die hysterie und anstieg der suizidalität innerhalb einer fangemeinde, die bei der auflösung einer beliebigen boyband auftreten, ist es für ein harmonisches familienleben oder um den status der lieblingstante beizubehalten sicherlich ratsam, der oben erwähnten neunjährigen keine cd einer künstlerin zu schenken, deren drogentod man in einem halben jahr kindgerecht in worte fassen muss.
sich dieses problems bewusst hat das vereinigte königreich ein entzückendes damen-duo hervorgezaubert, deren künstlerisches produkt jeden geschenketisch aufwertet: peggy sue and the pirates – womit wir zum eigentlichen anlass dieses textes kommen. rosa rex' und katy klaws musikalische gemeinsamkeit war vor gründung von peggy sue and the pirates ihre sammelleidenschaft für regina spektor bootlegs, und vergleiche mit der schönheit der stimme der russin, mit feist oder cat power können ohne furcht vor schwächerem abschneiden herangezogen werden. bibabidi führt zudem einen vergleich mit den moldy peaches und billie holiday ins bild.
ihr klarer vorteil ist das auftreten im doppelpack, lediglich bestückt mit der gitarre "stud", das fehlen der divenhaften unnahbarkeit der genannten solokünstlerinnen und die aus ihren augen sprühende, mädchenhafte herzlichkeit, die sie mit ihrer tourpartnerin kate nash teilen. girl power ist als attribut für katy und rosa gänzlich unpassende wortwahl; so bleibt die unbenannte eigenschaft ein konstrukt aus hochverdichteter weiblichkeit, talent, charme und scharfsinnigkeit. das aus brighton stammende zweigespann spielt seine akkustikgitarre zu klugen, methapernreichen lyrics, und der text zu superman erzählt nicht nur die leidensgeschichte des superhelden aus einer völlig neuen perspektive, sondern kann auch als wunderbare persiflage auf das wesen der klassischen girlbands interpretiert werden. katy und rosa müssen sich selbst im geblümten kleid keine gedanken machen über das recht, das clark kent stellvertretend für die plastikpuppen des pops fordert:
all i really want is to have the right to wear my pants underneath my tights!
wer keinen vorweihnachtlichen kurztrip auf die insel plant um sich in dessen rahmen mit einem live-gig von peggy sue and the pirates zu beschenken, kann ihre single "the new song" hier als stream anhören; hinter der heutigen adventskalendertür verstecken wir für euch einen einen shot of tuacca.
nach einer gedanklichen pause gibt es wieder einen neuen podcast. diesmal mit wrong is right, unseren latenightarties oben aus dem prenzlauer berg. gefühlt. dieses kleinod handelt von liebe und den eher seichten tönen, soviel vorab. was es sonst noch zu sagen gäbe, fassen sie in ihrem portfolio ganz entzückend zusammen. insofern:
"Wrong Is Right Producing and sampling glimmering sounds since 2005, “Wrong Is Right” is a practical essay about collapse and excess in modern nights, trying to create a balance within the portfolio. After releasing their first tracks, “No Faves” and “Night and Failure”, these five artists moved to Berlin to create rooms of artificial experiences and amorous chocs. By reference to Grace Jones and her secret diary-entry “Feeling like a woman, looking like a man, sounding like a No No”, the first nocturnal Showroom took place in August 2007 and will mislead the audience again as an acéphale in undefined future.
In moments Of sparkling visualization There is always a juncture Which evokes the difference between lines. Black letters on a white wall Decent colours and tones of nonnatives Searching for proximity Between notes And total distance to all recipients, Our boheme sleeps Tenderly where Eyelashes are held in deep blue. Lucent curtains are opaque borders, Cosiness means uncertainty - We need to get wrong."
soviel dazu. an alle mädchen: es ist zeit, es sich auf dem sofa bequem zu machen. an alle jungs: setzt den tee auf. you could get lucky, cause this is beauty.
mehr infos findet ihr auf wrong is rights myspace, den mix bekommt ihr durch klicken auf das bild oben, indem ihr unseren podcast abonniert oder alternativ hier. das artwork und die tracklist findet ihr hier. abgesehen davon könnt ihr hier die vorangegangenen episoden bewundern.
der deutsche herbst ist da, so viel steht beim blick aus den fenstern konspirativer berliner wohngemeinschaften fest. nur ein gefühl der radikalität will sich nicht einstellen, der hüftleidende deutsche schäferhund scheint als soulmate dieser tage eher in frage zu kommen. und so ist berlin krank, regt sich nicht, alles niest und liegt faul herum, darauf hoffend, sich die wunden der geschundenen großstadtpsyhe lecken lassen zu können.
den passenden soundtrack dazu bietet ein traum schallplatten/border community act und ehemaliges wunderkind zwischen james holden und m83: nathan fake, der junge aus norfolk. nach drowning in a sea of love und den dazu gehörigen remixen folgt jetzt, gefühlte jahrzehnte später, die ep you are here, welche neben dem mäklerischen aufhänger und dem unvermeidlich qualititativ hochwertigen four tet rework vor allem mit dem live remix zu glänzen weiss. aldi-tristesse galore. denn was könnte schöner sein, als einen blick ins örtliche tiefkühlfach zu wagen, während die raue schönheit des erhabenen moments von diesem lied zart untermalt wird? richtig.
nathan fake - you are here (live remix)
infos und hörproben findet ihr unter anderem auf der homepage oder hier, sowie den eintritt ins warenparadies hier. das cityfree video zur single findet ihr hier.
guillermo scott herren, seines zeichens umtriebiges multitalent und unter anderem für savath & savalas verantwortlich, wird gegen ende diesen jahres sein nächstes prefuse73-masterpiece mit dem namen preparations hervorbringen. besonderes goody bei diesem release ist die bonusseite ensembles, die nur beim harterwerb gereicht wird. neben dem 'üblichen' elektroplimmplamm feinster güte findet sich auf eben dieser bonusscheibe von herren komponiert und gespielte neoklassik. flöte und so.
prefuse 73 - class of 73 bells
wem das nicht genug ist, darf sich demnächst auf eine weitere splitsingle von savath & savalas freuen. die erste auskopplung zu preparations ist the class of 73 bells, die unter anderem hier zu hören ist.
der münchener und wahlberliner ben mono, seines zeichens fleissiger produzent und liebling der "süddeutschen szene" rund um den compost, dropt mit beatbox eine sehr stark vielversprechende single zu seinem noch fast jungfräulichen album hit the bit. als vocalist steht ihm dabei ein held besserer lofi-tage zur seite, capitol a, der sich einen namen durch kollaborationen mit zb. jazzanova, j-boogie oder jimpster machte.
neben rekonstruktion von kalbata und jacob london sticht neben dem original vor allem der jesse rose remix hervor, der verspielt seinen weg in den berliner abendhimmel machen dürfte.
ben mono -beatbox feat. capitol a (jesse rose remix)
man darf gespannt sein, was ben noch von hit the bit auskoppeln wird. potenzial ist reichlich vorhanden, die sahne muss geschlagen werden. mehr zu kaffee und kuchen und wo ihr den leckersten bekommt findet ihr hier, hier oder hier.
kelley polar beglückt uns auf's neue mit ny-disko im streichergewand. dazu gibt es sehr starke mädchenillus, wie sie kein designerinnendonnerstagabend besser hinbekommen hätte. ein hoch auf den metro area-fidler.