Showing posts with label Dummheiten. Show all posts
Showing posts with label Dummheiten. Show all posts

2/26/2009

interviewing mr. oizo: affenmusik



Quentin Dupieux ist die Art Künstler, an dem sich die Geister scheiden. Für die einen ist er der Genius, der Ed Banger, dem Label, das seit ca. einem Jahr selbst in den iTunes-Bibliotheken hiesiger Indiemädchen überproportional häufig vertreten ist, fehlte. Wieder andere halten ihn für ein begnadeten Generalisten, der sich an Film und Kunst versucht, dessen Werke fernab der Musik aber bis dato bestenfalls als Achtungserfolge wahrgenommen wurden. Das Gros der Ottonormalverbraucher wird jedoch bei seinem Alias Mr. Oizo vor allem an eine Puppe denken.

Noch knapp 10 Jahre nach seinem durchschlagenden Erfolg mit „Flat Eric“, dem neurotisch zuckenden, gelben Etwas, das uns Faltenhosen schmackhaft machen wollte, kämpft Dupieux seinen Kampf gegen Windmühlen. Dass sich seine neue Platte „Lambs Anger“ jetzt mit einer Referenz an den „Andalusischen Hund“, einen in 1928 erschienen Stummfilm von Luis Buñuel und Salvador Dali, der vor allem Surrealisten und Freudianer auf den Plan rief, schmückt, ist kaum verwunderlich. Dupieuxs Umgang mit der eigenen Person, Umfeld und Geschichte wirkt eigenwillig, bisweilen exzentrisch. In jedem Falle aber gewinnt man den Eindruck, es mit einem Menschen zu tun zu haben, der ein gespaltenes Verhältnis zu sich, seinen Erfolgen und Niederlagen, sowie den Mechanismen des Marktes hat, dem er versucht, seine Kunst näher zu bringen.

Beim Interview selbst wirkt der Franzose angespannt, manchmal flapsig, jedoch immer wach und darauf bedacht, klarzustellen, dass er es sein will, der seine Geschichte schreibt. Ein Unterfangen das mitunter schwierig sein könnte, bedenkt man, dass gleich seine erste Single einen stattlichen Stempel im Gedächtnis der Mediengesellschaft hinterlassen hat.




Dein neues Album ist gerade erschienen. Das Artwork, eine Referenz an Buñuels bzw. Dalis „Andalusischen Hund“, fällt dabei wortwörtlich ins Auge. Es entsteht der Eindruck, du würdest dich auf tragische Weise von deinem Alter Ego „Flat Eric“ verabschieden.

O: Nein, dabei handelt es sich in erster Linie um eine Ehrerbietung an Buñuel und Dali und deren großartigen Kurzfilm. Ich finde es aber unterhaltsam, dass sich alle darüber den Kopf zerbrechen. Es ist witzig zu sehen, dass sich Jugendliche im Internet darüber unterhalten und herausfinden, dass es sich dabei um den „Andalusischen Hund“ handelt. Ein Stück weit möchte ich damit auch das Interesse an Kunst fernab des Mainstreams wecken, so kann man den Jüngeren ein bisschen was mit auf den Weg geben. Etwas zum Nachdenken, Kultur.

„Flat Eric“ lebt also weiter. Damals allerdings hast du im Affekt ein Album veröffentlicht mit dem die meisten Hörer nicht viel anfangen konnten.

O: Ja, es war definitiv eine Antwort auf den Erfolg, weil ich der Überzeugung war, dass dieser für das, was es war, ein paar Nummer zu groß ausgefallen ist. Es war schließlich ein einfacher Beat, den ich für einen Werbeclip mehr oder weniger hingerotzt habe.

Also wolltest du die Leute überrumpeln?

O: Ja, es war eine art Teenagerebellion. Ich wollte allen sagen „Fuck off! Ich bin mehr als das, ich kann auch etwas Härteres, Kreativeres machen“. Es war sozusagen eine Trotzreaktion auf den Erfolg.




Mr. Oizo - Gay Dentists (DL) (YSI)



Danach hast du eine ganze Weile nichts mehr veröffentlicht. Vieles von dem, was du in der Zwischenzeit angefangen, aber nie beendet hast, hast du als „Scheiße“ bezeichnet. Das klingt ein wenig nach Quarterlife-Crisis.

O: Nein, ich bin immer glücklich mit „Flat Eric“ und dem Drumherum gewesen, aber offensichtlich kam das alles viel zu früh. Ich war gerade erst dabei anzufangen, Musik zu machen, hatte keine Erfahrung. Der Erfolg war mir dann einfach zu groß und schien nicht angemessen für ein eher lapidares Stück Musik. Das hat mich retrospektiv definitiv blockiert und mich daran gehindert, etwas Neues zu machen.

Eigentlich verstehst du dich ja auch mehr als Filmer denn Musiker, richtig?

O: Ich habe angefangen Filme zu machen, als ich vielleicht 12 war. Hauptsächlich Kurzfilme. Als kleines Kind war ich besessen vom „Texas Kettensägen Massaker“, also hab ich versucht, solche Sachen im Garten meiner Eltern nachzustellen, irgendwo in einem Pariser Vorort. Mit 20 wollte ich dann mehr in die Comedy-Ecke. Das ist aber alles immer ein bisschen dunkler gewesen, als man es vielleicht bei Comedy erwarten würde, schwierig zu beschreiben. Mit Musik hab ich eigentlich nur angefangen, um sie über meine Kurzfilme zu legen. Da war ich vielleicht 18. Tanzmusik wurde das erst, als ich Laurent Garnier kennen gelernt habe, der mich dazu animierte ein bisschen Blödelmusik zu machen. In erster Linie verstehe ich mich aber weiterhin als Filmemacher, richtig. Die Musik ist nur spaßiges Beiwerk.

Du arbeitest jetzt nur noch digital, wann und warum hast du damit angefangen?

O: Vor 5 Jahren. Anfangs habe ich allerdings noch versucht, das alte Zeug an meinen Rechner anzuschließen. Ich habe eine ganze Batterie an Equipment, die sich über die Jahre angestaut hat. Es war eine wahre Obsession, immer neues auszuprobieren und zu kaufen. Dementsprechend ist z.B. „Moustache“ in einer Halbwelt aus Computern und analogem Equipment entstanden. Inzwischen bin ich aber komplett auf Computer umgestiegen, weil ich denke, dass man damit besser arbeiten kann.




Das lässt sich auch gut raushören, „Analog Worms Attack“ klang noch wesentlich organischer als deine letzten beiden Werke.

O: Ja, „Analog Worms Attack“ wurde z.B. noch auf Tape aufgenommen. Aber ich denke, es ist inzwischen kein Problem, mit der heutigen Technik diesen Effekt zu reproduzieren. Zumindest wenn man sich schlau genug anstellt.

Auf „Moustache“ lässt sich auch erkennen, dass du moderner Tanzmusik etwas mehr Respekt zollst, wenn man es mit dem noch sehr experimentellen, konzeptuellen „Analog Worms Attack“ vergleicht.

O: Ich kann nur sagen, dass ich mit dem zweiten Album so lange warten musste, bis ein wirklich neuer Antrieb da war. Zwei mal das gleiche Album aufzunehmen wäre langweilig gewesen. Deswegen sind die drei Alben auch so unterschiedlich, denke ich. Jedes Mal steckte eine völlig andere Energie hinter dem Ganzen.

Woher kam damals dieser Antrieb, woher die Muße?

O: Vor allem aus den Möglichkeiten, die mir mein Computer bot. Ich war besessen davon, auszuloten, was mir diese digitale Welt zu bieten hatte, all die verrückten Dinge, die man aus den Plugins quetschen konnte. Es klingt für mich selbst etwas komisch, wenn ich das sage, aber im Endeffekt war es wirklich mein Computer, der mich inspirierte, diese Platte aufzunehmen, mit der ich im übrigen heute noch sehr zufrieden bin.




Mr. Oizo - Gay Dentists (JFK Edit) (DL) (YSI)



Die neue Platte klingt sehr modern und glatter, verströmt den heutigen Zeitgeist französischer Elektronik, auch wenn sie immer noch sehr dicht gestrickt und voller Ideen ist.

O: Die Idee ist immer noch das Wichtigste, wenn es darum geht, etwas Kreatives zu tun. Welches Werkzeug du dann genau benutzt, welchen Computer, welchen Synthesizer, welche Software oder ganz allgemein, welchen Weg du wählst, sie zu verwirklichen, ist eigentlich egal. Bei „Lambs Anger“ war z.B. die Idee Affenmusik zu machen.

Affenmusik?

O: Ja, die Platte wurde aufgenommen, ohne viel nachzudenken. Alles sollte sehr schnell gehen. Jeder Track wurde vielleicht in 2 bis 3 stunden, maximal aber einem Tag aufgenommen. Auf keinen Fall mehr.

2 Stunden sind vergleichsweise wenig. Man erzählt sich auch, dass du dir für Remixe nicht viel mehr Zeit nimmst.

O: Nun, ich denke wirklich, dass ich ein spezieller Künstler bin. Meine Person, mein Name ist wesentlich wichtiger als die Musik, wenn es um einen Remix geht. Vielleicht liege ich damit falsch, aber so nehme ich mich selbst wahr. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich schon eine Weile darüber nachdenke, bevor ich etwas in 2 stunden aufnehme. Dass es dann am Ende 2 Stunden sind, ist unwichtig. Es ist viel wichtiger, immer wach und aufmerksam zu sein.




Du bist jetzt auf Ed Banger, zusammen mit Justice, SebastiAn oder Uffie, deren neues Album du auch produzierst. Inwiefern hat dich bei dieser Art und Weise zu arbeiten auch dein neues Umfeld beeinflusst?

O: Eigentlich gar nicht. Ich meine klar, wenn ich auflege, spiele ich natürlich auch ihre Platten, aber für daheim ist das nichts. Manchmal gibt mir SebastiAn einen neuen Track und ich höre ihn das erste Mal, wenn ich ihn im Klub spiele. Wenn ich mir das Zeug auch noch zuhause anhören würde, wäre ich depressiv.

Warum?

O: Weil es zu laut und zu dumm ist. Ich kann verstehen, dass es sehr jungen Leuten gut gefällt, weil sie damit ihre Eltern vergraulen können, aber Musik für meine Anlage ist es auf keinen Fall.

Ist dir das nicht kreativ genug?

O: Doch, doch, es ist schon kreativ, aber es wiederholt sich ständig. Wenn du die ersten 20 Sekunden gehört hast, weißt du, wie es die nächsten paar Minuten weiter geht.




Deine Stücke sind immer relativ kurz und dicht gehalten. Um die zu spielen müsste man sich eigentlich Edits basteln.

O: Ja, genau, darum ging es mir. Ich wollte Tracks voller Kleinigkeiten machen. Die Leute picken sich eh die Teile raus, die sie mögen und basteln sich daraus etwas Eigenes. Das ist seit „Moustache“ Konzept.

Hast du selbst mal darüber nachgedacht, mit Ableton Live oder ähnlichen Tools aufzulegen, um dem ganzen einen kreativeren Touch zu geben, einen, der deine Einstellung etwas besser widerspiegelt?

O: Nein, ich bin CD-DJ. Es kümmert mich nicht wirklich, was die Leute denken, weil die meisten eh nur kommen, um mich zu sehen. Ich muss diesen Teil meiner Arbeit nicht ernster nehmen als irgend notwendig.

Also geht es primär darum, Geld zu verdienen?

O: In gewisser Weise schon. Auf der anderen Seite trifft man natürlich auch Leute und kann seine Musik promoten. Vor 10 Jahren hätte ich auch nicht aufgelegt, weil jeder nur auf Technik schielte. Die hatte ich nicht. Damals hätte man mich wegen jedem Übergang verurteilt, heute interessiert das niemanden mehr. Im Grunde genommen spiel ich aber auch einfach genau dasselbe wie all die anderen auf Ed Banger.

Ed Banger ist heutzutage ein gewichtiger Bestandteil moderner, lauter Klubkultur, während dein voriges Label FCom immer etwas klassischer, stilbedachter wirkte. Wie nimmst du dich im Kontext dieser beiden Labels wahr?

O: Auf FCom war ich einer von vielen Musikern, habe aber eine besondere Stellung eingenommen. Ich war das schwarze Schaf, das anders war als der Rest des Labelrepertoires. Laurent Garnier hat mich damals unter Vertrag genommen, ohne genau zu wissen, was ich überhaupt mache. Beim zweiten Album konnte er sich auch nicht mehr wirklich begeistern. Es fehlte der Enthusiasmus, den ich als Künstler gebraucht hätte. Ich denke, das ist auch, warum es nicht mehr wirklich funktioniert hat. Bei Pedro Winter (Chef von Ed Banger) ist das anders, auch wenn wir sehr verschiedene Vorstellungen von Musik haben, hat er eine sehr einfache Art Enthusiasmus auszudrücken, die mir zusagt. Dort fühle ich mich diesbezüglich besser aufgehoben. So oder so, ein Label ist wichtig für die Distribution meiner Musik, und das funktioniert bei Ed Banger ganz gut.




Mr. Oizo - Flat Beat (WhoMadeWho Rework) (DL) (YSI)



Was du über das Label zu sagen hast, klingt sehr moderat und abgeklärt. Gibt es auch Kollegen, denen du dich nahe fühlst?

O: Es gibt schon Leute, die ich mag. SebastiAn z.B., der mir auch beim Soundtrack für „Steak“ geholfen hat, ist jemand, den ich schätze. Aber das hat jetzt nichts mit seiner Musik zu tun. Die ist natürlich auch gut, aber eben nicht immer nach meinem Gusto. Er ist auch noch sehr jung, hat auch definitiv großes Talent. Musik machen ist für mich aber auch eine Sache des Geistes, worüber man nachdenkt, wofür man sich interessiert, im weitesten Sinne eine besondere Kreativität. Heutzutage ist es sehr einfach gute, beeindruckende Musik zu machen, wenn man Piano spielen kann. Nimmt man z.B. Aphex Twin, dann hat man immer das Gefühl, das hinter seiner Musik etwas Geniales steckt, etwas Mysteriöses. Ed Banger Stuff dagegen ist sehr auf Spaß und Unterhaltung bedacht. Alles muss laut und aufregend sein, was ohne Zweifel seine Daseinsberechtigung hat, mir fehlt allerdings manchmal der Geist dahinter.

Das klingt ein bisschen so, als könnte das Auflegen dann für dich manchmal sehr schwierig sein.

O: Es kommt vor, dass es total deprimierend ist, aber, wie gesagt, es ist Teil meines Jobs, leicht verdientes Geld und gute Werbung. Schließlich hab ich eine Platte zu vermarkten.

Du bist zweifelsohne auch Teil einer regen französischen Szene, die von Daft Punk, Alan Braxe, Fred Falke in den 90ern bis zu neueren Acts, die jetzt auf Kitsuné, Institubes oder eben bei Ed Banger veröffentlichen, reicht. Was denkst du, wie sich das noch weiter entwickeln wird?

O: Dafür interessiere ich mich eigentlich nicht wirklich. Es gibt genug Menschen, die mich bis heute für einen Engländer halten, insofern hab ich auch nie wirklich etwas mit dieser French Connection anfangen können. Vielleicht handelt es sich dabei einfach eine Modeerscheinung, die in 6 Monaten schon wieder vorbei ist. Das wäre dann aber zumindest für mich auch nicht wirklich relevant.




Nun lässt sich aber nicht daran rütteln, dass zumindest der Spirit, sei es in Reinform oder als Inspiration für Genres wie New Rave, Einzug in die Clubs gehalten hat.

O: Ja, das stimmt natürlich. Vielleicht passen Franzosen mit ihrer Art einfach ganz gut in die neue, musikalische Spaßgesellschaft. Vor vielleicht 5 Jahren war Clubmusik noch sehr langweilig, heute hingegen kommt es ein bisschen weniger auf das Können der DJs und mehr auf die gute Auswahl an. Das kommt poppiger, spaßiger Musik sehr entgegen.

Du vertrittst durchaus Thesen, mit denen man anecken könnte. Welchen Einfluss haben die alten und neuen Medien, z.B. Blogs und eZines, auf dich? Ist dir dein Bild in der Öffentlichkeit wichtig?

O: Nein, ich hab in erster Linie Interesse an meinem eigenen Blickwinkel. Ob jemandem meine Musik, meine Filme oder mein Leben gefällt, ist mir egal. Das hat absolut keinen Einfluss auf mich und meine Arbeit. Womit ich nicht sagen will, dass ich mir nicht anschaue, was über mich geschrieben wird. Manches ist gut, manches ist schlecht, aber am langen Ende ist es mir eben doch egal.

Apropos, dein letzter Film „Steak“ wird jetzt – fernab dessen, womit man gerechnet hätte – in Russland veröffentlicht. Wie kam es dazu?

O: Mein Produzent hat sich nie groß für den Film interessiert, er ist ja auch gefloppt. Warum er jetzt ausgerechnet in Russland erscheint, weiß ich nicht. Auf der anderen Seite ist es auch nicht mehr wichtig, weil „Steak“ für mich vorbei ist. Ich wende mich jetzt anderen Dingen zu.

Die da wären?

O: Ich werde einen Film („Realité“) machen, neue Musik einspielen. Alles so wie immer, bei mir wird sich nicht viel ändern.


Fin.


Das Interview wurde ursprünglich für die De-Bug geführt und ist in Ausgabe 128 oder online hier nachzulesen. Weiterführendes zu Mr. Oizo findet ihr hier. Die Fotos sind Flickrfundstücke, merzi dafür. Diesmal ohne Kleinschreibung, da mir der Aufwand nicht gerechtfertigt erschien. Man möge es mir verzeihen.


1/02/2009

happy birthday, herr schmitz



feist - my moon, my man

das tip-magazin ist eine berliner publikation ohne großen nutzwert, was auch die jahresendausgabe wieder einmal eindrucksvoll belegte: wertvolle redakteurs- und praktikantenarbeitszeit investierte das stadtmagazin in die kompilation der peinlichsten berliner, die weder überraschte, noch textlich glanzpunkte setzte. mario barth, nummer eins der tip-liste, ist beispielsweise so peinlich, dass es widerum indiskutabel ist, ihm überhaupt eine zeile zu widmen. dass die zeitschrift auch noch den nerv besitzt, ben becker als fast-drogenleiche zu titulieren und jonathan meese einen überbewerteten künstler, mag verwundern, heißt es doch in den mediadaten das blatt sei ein "unverzichtbarer begleiter durch 14 tage kultur- und szeneleben" mit "trends, tipps und empfehlungen mit hoher kompetenz". in den 100 kleinen texten könnten medienrechtler zudem nicht wenige unterlassungserklärungen, wenn nicht sogar schmerzensgelder aufgrund verletzungen des persönlichkeitsrechts herausholen. all das zeugt eher davon, dass hier im stil eines arschproleten publiziert wird (so tip über ihn und thees uhlmann angeblich über sich selbst), und die eigene peinlichkeit des magazins berlin erröten lassen sollte.

wie grau muss die jahresendzeitstimmung in den redaktionsräumen des tip gewesen sein, dass so etwas dabei herauskam? hätte das magazin eine halbwegs brauchbare liste zusammenstellen wollen, wäre eine übersicht über die begehrtesten berliner junggesellen und damen ohne ring am finger zum einen nicht nur amüsanter und charmanter zu lesen gewesen, sondern hätte ebenso vermitteln können, wie lebenswert berlin trotz o2-world und minusgraden ist. ist lobreden über schöne männerhintern zu schreiben nicht eine dankbarere aufgabe, als die kontinuierliche kritik an politikern ideenlos fortzuführen? für diese rubrik gibt es hier seit heute ein neues tag.

herr schmitz hat in den letzten jahren weit oben auf der liste berlins begehrtester junggesellen rangiert, und auch wenn er sich nun entschieden hat, schon vor dem frühling ein paar dieser gefühle zu hegen und sich in zeiten der krise vom markt zu nehmen, verfasse ich irgendwann vielleicht doch noch einmal ein loblied auf ihn. stilikone, engtanzkönig, bestmöglicher mitbewohner und blogpartner bleibt er ohnehin.
hier also dein schriftlicher geburtstagsgruß, jan. mögest du rund, gesund und glücklich bleiben und in diesem leben nicht mehr all zu viele herzen brechen. es grüßt und küsst dich tessa, dein fanclub lütgendortmund und der discoplanet spreewaldplatz.

happy birthday, good night, and good luck!




10/30/2008

erde an sender



ich bin noch verzückt von der fünften folge der zweiten staffel von californication, pushing daisies zirpt mein schlaflied, ich habe lange nicht so gelacht wie bei arrested development, dass ich seit ein paar tagen gucke und larry david ist mein held - folgerichtig brauche ich keinen fernseher sondern nur dsl und ein gemütliches bett. die debatte zur qualität im deutschen fernsehen soll bei uns daher auch nicht weitergesponnen werden, die rettung kommt nicht mehr - dies tut sie lediglich in der röhre selbst für schuldner, restaurants, dysfuktionale ehen und als abm- und recyclingmaßnahme für die stilbildenden gesichter des deutschen tvs. die schönste schrift zur thematik hat die fas in form von 50 fragen verfasst und dabei vor allem bewerkstelligt, eine geniale frage als abschließendes rätsel zu formulieren. aber lest die kleine auswahl und frage 50 selbst:

18. was würde passieren, wenn man marco schreyl seine moderationskarten wegnimmt?

23. das zdf hat johannes b. kerner wirklich aus china einfliegen lassen, um ein fußball-testspiel anzusagen? nicht zu kommentieren: anzusagen?

33. wenn es schon keine nachrichtensender in deutschland gibt, die diesen namen verdienen, könnte es nicht wenigstens musiksender geben?

46. wie sehr schämt sich günther jauch heimlich für „stern-tv”?

48. warum dürfen nur fiktionale figuren im fernsehen richtig böse sein?

50. veronica ferres?


8/13/2008

selling our souls


ich habe jüngst, wie unlängst im rahmen dieses online-angebots vermerkt, für ein bizarres berliner lifestyle magazin (zitat jan off), eine blogauswahl getroffen, deren regelmäßige lektüre mein leben bereichert hat. diese nun auch auf knicken vorzustellen ist kein akt kostenloser verkaufsförderung, sondern lässt sich mehrfach begründen:
i do what i do best and link the rest. liebe leser, klicken sie auf alle links, die wir hier bereithalten und vergnügen sie sich auf anderen blogs: es gibt viel zu entdecken.

ich empfehle lesestoff außerhalb des netzes (check the recaps), die online-versionen von printerzeugnissen und andere web-inhalte, die nicht in blogform erscheinen. wer dies aufmerksam beobachtet hat weiß, dass ich zu den meisten dieser publikationen eine konventionelles leserbeziehung pflege und keinen cent dafür erhalte, auch keine freundschaftsdienste. an dieser stelle fungiere ich lediglich als perlentaucherin, und hoffe, mit dem ein oder anderen hinweis für andere zeit zu sparen und etwas unentdecktes an diejenigen zu bringen, die danach lechzen. da knicken kein corporate-blog ist - wir bleiben unabhängig und sind derartig unerschwinglich, dass noch nicht einmal ein völlig bekokster pr-berater den vorschlag knicken zu schlucken in ein konzept für einen millionenkonzern schreiben würde - empfehlen wir auch nicht dezidiert zeitschriften eines verlagshauses. hier tummeln sich blätter mit den unterschiedlichsten redaktionellen linien in einem post.

der unterstellung, blogs würden sich als kostenlose werbeträger anbieten, wenn sie neben journalistischen texten, kritiken und eigenen recherchen andere medien, veranstaltungen oder produkte empfehlen, kann ich nur widersprechen, zumindest für meine eigenen kinder. finnische konzerne dürfen uns weiterhin gerne handys schicken, sollen aber bitte nicht glauben, knicken würde über hässliche produkte schreiben und die pr-bilder übernehmen. noch lustiger sind agenturen, die bloggern produkte zum testen schicken, und für dieses entgegenkommen einen text und die rücksendung der ware verlangen. wer ist hier der dumme?

anbei nun nummer 2 bis 5 der blogs, die ich fest in mein herz geschlossen habe, nummer 6 bis 10 folgen in den nächsten tagen, weitere empfehlungen als knicken-exklusives werden unter garantie in den nächsten wochen folgen. wer darauf nicht warten kann, sei herzlich eingeladen sich in unserer blogroll umzuschauen. eine aufnahme in diese bewegt sich selbstverständlich im sechstelligen bereich. über die teenagers berichten wir hingegen wirklich nur so exzessiv, da sie es sich verdient haben. viel spaß im netz & anschnallen nicht vergessen. surfen macht dumm, und das hat der spiegel bestimmt gründlicher recherchiert als die dilettantischen blogger.


www.jezebel.com
jezebel ist ein blog mit vernehmbar feministischen beiklang ohne dabei an witz und sexappeal zu verlieren - das lifestylemagazin für scharfsinnige frauen, die auf mode und klatsch nicht verzichten wollen, aber auf die verschleierte sexistische agenda klassischer frauenmedien getrost verzichten können.

www.theonlyglitterati.com
marlowe hat “the strongest weapon in the world is the teenage girl” zu ihrer maxime gemacht, und sie weiß dieses waffenarsenal für ihre anliegen zu nutzen. was zunächst als groupie-tagebuch anmutet, entpuppt sich als goldgrube der besten fotostrecken und interviews mit den bands, die mtv in zwei jahren hypen wird.

camille paglia im salon
camille paglia ist eine der von feministinnen am meist gehassten feministinnen, die ihr mitunter frauenfeindlichkeit vorwerfen während sie dem mainstream-feminismus unterstellt, junge frauen in eine opferrolle zu drängen. für den salon schreibt sie vorwiegend über politik.

www.glamcanyon.blogspot.com
katja hentschel schließt derzeit in london ihren master in pychoanalyse ab um sich danach wieder voll und ganz der fotografie zu widmen. ihr street style-blog ist das glanzstück seiner gattung, da katja mit ihrer kamera zumeist zeitlose portraits und weniger die schnelllebigen trends einfängt.


7/17/2008

run fast and glam as you can



die deutsche seite von glam ist online und feiert heute am frühen abend in berlin ihren launch. vielleicht folgen morgen an dieser stelle ein paar weitere eindrücke und ausblicke dazu, ob die frauenseite mehr zu bieten hat als pink, beauty, fashion und andere themen für frauen mit eingeschränktem blick. da allerdings julia von les mads dort kräftig mitmischt, verspüre ich ein paar funken hoffnung. zumindest sieht die seite auf den ersten blick vielversprechender und gehaltvoller aus, als die frauen-websites, die ebenfalls in den letzten tagen und wochen gelauncht wurden: frauenzimmer, go feminin, die erdbeerlounge und for her. pro sieben sitzt jetzt außerdem bei fem.com mit im boot.

doch bei aller liebe, ich brauche das nicht, und in mir wächst langsam der widerwille, meine buzzwords bei knicken rosa einzufärben. da jaspers motto der letzten tage aus verschiedenen gründen "ich sage nein zu frauen" ist, diskutieren wir vielleicht mal einen relaunch unserer farbigkeit. for real.

einen wunderbaren in diese gedanken passenden beitrag lieferte einer meiner lieblingsblogger carles von hipster run off vor einigen tagen. sein post eröffnet mit einem street style bild als aufmacher und der überschrift "this outfit is social commentary about modern society/geopolitikal issuez". go and read it. and: carles, i love you for that - can't you create a women's website?

alle die ein bißchen mehr über glam wissen möchten, klicken hier und vergnügen sich bei kress.


6/17/2008

gehirn-gymnastik leuchtet nicht



rebel:art fand heute gefallen daran, von der neon in die wohlige mitte des mainstream aufgenommen worden zu sein. diese veröffentlichte in der neuen ausgabe eine auf papier gedruckte blogroll mit der selektion der redaktion. der nachrichtenwert und inhaltliche überraschungseffekt der blogauswahl tendiert - und das überrascht wenig - in rascheren schritte gegen null, als der flinke finger blättern kann. doch die vorstellung von 55 blogs, für deren aufstöbern ein praktikant zwei stunden durchs netz wuseln musste, reiht sich widerstandslos in die natur des gesamtes heftes. hier wird abgebildet, was einem größeren publikum bereits hinlänglich bekannt ist und in den jeweiligen szenen schon zu vorgestrigem geschehen gerechnet wird. auf klare positionen und provokante meinungen wird verzichtet.

wie markus brauck im spiegel ende mai zu einer these über die neon kam, die seine eigene generation als einfallslos, mitlaufend und zaghaft im ton beschrieb, ist kaum erklärbar - aber auch ein spiegel muss zunächst mit worten, und wenn es dann noch reicht mit inhalt gefüllt werden. so schrieb also brauck, als jahrgang 1971 selbst noch in der blüte seiner dreißiger, keine zeitschrift bilde das lebensgefühl junger deutscher unter 40 so gut ab wie das generationenblatt neon.
ob herr brauck versunken in neon-kolumnen über one-night-stands schmökert? verzückt über den tiefgang des feminismus light artikels diesen gerahmt in das büro der redaktionsassistentin hing? oder doch lieber nachts von der authentischen theologie-studentin aus der neon-singlebörse träumt?

laut spiegel-artikel ist der durchschnittsleser der neon 30,4 jahre alt. zahlen, die wohl aus der awa stammen, deren grundgesamtheit sich allerdings auch erst aus der deutschen bevölkerung ab 14 zusammensetzt. folglich kann die awa auch weder aufschluss darüber geben, ob die neon bereits grundschüler informiert, noch zu wessen gunsten die bravo mehrere hundertausend käufer in der jungen zielgruppe über die jahre verloren hat, oder wohin die leserinnen der young miss sich wandten, nachdem dass heft erst in bym umbenannt wurde und schließlich nur noch als online-variante vor sich hindümpelte. eine kurze, quantitative auswertung der neon-titelthemen zeigt immerhin eindrucksvoll, unter welcher neuen adresse das dr. sommer-team vom wissbegierigen teen kontaktiert wird. vielleicht erreichte die ursprungsheimat des popkulturellen sexualkundeunterrichts aber auch aus folgenden gründen auflagenzahlen, die die million locker knackten: die bravo brachte uns damals zum staunen, zweifeln und über das so eben gelesene musste so mancher noch stunden lang sinnieren, wenn auch in diesem lebensabschnitt in wenig intellektuellen kategorien.
verglichen mit den wirkweisen der bravo trifft brauck an dieser stelle vielleicht das problem der neon im kern: sie bildet dinge ab - laut dem spiegel-autor gleich ein ganzes lebensgefühl. doch weder zeichnet sie neue wege, noch gibt sie ihren lesern den pinsel dazu in die hand.

auch der verlag erklärt die leser zum zwar konsumfreudigen, allerdings verantwortungsablehnenden erdenbürger. die unglückliche formulierung, die gruner+jahr in das zeitschriftenprofil ihres jugendblattes schusterte, schränkt zudem das spektrum möglicher werbepartner erheblich ein: das "heft für menschen, die erwachsen sind, sich dafür aber eigentlich noch zu jung fühlen", taugt nach diesem text als werbefläche für kondome, lipgloss und mp3-player. wenn gruner+jahr glaubt, mit dieser definition den besonderen hipness-faktor der neon-zielgruppe einzufangen, anstatt ihn als unmündig und überfordert darzustellen, sollte eventuell die wahl des texters überdacht werden.



neon ist nett. die konnotation dieses wortes bedarf keiner weiteren ausführung. sie als sprachrohr der jungen deutschen unter vierzig zu bezeichnen, beschreibt diese gruppe menschen aber in etwa so genau, wie zu konstatieren michael ballack sei der george clooney des deutschen fußballs. da hilft nicht mal der gute wille.

das blog-feature der aktuellen neon charakterisiert die zeitschrift nun so, wie die junge generation von der alles erklären wollenden mediengesellschaft wahrgenommen wird: höchst diffus und ohne absicht. den charakter einer generation allerdings aufgrund 200.000 verkaufter magazinexemxplare auf den gehalt eines bunten heftes zu reduzieren, ist eher ausdruck einer ignoranten konsumgesellschaft, die sich komplexen zielgruppengeflechten versperrt und durch die konzentration auf einen vermeintlich existierenden mainstream vor dem leisen rauschen zahlreicher jugendbewegungen kapituliert, die jede für sich mindestens so politisch ist, wie die lauten proteste zurückliegender generationen.

ob, und wie weit ein printmagazin, dass es als berichtenswert erachtet bereits bekannte blogs einer popkulturell durchtränkten und netzsüchtigen leserschaft zu empfehlen, vom zeitgeist entfernt ist, entscheidet ihr. denn swim at your own risk, ist das knicken-motto der nacht. ratschläge für die fitness am laken, eure work-life-balance und politische orientierungslosigkeit bietet euch bei bedarf mit sicherheit das lifestyle-magazin eurer wahl.



5/05/2008

denk ich an hamburg in der nacht



ich habe zwei hamburg-geprägte lieblingserzeugnisse, die zum inventar meiner küche gehören: das eine ist groß, blond und eigentlich aus bottrop - das andere aktuell blau, 186 seiten stark und wunderbar weise. die mai-ausgabe der brand eins gewährt unter dem titel 'dummheit gibt's gratis' pointierte einblicke in die ökonomie der bildung. sie eröffnet das schwerpunktthema mit folgender formel und einem eiskalt ab-



rechnenden text von wolf lotter über den auftrieb der hohlköpfe, der argumentiert, dass die industrialisierung von kreativität und bildung zu szenarien wie diesem führen kann, harmlos gesprochen: so bringe das derzeitige system "eine menge halbwegs gedrillter arbeitskräfte - unter denen man wählen kann und die sich leicht ihren preis diktieren lassen" hervor. "das spiel kennen wir bereits", so lotter, "in diesem spiel gibt es klare regeln, selbstständig denkende und handelnde menschen dürfen nicht mitspielen. wissen ist macht. von freiheit, fortschritt, qualität war nicht die rede."
auch gabriele fischer spricht mir in ihrem vorwort aus der seele, indem sie das thema des heftes an der nachricht aufhängt, die in freundlicher hinsicht auf meinen blutdruck niemals über die newsticker hätte flimmern dürfen: einer tns-emnid umfrage zufolge trauen 47 prozent der deutschen heidi klum das amt der familienministerin zu. die inaugurationsfeier mit charlotte roche und eva herman als staatssekretärinnen sollte ein ähnlich geschmackloses medienereignis werden wie gülcan's hochzeit. aber auch das ist deutschland, und wie mir eine hamburger hebamme am freitag zutrug, nennt man in der hansestadt sein neugeborenes jetzt schon mal jason-günther. dem kleinen mann bleibt glück zu wünschen, sowohl auf dem spielplatz als auf seinem bildungsweg.

meine liebe zu hamburg hört freilich bei jan, der brandeins und stilsicheren kindernamen nicht auf. hamburg ist emsig. nicht nur die szene der indie-fönfrisuren werkelt unablässlig an ihrer schule, sondern auch in musikalischen gefilden, die saint pauli als angriff des german filter massakers tituliert, wird am abitur gebastelt. die jungs von saint pauli bestücken uns nun mit einem b-52s remix aus der heimischen schmiede. eine eigene single samt eines toxic avenger remixes gibt es laut max in kürze. mehr informationen über saint pauli findet ihr hier, be kind and kiss'em.


b-52s - juliette in the spirits (saint pauli rmx) (dl) (ysi)



bis dieses musikgut erscheint, gibt es an elbe und spree viel zu tun. kinder wollen getauft, ects-credits in bachelor und master gesammelt werden; outdoor-raves warten bei wind und wetter auf die frühlingshungrige meute. denn nicht nur hebt sonne die laune, glaubt man einer volksweisheit, macht mairegen schön; hilft das nicht, kümmert sich heidi. in klum's modelcamp verwaltet die familienministerin im geiste den look und entwicklungsweg ihrer 'meedchen' bekanntlich ähnlich galant und fortschrittlich wie einen gradlinigen bilderbuchlauf durchs deutsche bildungssystem: klappe halten, nicht zuviel nachdenken und fleissig, aber langweilig sein - dann klappt es auch mit der karriere in der krawattenarmee beziehungsweise der ehre, für deutschen moderamsch posieren zu dürfen.

wer dazu keine lust hat, findet womöglich an der maxime der hamburger brandeins-redaktion gefallen. ab unters kopfkissen damit: man lernt nicht fürs, sondern beim leben. musik hat dabei sicherlich neben anderen bildenenden maßnahmen ihren stellenwert, egal ob am klavier oder am synthi; denn ob ausschließlich die beschallung des schwangeren bauches mit klassischer musik zu kleinen intelligenzbolzen führt, ist bislang nicht beantwortet. eine herausforderung für eine master-thesis also? - wohl eher eine nette information. auf innovation und fortschritt müsste herr lotter bei forschungsinteressen dieser art allerdings weiterhin mit sehnsucht warten.


12/11/2007

eine frage der haltung



seit seiner einstellung im jahr 1999 stieg hartmut mehdorns gehalt um etwa 400 prozent, das seines vorstands im schnitt um knapp 300 prozent. kinder des fernverkehrs wissen, dass man gleichzeitig ohne billigtickets, sonderaktionen oder bahncard 50 am fernverkehr der deutschen bahn kaum teilnehmen kann. ein stehplatz berlin - hamburg kostet momentan rund 62 - moment - 65 euro, einfache fahrt wohlgemerkt. vor mehdorns antritt waren es immerhin noch unter 50 euro.

dass dies schon damals sowohl dem geldbeutel des kunden als auch der mobilität des humankapitals - wie der volkswirt so charmant sagt - abträglich war, ist unbestritten. berlin ist immernoch berlin und nicht, wie bahn und medien uns damals glauben machen wollten, der neue, kreative vorort von hamburg, der stadt, die den berliner nachwuchskräften jobs und geld bieten sollte. ganz im gegenteil, während berlin weiter vor sich hin siecht, erfreut sich hamburg einer wirtschaftlich äusserst stabilen lage, ohne die berliner boheme. die brücke zwischen den beiden nördlichsten metropolen deutschlands bleibt zumindest auf den gleisen brüchig.

vor kurzem dann trat der unbeliebteste deutsche in das nächste fettnäpfchen, namentlich gdl. mit den lokführern lieferte bzw. liefert er sich eine mediale farce, bei der am ende niemand mehr eine gute figur abgeben wird. weder der immersture, unbelehrbare und mit 170 cm körpergröße einer minderheit angehörende mehdorn - der brandeins zufolge bilden topmanager unter 180 cm mit 9 prozent eine recht seltene art - zur einsicht kaum zu bewegen, die scheinbar gierigen lokführer, die einen stück von der neuen, großen sachertorte namens db abhaben wollen, noch die westerwellschesken co-gewerkschaften, die nichts besseres zu tun haben, als sich den medien als phrasendreschende höhlenforscher unterer körperregionen zu präsentieren.

was bleibt, ist ein unternehmen, das den eindruck macht, fest in der hand einer selbstsüchtigen riege von managern zu sein, das sowohl von kunden- als auch angestelltenbindung nicht viel zu halten scheint und in den letzten wochen im chaos versank, ganz so wie es auf den gleisen schon seit jahren üblich ist. nur inklusive fürstlicher entlohnung.



schamgefühl jedoch wird bei herrn mehdorn wohl kaum aufkommen, weiss er sich doch in den besten kreisen. so verdient herr wiedeking, seines zeichens porsche-chef, knapp 54 millionen euro im jahr, eine summe die vor allem auf einem vertrag fußt, der geschlossen wurde, als sich der aktienkurs des unternehmens noch auf talfahrt befand. jetzt, da es wieder bergauf geht, versteht sich wiedeking im grunde genommen konkludent aufgefordert, die kuh zu schlachten, die er melkt.

aber tut er das wirklich? nein, den wie im fall ackermann müssen sich die topmanager keine sorgen um konsequenzen machen: bei der pleite ruft der nächste lukrative job, im zweifelsfall sitzt man eh schon im vorstand nebenan. justizia schützt derweilen mit geschlossenen augen ein solches verhalten, und so wird es wohl auch noch eine weile bleiben. wenn man sich anschaut, wie richtlinientreu die regierung momentan die vorweihnachtlichen klatschpressen füllt, muss man sich als manager zumindest in nächster zeit keine sorgen machen, mit dem gesetz in konflikt zu geraten.

eine ganz andere idee kam dabei gregor gysi als gast bei anne will. er wies darauf hin, dass es neben dem gesetz noch die möglichkeit der gesellschaftlichen ächtung gäbe. das ist eine stoßrichtung über die man sich in den büros jenseits des 20ten stockwerks vielleicht schon viel eher gedanken machen sollte.

noch stehen sie nur in den medien schlecht dar, werden beschimpft und landen schlussendlich auf negativen toplisten, deren aussagekraft sich auf ein paar zehntausend clicks im internet beläuft. ein eher amüsanter widerstand, geht man davon aus, dass der pauschal idealisierte topmanager mit seinem gewissen ähnlich skrupellos umgeht wie mit den geldtöpfen seines unternehmens.

aber moment, war es nicht genau diese haltung, die vor knapp 30 jahren zu etwas führte, das wir heute den deutschen herbst nennen? politiker reden heute von notwendiger sozialer ungerechtigkeit, oswald metzger diffamiert hartz-4-empfänger, gleichzeitig formiert sich ein neuer geldadel, der von entlassungen und "entschlackung" seiner unternehmen lebt und dessen grinsende fratze herr ackermann nach gewonnenem verfahren in siegerpose präsentiert.



der radikale widerstand ist momentan eher kopflos, laut, betrunken und am 1. mai in kreuzberg. künstlerisch verniedlicht zeigt 'die fetten jahre sind vorbei' wie es auch anders gehen könnte. doch das ist alles harmlos im vergleich zu dem, was vor einigen wochen auf allen kanälen gut dokumentiert über die bildschirme lief, ein backflash in eine längst vergessene zeit des linken terrors.

in einer gesellschaft aber, deren subkulturen den chic der raf und des linken widerstandes nicht erst seit der wiedergeburt des palifeudels als styleaccessoire aufgegriffen haben, finden sich mehr und mehr menschen, die sowohl mit links als auch radikal sympathisieren, es zumindest wohlwollend dulden. ganz allgemein ist es modern, mit der nationalen vergangenheit flapsig bis unreflektiert umzugehen. und selbst der bnd scheint die zeichen der zeit erkannt zu haben und sich mit seiner offensive in sachen datenschutz wieder gedanken um konspirative wohngemeinschaften zu machen.

man mag davon halten, was man will. wenn weder haltung noch gesetz die topmanager in die schranken zu weisen wissen, werden sie selbst den nährboden für etwas liefern, dass in dieser form in deutschland seit jahren maximal als böser traum vergangener tage existierte. die branche der privaten sicherheitsdienste boomt. ein reflex auf neider, (linke) besserwisser auf dem kriegspfad oder schlicht die eigene paranoia. ein umstand, der in jeder hinsicht nachdenklich stimmt und zweifel an den mechanismen unserer gesellschaft aufkommen lässt.

und doch ertappt man sich bei dem gedanken an einen fiktiven josef ackermann als suchkind 312 oder herrn mehdorn, der vermisst und verzweifelt mit brüchiger stimme an den bahngleisen von seinen treuen angestellten ausgerufen wird, dabei, ein gefühl zu entwickeln, das unseren eltern mehr als bekannt sein sollte: heimliche freude.

diese entwicklung sollte einigen mitgliedern unserer gesellschaft genug anlass sein, das eigene maß eingehend zu prüfen. so oder so ist es an der zeit, etwas haltung und soziale verantwortung zu zeigen, will man doch den turbokapitalisten aus mütterchen russland zeigen, dass demokratie auch mit rechten dingen zugehen kann. was auch immer die zukunft bringt, dem schreiber zumindest ist es grund genug, mehr popmusik zu hören.


12/07/2007

pop, pants and pirates



das verständnis von girl power, das in den 90er jahren an vorderster front von den spice girls propagiert wurde, führte die in dem begriff verborgene idee schon damals ad absurdum. emanzipiert, clever und nachhaltig erfolgreich waren emma, victoria, geri, melanie und melanie nicht, von glücklich ganz zu schweigen. heute tourt die um jahre gealterte, um einige kinder und neurosen reichere und von posh zum plastic spice mutierte mütterband im rahmen einer post-birth crisis die welt, um ein letztes mal zu heucheln den begriff von girl power für die geschichtsbücher besetzt zu haben. jede neunjährige würde bei dem gedanken, später einmal so schandhafte brüste wie victoria beckham ihr eigen zu nennen und die aktuellen bühnenoutfits der tanztruppe tragen zu müssen, mit sofortiger wirkung in tränen ausbrechen und andrea nahles als geeigneteres role model angeben, auch wenn diese lediglich das nächst kleinere übel der rangfolge darstellt.

die mädchen der aktuellen pop-biz-generation haben sich gleich dazu entschieden, keinen feldzug für die anerkennung ihrer weiblichen kraft zu führen, sondern medial zu inszenieren, dass sie diese stärke wenn überhaupt erst durch kräftiges pudern der nase und pubertätsalkoholismus statt –magersucht erlangen können. amy winehouse trat zwar zunächst mit einer stimme in den ring, an deren allmächtige präsenz kein chor aus allen derzeitigen girlbands herankäme, doch die töne, die sie mitunter aus ihrem eingefallenen brustkorb presst und ihre ebenso schwindende gestalt stehen in keiner beziehung zu dem phänomen, dass vor einigen monaten in jedem ersten satz als souldiva tituliert wurde.

wunderbar sichtbar wird in diesem kontext auch, wie netzfremd und fernab der popkultur politiker im namen des jugendschutzes agieren, melden sich doch damen aller fraktionen vehement besorgt zu wort, sobald das privatfernsehen eine neue staffel von germany’s next top model in den programmplan aufnimmt. pro ana websites und bilder von koksenden sternchen in blogs gehören scheinbar zu der kategorie wissen, in der auch die fakten schlummern, die papst benedikt xvı. ignoriert hat, als er seine definition gesunder sexualität aufstellte. wer gräbt schon gerne tiefer?

erinnern wir uns an die hysterie und anstieg der suizidalität innerhalb einer fangemeinde, die bei der auflösung einer beliebigen boyband auftreten, ist es für ein harmonisches familienleben oder um den status der lieblingstante beizubehalten sicherlich ratsam, der oben erwähnten neunjährigen keine cd einer künstlerin zu schenken, deren drogentod man in einem halben jahr kindgerecht in worte fassen muss.

sich dieses problems bewusst hat das vereinigte königreich ein entzückendes damen-duo hervorgezaubert, deren künstlerisches produkt jeden geschenketisch aufwertet: peggy sue and the pirates – womit wir zum eigentlichen anlass dieses textes kommen. rosa rex' und katy klaws musikalische gemeinsamkeit war vor gründung von peggy sue and the pirates ihre sammelleidenschaft für regina spektor bootlegs, und vergleiche mit der schönheit der stimme der russin, mit feist oder cat power können ohne furcht vor schwächerem abschneiden herangezogen werden. bibabidi führt zudem einen vergleich mit den moldy peaches und billie holiday ins bild.



ihr klarer vorteil ist das auftreten im doppelpack, lediglich bestückt mit der gitarre "stud", das fehlen der divenhaften unnahbarkeit der genannten solokünstlerinnen und die aus ihren augen sprühende, mädchenhafte herzlichkeit, die sie mit ihrer tourpartnerin kate nash teilen. girl power ist als attribut für katy und rosa gänzlich unpassende wortwahl; so bleibt die unbenannte eigenschaft ein konstrukt aus hochverdichteter weiblichkeit, talent, charme und scharfsinnigkeit. das aus brighton stammende zweigespann spielt seine akkustikgitarre zu klugen, methapernreichen lyrics, und der text zu superman erzählt nicht nur die leidensgeschichte des superhelden aus einer völlig neuen perspektive, sondern kann auch als wunderbare persiflage auf das wesen der klassischen girlbands interpretiert werden. katy und rosa müssen sich selbst im geblümten kleid keine gedanken machen über das recht, das clark kent stellvertretend für die plastikpuppen des pops fordert:

all i really want is to have the right to wear my pants underneath my tights!


peggy sue and the pirates - the new song


wer keinen vorweihnachtlichen kurztrip auf die insel plant um sich in dessen rahmen mit einem live-gig von peggy sue and the pirates zu beschenken, kann ihre single "the new song" hier als stream anhören; hinter der heutigen adventskalendertür verstecken wir für euch einen einen shot of tuacca.


peggy sue and the pirates - a shot of tuacca (ysi)


mehr für die ohren (spare parts!) und augen findet ihr auf myspace und bald auch auf der website.



11/14/2007

flannelette shirts & flash-lit hair



einen ausführlichen style-guide für die trendbewusste frau mit mut zur hässlichkeit hat andrew long herausgegegeben. flannelette shirts & flash-lit hair ist ein fotografisches portrait der australischen jugend, die über die jahre dem karierten flanellhemd und skateboard stets treu geblieben ist.

mit seiner ankunft bei h&m wird das holzfällerhemd in den kommenden wintermonaten wohl nicht nur sporadisch, sondern recht fleissig seinen dienst an grazilen frauenkörpern tun. für die zurückhaltende und vermeintliche geschmackssichere fraktion der fashion-victims haben einschlägige streetwear label selbstverständlich dafür gesorgt, dass flannelettes auch mit glitzer, schmal geschnitten und in blumigen pastelltönen zu haben sind.

andrew und seine australischen buddies finden ihre uniform an frauen vermutlich ähnlich anmutig, wie das als accessoire herumgetragene skateboard, das vor einigen jahren das mittel der wahl pubertierender attention whores war. doch anmut und grazie hin oder her, das skateboard würde sich zur zeit nahtlos in die "look at me, look at me"-kleiderwahl einfügen und dem oversized bag endlich angemessenen inhalt liefern.

mehr von andrew gibt es bei devetdecet und der now now gallery.









10/24/2007

spieglein, spieglein



über mode zu schreiben fällt für mich in eine ähnliche kategorie wie mein kurzweiliges veterinärmedizinstudium: meine tierliebe darin gipfeln zu lassen, die flauschigen freunde mit einem scharfen skalpell und dem beißenden geruch von formaldehyd in der nase zu sezieren, machte für mich im endeffekt ähnlich wenig sinn wie eine wissenschaftliche abhandlung über eine beliebige zwischenkollektion zu schreiben.

beide anliegen in allen ehren, doch streicheln, gucken und tragen genügen bisweilen vollkommen. die wunderbaren ergebnisse aus maaike mekkings neuer kollektion kattekwaad dürfen im rahmen dieses textes deshalb einfach wortlos auf euch wirken; you may love it, you may not.

heikel kann es sowohl bei übertriebener tierliebe und modeleidenschaft werden, wenn sie in ihrem gegenteil mündet: zum einen in der tierquälerei und zum anderen in ausufernder oberflächlichkeit, geschmachsverirrungen sowie einem vollkommenen verlust desgleichen.
die synthese von übertriebener liebe zum plüschigen tier und enarteter mode ist natürlich der pelz, der in grauer vorzeit durchaus legitim und funktional war, dessen herstellung heute hingegen größtenteils in die schublade der abartigkeit fallen muss, in der auch kinderpornographie, zwangsprostitution und organraub ihr dasein fristen.

mit diesen bildern vor augen scheint es nahezu lächerlich, awareness für andere modesünden schaffen zu wollen. high waist jeans, in der amerikanischen blogosphäre zurecht als mom-jeans verachtet, holzfällerhemden und der gängige berliner trash style erlangen in diesem kontext fast kindliche unschuld oder die belanglosigkeit der spice girls reunion.

believe the hype
vielleicht scheint es trotzdem an dieser stelle sinnvoll, einen kleinen blick auf postpubertäre stilkrisen zu werfen, die sich in der krampfhaft hippen szene tummeln.
doch so schnelllebig wie der berliner trash trend, der sich irgendwo zwischen mut zur hässlichkeit, new rave und penner bewegt, wohlmöglich sein wird, so überstürzt und nicht zuende gedacht ist die behauptung, er qualifiziere als eigene moderichtung oder sei ein zeichen von geschmack und stil, oder etwa eine konsequent durchdachte modische und gesellschaftliche rebellion.

das konzept lässt sich mehrfach aushebeln: zum einen ist das bekenntnis zum schlechten geschmack, stilbruch und der intendierten unattraktivität inkonsistent: die kombination des derbsten looks nimmt mehr zeit in anspruch als klassische zusammenstellungen; weiterhin traut der träger sich zwar scheußliche stoffstücke zu tragen – der körper hingegen bleibt heilig: trotz oversize t-shirt sollte das weibliche schlüsselbein stets hervorstechen, die jeans sich in einer 25er inch-weite weiterhin über spitze hüftknochen ziehen, die nägel sind frisch lackiert und haut und haar bleiben ein streng umsorgtes kleinod. ferner verliert sich die der mode heute zugeschriebene funktion der selbstdarstellung und ihre expressive bedeutung, denn unter den trägern befinden sich auch lehramtsstudentinnen, intakte seelen und doktoranden.
ob das neon-outfit nun analog zur mdma-dosis gewählt ist, aus gruppenzwang oder als antithese zu den gefühlen, die dem analytiker dreimal die woche vor die füße gekotzt werden, bleibt dabei offen. nur soviel wird klar: willkür ist ein fragliches charakteristikum für jegliche beschreibung eines phänomens, und ein gemeinsames lebensgefühl, eine gesellschaftliche aussage oder gemeinschaftliche erklärung einer generation wird über mode schon lange nicht mehr formuliert.

i'd rather go naked
einzig interessant finde ich die energische umkehrung des gedanken, durch die sorgsame auswahl von bekleidung, die investition von viel liebe, gedanken und geld, attraktiver zu erscheinen. spread the love. darf ich es als aufdringlich, notorisch und ein wenig traurig bezeichnen, plakativ zur schau zu tragen, dass - no matter what - ich nackt besser aussehen werde?



ist das etwa auch der gedanke, der zum pelz tragen ermuntert? der waschbär will nackt sein? vielleicht erklärt diese absurde annahme ebenfalls, warum die vorausgehende abhandlung zustande kam, obwohl der ausgangsvergleich nicht sezieren und kaputt schreiben, sondern streicheln und stillschweigend tragen ist? es geht an dieser stelle nicht um das anatomische verständnis von tieren oder die historische und kulturelle verortung von mode, sondern um das glücksgefühl, was ein besuch im streichelzoos des görlitzer parks auslöst oder der kauf des mantels, den du solange tragen wirst, bis der sommer sich nicht mehr leugnen lässt.

diese zufriedenheit wird sich nun nicht einstellen, wenn sich vor den eigenen augen gut gekleidete menschen vergnügen, aber ein neidischer blick, ein wohlwollender kommentar und die frage: where did you get that? bringen uns vermutlich weiter als die befürchtung augenkrebs zu bekommen und die entscheidung zu treffen, nun doch wieder in der staatsbibliothek zu flirten, da man nur außerhalb der gefilde, die als weniger angesagt gelten, jemanden trifft, den man auf anhieb zum vater seiner kinder machen möchte.

we do need some education
wenn also die deutsche regierung sich aufopfernd darum kümmert, dass wir nicht zu viele transfette essen und adipös werden, ein ausreichendes maß an bildung bekommen, das rauchen an den nagel hängen und mehr kinder zeugen, warum sorgt sie nicht für eine bessere ausbildung des ästhetischen empfindens? ein bisschen besseren kunstunterricht, der nicht nur lehrt wie man erdmännchen proportioniert abzeichnet oder specksteine zu abstraktem unsinn schmiergelt, sondern auch soviel einblicke und selbsterfahrung in design und mode gewährt, dass sich die schüler zum zeitpunkt des abiturs soweit ausgetobt haben, dass sie nicht am nichtbestehen der aufnahmeprüfung an einer kunstakademie seelisch zerbrechen sondern mit gutem gewissen bwl studieren können, und ihr gefühl für ästhetik soweit herangereift ist, dass sie erkennen, dass die größtmögliche diskrepanz, die man zu mode und stil schaffen kann, ist, sich selbst und die eigenen h&m outfits im spiegel der schrankwand zu fotografieren und dies zur basis eines fashion-blogs zu machen.

wie das im einzelnen aussieht muss ich an dieser stelle kaum aufgreifen. da auch die auswüchse von falsch verstandener liebe zu mode und der hoffnung, an diesem wochenende durch eine weitere steigerung des fehlgriffs endlich jemandem aufzufallen, an jedem xbeliebigen abend im feldforschungs-design zu beobachten sind, kann auch auf eine fotografische gedächtnisstütze in diesem rahmen verzichtet werden.

anstatt dessen noch ein bißchen niederländisches design aus london, eine gute nacht und einen todschicken donnerstag.






10/08/2007

fugly loveboat boredom



it's monday baby, time for some gossip. über die furry friends habe ich schon ausführlich berichtet, die folgenden küken, in ihrer aufgabe als ehefrau und tochter nicht weniger bedeutsam und liebesbedürftig als ein haustier, haben ihr schönstes federkleid angezogen und sind unbemerkt durch die katzenklappe in die realität entwichen. hätte nur jemand die mädchen nach aller kunst abgerichtet auf das well-being ihrer umwelt zu achten - ihr anblick verletzt jeden ansatzweise guten geschmack und zerfleischt ein gesundes sehvermögen im handumdrehen.

victoria beckham sieht aus, als wolle sie todtraurig gegen käfighaltung von neonhennen protestieren.

jennifer lopez besaß zwar schon immer zweifelhaften geschmack, etwas derartig abscheuliches hat sie allerdings selten getragen, schwangerschaftslaunen hin oder her.



und brooke hogan, tochter von hulk hogan, defies any explanation. michael von dlisted beschreibt dies ganz passend: what innocent gay cat on acid had to die for that dress?!



weiterhin hat das out magazine exklusive shots von tom ford mit den boys, gisele bündchen is a foxy cat in vogue und andy samberg präsentiert ein lahme imitation von mr. kevin federline.

da fällt mir gerade ein: die farbigkeit der präsentierten outfits verlangen geradezu nach claudia roths auftritt bei den bayreuther festspielen, und da harald schmidt damals ihr escada-kleid mit dem kommentar eichhörnchen auf ecstasy würdigte, fügt sich das foto nahtlos in die reihe der hollywood-hennen ein. danke herr waltz, dass sie sich um frau merkel gekümmert haben.


10/01/2007

like a very hairy jake gyllenhaal and me


andy samberg

montage
sind nicht dafür da, sich mit grundlegenden entscheidungen wie der kinderfrage auseinanderzusetzen. außerdem gestaltet sich die sache kompliziert: ede und ursula zanken weiterhin über das schnapsgeld, und nachdem mir klar wurde, dass allein boris becker der kindsvater sein würde, der meinen nachkommen definitiv meine haarfarbe weitervererben könnte, schiebe ich die entscheidung ob überhaupt, mit wem und wann doch lieber auf die lange bank.

wer zurzeit hingegen doch die augen nach einer entscheidungshilfe aufhält, dem seien die entzückenden texte von katrin knoppe und kristin joachim empfohlen, die sich in der aktuellen facette dem pro und contra des nachwuchses widmen. das charmanteste plädoyer für eigene kinder gelang allerdings sz-kolumnist axel hacke in seiner textreihe "das beste aus meinem leben" vom vergangenen freitag. nach der lektüre seiner erzählung möchte man hackes tochter vom fleck weg adoptieren, und den vater gleich mit.

doch wäre axel hacke wunschkandidat der deutschen frau? die gfk fand jüngst in einer repräsentativen umfrage zu den von frauen bei männern bevorzugten äußerlichen eigenschaften heraus, dass kurze, dunkle haare und ein glattrasiertes gesicht die meisten fürsprecher finden. zumindest in bartfragen unterscheidet das ergebnis der umfrage sich also von den berliner frauen. der dreitagebart wurde nur von 22,4 prozent der befragten geschätzt, der vollbart gar nur von 3,1 prozent.

so saß ich also da und rätselte, an wen die deutschen frauen wohl gedacht haben, als sie ihren traumprinz beschrieben. glattrasiert? - das sollte domäne der banker und nachrichtensprecher sein und bleiben. aber wer erinnert sich nicht an das phänomen des letzten sommers, als zur wm zu viele frauen michael ballack als schönsten fußballer bezeichneten. so schön, dass selbst ölgemälde von ihm das büro deutscher tabaklobbyistinnen zieren?
um mit dem irrsinn an dieser stelle aufzuräumen: michael ballacks attraktivität spielt in einer liga mit thomas hitzlsperger und kevin kuranyis haarexperimenten. handsome – i don't think that is what britain thinks about him.

mein beuteschema und der fehlende fernseher sind wohl verantwortlich dafür, dass ich um ein bisschen dunkelhaariges eye candy aus dem netz zu fischen eine weile recherchieren musste, aber heute ist montag, die woche soll hübsch beginnen und daher gibt es ein bisschen augenschmaus anbei.

andy samberg ist schon alleine wegen des smash-hits i ran so far mein held des tages, dann wären da heroes-darsteller milo ventimiglia, der mit kurzem haar und bart nun endlich nicht mehr süß sondern umwerfend aussieht, und christian bale, aufgrund meiner persönlichen leidenschaft für bret easton ellis und helden in strumpfhosen. ein bild ohne bart habe ich allerdings nicht übers herz bringen können, und milo hat jetzt ja auch einen.

schön, dass die jungs verstanden haben. ein haariges äußeres war schließlich einer der auslöser, der andy samberg zum saturday night live minnesang für ahmadinejad bewegte.


milo ventimiglia


christian bale


9/19/2007

free climb loveboat boredom



paris hilton beweist immer wieder aufs neue, dass sie den test für die vorschule kaum bestehen würde, da sie immer noch gedanklich in der bunten welt der kleinkinder weilt.

anziehen ohne hilfe will nicht ganz klappen, ihr sprachschatz ist limitiert, sie steckt dinge in den mund und besteigt neuerdings auch hindernisse, die ihr den weg versperren. dies ist keinesfalls anstößig gemeint, sondern wortwörtlich.

nachdem die partyfotos vom emmy-wochenende tatsächlich etwas von einem kindergeburtstag hatten, entschloss sich wonky ein tor hinauf zu klettern. vielleicht um den paparazzis einen besseren winkel für crotch shots zu bieten, vielleicht um ihre entlassung aus dem gefängnis für die presse neu zu inszenieren, oder eben, weil es das ist, was kleine kinder tun: krabbeln, klettern und unverständliche dinge brabbeln – ihr schutzengel war auch im gepäck und dies somit nicht die letzte meldung über das blonde prachtmädchen.

wo auch immer die party am wochenende steigt: don’t forget to go home, aber bitte durch die tür.

was trieben die anderen blondinen? courtney love besuchte the doherty im entzug, sharon stone verzichtet von nun an auf mimik und brad pitt really needs to get laid soon – zum träumen taugen die fotos aus dem v magazine nicht, versuchts mal mit chris evans.