6/07/2010
5/31/2010
never tear us apart
Record Club: INXS "Never Tear Us Apart" from Beck Hansen on Vimeo.
"record club is an informal meeting of various musicians to record an album in a day. the album chosen to be reinterpreted is used as a framework. nothing is rehearsed or arranged ahead of time. a track is put up here once a week. the songs are rough renditions, often first takes that document what happened over the course of a day as opposed to a polished rendering. there is no intention to 'add to' the original work or attempt to recreate the power of the original recording. only to play music and document what happens."
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teresa m. buecker
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Tags: 80er, L'Amour, LoFi, Musicvideo, Next Nice Thing, Nostalgie
3/09/2010
liebe ist für alle da
Ihr könnt diesen Text auch ausdrucken oder ab dem 15. März im BLANK-Magazin lesen. Für die Kommentare wünsche ich mir vor allem, dass ihr Herrn Schmitz bittet, einen Beitrag über Modeblogs zu schreiben. Das wünsche ich mir nämlich zum Geburtstag.
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teresa m. buecker
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Tags: 2.0, Gesellschaft, L'Amour, Loveboat Boredom, Netz
7/27/2009
eine frage der ameise
Fällt das Wort Festival, denke ich sofort an Matsch, Mücken und auch an Wacken. An Metal, Männer und Müllpfand. Obwohl auf die Kappe meiner Kindheit vermutlich mehr Baumhäuser und Brennesselstiche gehen als bei manch anderer Provinzblume und ich sogar bei meinen Eltern im Garten das Zelt aufschlug, ist aus mir – obgleich musikliebend - kein fleissiger Festivalgänger geworden. Ich mag es düster, humid und mitsamt der Jahresportion für den geneigten Passivraucher auf überdachten Konzerten. Ein Zelt behält immer den kindlichen-christlichen Pfadfinder-Charme und das Freiluftgelände die unausgesprochene Drohung unter Sternenhimmel Romantik empfinden zu müssen, geschweige denn den Akt mit dem Liebsten in der Gegenwart von voyeuristischen Ameisen vollziehen zu müssen. Ich bin zu alt, ich mag ein blütenweißes Kleid und eine Federkernmatratze oder den Küchentisch.
Doch zumindest für die Ohren hält fast jedes Festival etwas bereit, dass auch den größten Schreihals sanft in den Schlaf schaukelt und die Sternschnuppe in der Sommernacht zückt. Ganz gleich ob man die Nacht nun unter freiem Himmel verbringt, im heimischen Bett oder gestärkten Hotellaken.
Ein Vertreter dieser Gattung von Band sind die aus Südafrika stammenden Dear Reader. Am ersten Tag des Berlin Festivals kann man zu diesen Klängen knutschen, wenn man mag. Oder man lauscht den Klängen genauer, notiert und weist wie jede vorausgegangene Rezension darauf hin, dass weder Band noch Debütalbum „Replace Why With Funny“ sich anhören wie der holde Musikkritiker es von einer südafrikanischen Band erwartet. So etwas darf eine Band aus Portland, aus Glasgow oder den skandinavischen Regionen des verträumten Indiepop, mit dem nicht nur Jens Lekmann die Herzen der stolzesten Frauen zu brechen vermag. Ein südafrikanisches Popduo darf das nicht. Oder dann schon, wenn man nur ausführlich auf den vermeintlichen Widerspruch hinweist. Auch Berlin bringt solche Bands hervor, so munkelt der Untergrund. Oder Madison, Wisconsin. Von dort stammen die Pale Young Gentlemen, an die mich Dear Reader ein wenig erinnerten. Ich habe mich verguckt in die Cellistin, die unter den Gentlemännern weilt. Mit einem Ohr und einem halben. Zusammen wären Dear Reader und die blassen Herren ein wunderbares Miniaturorchester, und man würde rätseln, welchem Kontinent, welcher Musikhauptstadt man nun diesen von Streichern becircten Sound zuordnen könnte. Für die Pale Young Gentlemen gibt es einen gar wunderschönen Verweis, welch musizierende Königlichkeit aus der gleichen Stadt entstammt, obgleich dies musikalisch rein gar nichts zur Sache tut: Rotschopf Shirley Manson und ihre Band Garbage fanden hier zusammen. In diesem Sinne: We're only happy when it's complicated.
Dear Reader - Dearheart (ysi)
Pale Young Gentlemen - Fraulein (ysi)
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teresa m. buecker
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Tags: Berlin Festival, Indie, L'Amour, Music, Pop, South Africa
3/11/2009
tesla boy und tramkitsch
tesla boy sind aus moskau, russland, klingen aber nicht zwingend so, wie man sich irgendwas östlich von frankfurt/oder vorstellt. vor allem wenn man es sonst auch nicht für nötig hält, die frankfurter allee stadtauswärts zu befahren (liebe grüße an joe). wie auch immer, tesla boy passen mit ihrem popappeal sehr gut in das programm der französischen disco popper von valerie. und auf den ipod. picture that: 2 uhr, m10, mädchen mit leggings, optional kaputte, funky hair und echter pelz, roter lippenstift, selbstverliebte blicke und nicht nur eyecandy auf den synapsen. dazu spirit of the night. das passt, das kann man mal machen. vermeintlich große gefühle, alkoholbeschleunigt, unvergesslich.
tesla boy - spirit of the night (dl) (alt)
tesla boy - neon love (dl) (alt)
einen weiteren song findet ihr auf discodust, mehr infos auf valerie und dem myspace tesla boys. download per klick auf den titel oder optional per rechts- oder ctrl-klick auf den alternativen link (alt).
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Herr Schmitz
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7:06 pm
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Tags: 80er, After Hour, Disco, L'Amour, Moskau, Music, Russland
1/03/2009
starfucksyndrom
starfucker just made my day. again. seit monaten schlägt mein herz für die band aus oregon nachdem ich german love entdeckte sowie das vorige projekt von sänger josh hodges, sexton blake. der portland offspring hat vor kurzem ein bestechendes, selbstbetiteltes debutalbum veröffentlicht, zu dem die renzension immer noch in meinem kopf schlummert und getippt werden möchte. starfuckers beitrag zu einer brandneuen rewind-compilation von buffetlibre kam einem text zum album aber zuvor. für die spanier haben die beiden herren cyndi laupers 'girls just wanna have fun' neu interpretiert. dass josh hodges im covern stark ist, hat er mit sexton blake bereits bewiesen. auf dem reinen cover-album 'play the hits' bringt er sogar rod stewarts 'young turks' zum glänzen.
starfucker - girls just wanna have fun (dl) (ysi)
bei buffetlibre haben weitere junge wilde ihren beitrag zu einer glitzernden 80er spielwiese geleistet. mit dabei sind unter anderem au revoir simone und we have band. little boots nimmt sich freddie mercury an und malente falco. if that's not the way to start a weekend!
mehr informationen zu starfucker sowie german love und sexton blake songs zum download findet ihr bei uns an dieser stelle. ein umfassendes interview mit josh hodges hält speakzine für euch bereit.
1/02/2009
happy birthday, herr schmitz
das tip-magazin ist eine berliner publikation ohne großen nutzwert, was auch die jahresendausgabe wieder einmal eindrucksvoll belegte: wertvolle redakteurs- und praktikantenarbeitszeit investierte das stadtmagazin in die kompilation der peinlichsten berliner, die weder überraschte, noch textlich glanzpunkte setzte. mario barth, nummer eins der tip-liste, ist beispielsweise so peinlich, dass es widerum indiskutabel ist, ihm überhaupt eine zeile zu widmen. dass die zeitschrift auch noch den nerv besitzt, ben becker als fast-drogenleiche zu titulieren und jonathan meese einen überbewerteten künstler, mag verwundern, heißt es doch in den mediadaten das blatt sei ein "unverzichtbarer begleiter durch 14 tage kultur- und szeneleben" mit "trends, tipps und empfehlungen mit hoher kompetenz". in den 100 kleinen texten könnten medienrechtler zudem nicht wenige unterlassungserklärungen, wenn nicht sogar schmerzensgelder aufgrund verletzungen des persönlichkeitsrechts herausholen. all das zeugt eher davon, dass hier im stil eines arschproleten publiziert wird (so tip über ihn und thees uhlmann angeblich über sich selbst), und die eigene peinlichkeit des magazins berlin erröten lassen sollte.
wie grau muss die jahresendzeitstimmung in den redaktionsräumen des tip gewesen sein, dass so etwas dabei herauskam? hätte das magazin eine halbwegs brauchbare liste zusammenstellen wollen, wäre eine übersicht über die begehrtesten berliner junggesellen und damen ohne ring am finger zum einen nicht nur amüsanter und charmanter zu lesen gewesen, sondern hätte ebenso vermitteln können, wie lebenswert berlin trotz o2-world und minusgraden ist. ist lobreden über schöne männerhintern zu schreiben nicht eine dankbarere aufgabe, als die kontinuierliche kritik an politikern ideenlos fortzuführen? für diese rubrik gibt es hier seit heute ein neues tag.
herr schmitz hat in den letzten jahren weit oben auf der liste berlins begehrtester junggesellen rangiert, und auch wenn er sich nun entschieden hat, schon vor dem frühling ein paar dieser gefühle zu hegen und sich in zeiten der krise vom markt zu nehmen, verfasse ich irgendwann vielleicht doch noch einmal ein loblied auf ihn. stilikone, engtanzkönig, bestmöglicher mitbewohner und blogpartner bleibt er ohnehin.
hier also dein schriftlicher geburtstagsgruß, jan. mögest du rund, gesund und glücklich bleiben und in diesem leben nicht mehr all zu viele herzen brechen. es grüßt und küsst dich tessa, dein fanclub lütgendortmund und der discoplanet spreewaldplatz.
happy birthday, good night, and good luck!
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teresa m. buecker
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Tags: Berlin, Berlins begehrteste Junggesellen, Boys, Dummheiten, Ich Sollte Aufhören Damit, Journalismus, L'Amour, Magazines
12/30/2008
you've got your friends, i've got mine

der titel der ersten single von in endeavors könnte vielen pärchen den streit über die gemeinsamen sylvesterpläne ersparen. frauen, die sich nur schwer zwischen gut aussehen und nicht erfrieren entscheiden können und eine bande wildgewordener jungs lassen wohl am besten zusammenbringen, wenn der champagner bereits geflossen ist. das vorglühen vollzieht man folglich im zweifelsfall nach geschlechtern getrennt oder innerhalb der zusammenkunft lauter harmonischer pärchen. it will all be alright.
bevor es in den elektronisch dominierten dschungel der berliner sylvesternacht geht, gibt es hier noch einen happen indie von einer jungskombo aus lexington, kentucky: in endeavors. ihre erste ep klingt gänzlich familiär und natürlich genre-üblich getüncht. dennoch sind die kids hier eine erwähnung wert, denn alle fünf stücke der ep, die am 9. januar erscheint, sind durchaus solide, und ich komme nicht los von ihr: meiner schwäche für indie-boys. einen guten vorsatz braucht es da nicht, denn sie sind eine feine sache. finger weg von den männern, die für dich die gitarre am lagerfeuer zupfen wollen; der nonchalante umgang mit sex, drugs und rock'n'roll ist hingegen stets ein merkmal von oberster güte. frohes neues.
in endeavors - you've got your friends, i've got mine (dl) (ysi)
12/17/2008
we've got obsessions
marina & the diamonds - obsessions
mehr info bei neon gold.
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teresa m. buecker
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Tags: Indie, L'Amour, Music, Musicvideo, Singer
12/06/2008
a husband in paris
kalkül und liebe. vermutlich enger verflochten als das wortpaar nebeneinander gestellt vermittelt. nicht nur auf zuneigung basierende beziehungen, eltern-kind- konstellationen und gehorsame schoßhunde operieren an vielerlei ansatzpunkten mit berechnenden gedanken - meist noch bevor die liebe da war, und immer noch, wenn sie sich bereits verflüchtigt hat - kalkül und liebe haben ebenso in der politik ihren festen platz.
kalkül, so schreibt philip grassmann im aktuellen freitag, sei stets angela merkels präferierte strategie gewesen, verhalf ihr zum aufstieg innerhalb der "männerpartei cdu", führte sie als erste kanzlerin ins amt. belohnt wurde diese taktik mit liebe, oder um im duktus von politischer tuchfühlung zu bleiben: mit beliebheit. frau merkel flogen die herzen entgegen, die krone der politischen charts, die nackenmassage von george bush. die temporäre ehe von cdu/csu und spd mit liebe zu füllen vermochte frau merkel hingegen nicht. die große koalition ist dabei keine gescheiterte ehe, in der partner sich dulden, viel schweigen und die wenigen entscheidungen des alltags auf dem kleinsten gemeinsamen nenner treffen: sie war stets scheinehe. das bündnis der derzeit regierenden parteien besaß nie einen funken liebe, den koalitionen bisweilen versprühen - mit dem partner flirtend, zumindest zu anfang das feuer einer affäre verspüren. wie auch für die meisten scheinehen üblich verwaltete die große koalition ihre zweisamkeit und das land, ohne zu gestalten, ohne fruchtbar zu sein, ohne kinder. der zweck der liaison galt vorrangig dem verbleib an der spitze des machtgefüges, so wie die ehe als schein dem gatten oder der braut den aufenthalt im land garantiert.
man muss kein experte sein, um prognostizieren zu können, dass ein wahlkampf im stil von barack obama hierzulande vorrangig an fehlender leidenschaft, liebe und charisma scheitert und erst danach an den völlig verschiedenen rahmenbedingungen. nicht nur die linken scheitern daran, dass sie die herzen der menschen nicht mehr füllen können, wie jakob augstein vor kurzem schrieb: auch die großen parteien werden hart daran zu knabbern haben, dass inhaltliche aussagen alleine nicht ausreichen werden, um dem wahlkampf ein wenig glanz zu verleihen und dementsprechende effekte zu erzeugen. nach drei jahres des merkelschen zauderns verblasst die begeisterung der deutschen wähler über ihre kanzlerin merklich, schwächt nicht nur ihr eigenes ansehen sondern auch die union und könnte zu dem führen, was philip grassmann zu bedenken gibt: "eine geschwächte kanzlerin ist für franz müntefering und frank-walter steinmeier die beste voraussetzung für eine neuauflage der großen koalition nach der bundestagswahl im kommenden herbst". es ginge weiter, mit wenig feuer.
dabei scheint es fast bizarr, dass die partei, die den wert der ehe hoch ansiedelt und sie homosexuellen paaren weiterhin verwehren möchte, durch eine farblose kanzlerin in einen weiteren turnus eines ehebündnisses geführt wird, in dessen charta die infertilität eingraviert ist.
die fotografin katarina radovic hat sich der natur der scheinehen auf der künstlerischen ebene genähert. für ihre fotoreihe 'a husband in paris' übernahm sie selbst die rolle einer jungen frau, die sich in paris auf die suche nach einem mann begibt, der mit ihr eine scheinehe eingehen würde, um ihr den aufenthalt im land zu ermöglichen. sie sprach die männer zunächst mit diesem anliegen an, um sie kurz darauf über ihr eigentliches vorhaben aufzuklären: die fotografische inszenierung eines scheinehepaares. auf diese weise entstanden portraits von männern unterschiedlicher berufszweige mit der vermeintlichen frau fürs leben. portraits von ehen als verwaltungsakt.
"The aesthetic complexity of these staged images surpasses the strictly political aspects and stretches to romantic relationships between possible marriage partners as well as the seduction of the young woman who, in her appointed role, does not hide that she is "in the hurry"."
die vollständige serie findet ihr bei lensculture mit weiteren ausführungen der künstlerin. katarina radovic und paris bieten hier die zweisamkeit als bühnenstück als variante der scheinehe, die mehr glück, romantik und weitaus mehr perspektive als eine große koaltion verspricht.
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teresa m. buecker
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11/29/2008
schmusepferdchen
meinen ersten narren an einem schnäubenden vierbeiner fraß ich an filou, einem appaloosamix mit punkfrisur. klein, wendig und verschmust. das electro pop duo appaloosa klingt ebenso flauschig und weich wie das stubsen von pferdenüstern an der eigenen wange sich anfühlt, und so umsorgt uns die band in dieser manier mit einem wunderschönes winterstück: the day we fell in love.
appaloosa sind anne-laure keib und max krefeld die sich auf deutschem grund zusammenfanden und nun in london residieren. die zwei begeistern auch die großen namen: cat power nahm die beiden kurzerhand mit auf tour und bewies damit ein sicheres händchen für eine passende vorgruppe, auch wenn ihr publikum vermutlich bereits vor ihrem auftritt knutscht und die welt um sich herum vergisst. who could blame them?
appaloosa - the day we fell in love (dl) (ysi)
auf der myspace-seite von appaloosa könnt ihr mehr über die beiden erfahren. unter anderem beschreibt anne-laure keib dort detailliert wie sie zuerst in berlin landete und dort max kennenlernte und die beiden schließlich zur gemeinsamen musik kamen. im future claw magazine findet sich zudem ein ausführliches interview.
11/27/2008
geheime gewohnheitstiere
unstetigkeit ist sicherlich eine sache, die man unserer generation nicht vorwerfen kann: irgendwo zwischen dem auf und ab der wirtschaft, fluktuationen im freundeskreis, bett und fußballverein, alten unterhosen, regelschmerzen und sonntäglichem ausnüchtern finden sich schematische zyklen, die wir teils unbewusst zu lieben oder hassen, aber auch zu akzeptieren gelernt haben.
seinen anfang nahm das ganze frei nach brand eins bei aristoteles, dem alten denker, der uns einbläute, katharsis wäre das ding: drama, tragödie, schmerz als mittel der seelenreinigung. ein credo, ein hin und her, das wir institutionalisiert haben, sei es in sachen mode, medizin oder nächtlicher zerstreuung. kurz lässt sich das auf folgendes zusammenkürzen: der mensch muss leiden, damit es ihm wieder gut gehen kann.
nun ist man heutzutage, fernab von sturm und drang, nicht mehr ganz so dramatisch; will heissen, leid muss nicht sein, abwechslung schon. man ist schließlich auf- und abgeklärt. so begeisterte mich schon damals im biologieunterricht herr wiedemann, ein heimlicher intimus von helge schneider, mit seinen abhandlungen darüber, warum die parallelen zwischen den vermehrungszyklen von wölfen und kaninchen so eng und unabdingbar mit einander verflochten seien. eine transferleistung zwischen den disziplinen vermochte mein jugendliches gemüt allerdings nicht zu leisten, das vergnügen blieb zunächst biologisch.
ganz generell sind zyklen etwas, dem sich unsere gesellschaft auf gedeih und verderben nicht entziehen kann. einem hamburger mag das per wasserstandsmeldung in die wiege gelegt worden sein, andere teile deutschlands müssen sich vermutlich andere anhaltspunkte suchen, um die etwaigen launen des partners unaufgeregt zu ergreifen. helfen könnte dabei boris becker. er steht wie kein anderer prominenter für den steten wechsel, auf den man sich verlassen kann - ausnahmen bestätigen die regel.
ohne jegliche selbstreflektion scheint dieser habitus auch ins web 2.0, modeblogs mitteilungsbedürftiger mädchen und denen der vom aktualitätswahn geknechteten musiknerds einzug gehalten zu haben. herr becker ist dabei der geheime bacchus, der ohne viel gnade befiehlt, auf altbewährtes und aufgekochtes zu setzen. bis es irgendwann kracht. dann wird von vorne angefangen. rücksicht wird dabei wenig genommen, reflektiert noch weniger. dem kritischen betrachter könnten sich allerdings ein paar fragen aufdrängen.
langweilen wir uns denn eigentlich nicht zwischen immergleichen modestrecken und flannelhemden, die uns weiss machen wollen, dass sie tagesaktuell wären? ist laut und doll aka new rave nicht eigentlich schon tot, geht uns minimales klickerklacker und der ausgenudelte klang neurotischer frauenstimmen über kosmischen discotunes nicht auf den wecker? sind die meisten arty installationen zwischen alternder schwerindustrie und cocktailglas nicht in wirklichkeit überflüssig? vermutlich schon.
der mensch aber ist ein zyklisches gewohnheitstier. er kann nicht anders, er will nicht anders und vor allem: er braucht es nicht anders. ob man das zwingend schlecht finden muss? mit sicherheit nicht, aber es erklärt zumindest das phlegma, das einen ab und an befällt, mit den hochs als reziprok. was vielleicht bleibt, ist ein wunsch nach schärfe, aber: "wir müssen uns sisyphos als einen glücklichen menschen vorstellen."
mehr zu x-beinen findet man hier, mehr fotografie hier und etwaiges zu albert camus hier.
11/22/2008
rotgelockte sitcom-helden
kaum etwas kratzt mehr an meinem morgenlächeln als die abwesenheit des sz-magazins in meinem briefkasten an einem freitagmorgen. bis zu meinem büro am hegelplatz ist dieses feine heft die ideale intellektuelle ergänzung zum kaffee und wohl das einzige magazin, dass meinen all monatlich wiederkehrenden altpapierentsorgungsaktionen niemals zum opfer fällt. "boy, ich zeige dir meine sz-magazin-sammlung." auch gestern morgen zauberte das heft mir einmal wieder ein verschmitztes lächeln auf die lippen: 'das prinzip' widmete sich meinem liebsten artgenossen - boris becker. ich habe noch nie einen tennisschläger des sportes wegen in der hand gehabt, ich siedle den sexappeal von männern in weißen shorts eher am unteren ende der skala an, und deutschen klatsch verfolge ich maximal auf bild online - doch: boris hat bei mir einen stein im brett, mit augenzwinkerndem beigeschmack.
nach einer kindheit mit zu vielen spitznamen in referenz meiner roten locken, habe ich diese dann doch irgendwann ins herz geschlossen und vor allem entschieden, dass ich ebenso rotgeringelte kinder später mein eigen nennen möchte. diesen wunsch in die tat umzusetzen gestaltet sich dabei gar nicht so einfach. nicht nur, bin ich weit vom ticken meiner biologischen uhr entfernt, rote haare vererben sich außerdem rezessiv: mein rostiges haupthaar verdanke ich der mutter meines vaters. selbst ein rothaariger mann böte keine garantie für mein rotes wunschkind.
die zündende idee, wie ich trotz aller mendelschen regeln zu eigenen ginger kids kommen könnte, hatte schließlich der praktikant bei meiner früheren arbeit: boris becker muss her! wer mit einer afro-amerikanischen frau ein rothaariges kind zeugen kann, müsste mit einer rothaarigen frau gemeinsam vermutlich eine lola rennt in die welt setzen. der realisierung dieser idee stand nach diesem geistesblitz nur entgegen, dass ich in der reihe von beckers liebschaften aussehen würde wie das schwarze schaf, und zudem bobbele gegenüber eher mütterliche gefühle entwickele, als den gedanken an einen liebesakt. das sz-magazin hat dies in dieser woche hervorragend analysiert und in worte gefasst: boris bleibt ein kleiner junge, und ein sitcom-held dazu:
"nur der sitcom-held ist in seinen wünschen und träumen, seinen stärken und schwächen und ewigen selbsttäuschungen ähnlich durchschaubar und simpel gestrickt. er sagt dies, und jeder fünfjährige vor dem bildschirm weiß: eigentlich meint er das. eine cappuccinofarbene frau tritt auf, und siehe da: sabber, sabber, bumms, rassel, gelächter. dann kommt eine blondine, er schenkt ihr mit großer geste einen verlobungsring, aber am ende der folge: har, har, har. in der ecke des sets ist eine tür, die fast nie aufgemacht wird, aber jeder weiß: besenkammer. wann immer er daran vorbeikommt: ho, ho, ho."
den vollständigen artikel von tobias kniebe gibt es an dieser stelle, und ich empfehle ihn wärmstens. nicht nur ist er ein bißchen böse - und das mögen wir - er wird auch in euch die mütterlichen oder väterlichen gefühle für das bobbele wecken, und ein bißchen liebe hätte er vermutlich jetzt verdient. per sms den laufpass zu bekommen, nagt auch an einem sitcom-helden.
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teresa m. buecker
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Tags: Boys, Journalismus, Kinderträume, L'Amour, Magazines, Tennis
11/15/2008
executive stress relief
phillip toledano, dessen kunstprojekt america, the gift shop hier kürzlich zu sehen war, hat eine neue konzeptionelle fotostrecke veröffentlicht. für das phonesexbook hat toledano die verruchten stimmen am anderen ende der leitung fotografiert und über ihre arbeit zu wort kommen lassen. die vollständige serie mit den statements der portraitierten findet ihr hier.
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teresa m. buecker
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Tags: Art, Dirty Talk, Foto, L'Amour
11/13/2008
intergalactic.fm: tanzen, hören, fühlen.
freitag, 14.11.
werk9
markgrafenstr. 26
u-bahnhof stadtmitte
10/30/2008
shen wei - almost naked
shen wei wuchs in shanghai auf und hat an der new york school of visual arts seinen master in 'photography, video and related media' erworben. das american photo magazine fasst ihn unter die 15 fotografen, die sie die "new generation of photo pioneers" nennt. ebenso ist er für das renommierte foto-magazin pdn einer der new and emerging photogrphers to watch in 2008. die auswahl der bei uns gezeigten bilder stammen aus weis serie 'almost naked'. seine inspiration und die zielsetzung seiner arbeiten beschreibt er wie folgt:
"growing up in mainland china, i was brought up strictly and conservatively, any untraditional and unconventional ideas of life-style can sometimes lead to misconceptions. i was numbed about the ideas of intimacy, sexuality, and love. since I moved to the united states, my needs for self-expression has grown. however, my curiosity about how others deal with their identity in what is a fairly open society like america has increased. as a result i started to photograph people and life in america.
th goal of my projects are to raise the question about human nature, about emotions, feelings, desire, instinct and identity, to reveal things that you can feel it, that are unexplainable but yet still solid. i am fascinated with exploring the complexity of emotional nakedness and psychological connection/disconnection, as it is often expressed not specifically but explicitly. certainly my photography is my perspectives and how i look at people and life in america. but most importantly, i want viewers of my work to make their own discoveries and judgments of my photographs."
9/29/2008
in the meantime, don't bend over for the soap
californication, david duchovny in hochform als zauberhafter, dreitagebärtiger autor hank moody, kommt heute endlich auch in die deutschen schlafzimmer und flimmert auf rtl 2 über die bildschirme. da ich bereits mit zarten zwölf fox mulder für alle zeit verfiel, habe ich die erste staffel der serie bereits im letzten jahr in mich aufgesogen und an dieser stelle bei knicken rezensiert.
in berlin wird zu recht an jeder stelle für die mehrfach prämierte serie geworben, auch die taz fand die passenden worte für das warum. doch auch für alle, die sich in duchovnys schürzenjäger-character bereits in der original-version heftig verguckten, kam heute die rettende botschaft: die erste folge der 2. staffel lief bereits gestern in den usa. für mich ist das zweifelsohne der höhepunkt meines septembers, der sich nun wöchentlich durch den herbst ziehen wird. ist duchovny eigentlich immer noch für seine sexsucht in der entzugsklinik?
wer es weniger sexy, dafür aber bunt, verspielt und mit reichlich zuckerguss mag, darf sich ebenfalls auf die zweite staffel einer hinreißenden serie freuen. am ersten oktober geht pushing daisies in die nächste runde.
9/21/2008
bad has landed
nicht das von bernd graff titulierte web 0.0, nicht google chrome und sicher nicht 'the brave new world of digital intimacy' sind der untergang der abendländischen kultur. die vorzeichen einer solchen offenbarten sich vielmehr heute nacht in einer mir bislang unbekannten seitenstraße der friedrichstraße in berlin: in der rosmarinstraße - welch klangvoller name - eröffnete heute abend das badlands. ist der name programm? die tür ließ zunächst einen solchen verdacht aufkeinem, kamen an diesem abend doch vor allem, und diesen weg könnte man fast als charmant bezeichnen, postalisch geladene gäste. was unfreundlichkeit und arroganz generell mit stil zu tun hat, sei dahingestellt, aber die handschrift einer tür prägt nicht selten das dahinterliegende.
das badlands ist in seiner genese angelegt als zusammenwachsen von weekend und rio, von denen die zuletzt genannte quelle nächtlichen treibens vor über einem jahr versiegte. wer den einen club kannte und den anderen kennt, kann sich leicht ausmalen, dass diese mischung von publikum, die den abend tatsächlich in bildern umreißt, eine seltsame sein musste. ein satz, der mir aus meiner englischsprachigen zeit für all das, was an absurdität, fehlgeleitetem tun und krankhaftigkeit hängen geblieben ist, kommentiert folgende szene, die geschätzte sieben minuten nach meinem fußsetzen in die in die mitte berlins platzierte lokalität geschah: einen drink mit kreditkarten nachempfundenen wertmarken in der hand zu bestellen, tita von hardenberg (foto hier)zu meiner linken, zur rechten ulf poschardt, zu einem grad angetrunken, der einen mann seines alters jeglicher haltung beraubt, is just so wrong, it defies words. chosing koks, over kinder - auch das mag eine entscheidung sein, die für manche menschen bei überschreitung der fruchtbaren phase den pfad zum vermeintlichen glück pflastert, but pretty, is something else.
als schönster anblick des abends offenbarte sich erbarmungslos der junge mann im violetten nicki-pullover, fasziniert an einer fototapete dem treiben auf der damentoilette zusehend, der mich fast eine legislaturperiode zuvor das erste mal ins rio geschleppt hatte. die beschreibung, die mir gestern morgen kurz für meinen besten freund durch den kopf schoss war diese: dieser herr hat mir damals im rio den mann vorgestellt, der mir kurze zeit später das herz zertrümmern sollte. natürlich war das angeschlagene herz eine lektion an der ihn in keinerlei weise die schuld traf; das lernen über mich selbst zugleich größer als der verletzte stolz. ihn nun so zu charakterisieren geschieht natürlich mit einem dicken augenzwinkern, denn ein bild dafür, was den schmerz als im nachgang kurzweilig scheinen lässt, ist, dass ich zurzeit eher die energie eines überzüchteten rennpferds und die vergnüglichkeit eines jungen fohlens aufweise, während mein exfreund eine entzückende romanfigur abgibt, so wie er nun täglich mit dem mops seiner exfreundin, die nun freundschaftlich mit ihm, dem hund und zwei zwergkaninchen zusammenwohnt, allabendlich spazieren geht.
das mitanzusehen bricht mir heute das herz.
mein bester freund ist ohne zweifel mehr als der mann, der mir den typ mit dem schoßhund vorstellte. das schöne ist, dass er diese charakterisierung genauso lachend einzuordnen weiß, wie ich es für unsere freundschaft eher bestätigend finde, dass er mich für einen mann, der dreimal so alt ist wie ich, versetzen darf. so alt durfte ich mich gestern nacht an seiner seite fühlen als ich das badlands nicht verstand. zu verstehen gibt es da auch nichts. zum einen kann ich nur die abwesenheit eines konzepts feststellen, zum anderen eine lebensdauer prognostizieren: der plötzliche kindstod.
uns darüber einig standen wir noch eine weile staunend an der bar, gegen aufbruchszeit mit cola in der hand, und beglückwünschten uns dazu, den drang sich als nachtgestalt zu verlieren bereits komprimiert herausgefeiert zu haben, um noch vor der dreißig in ein gefüge zu stolpern, dass marktforscher lakonisch als 'urban mit werten' bezeichnen. um vier uhr morgens - fast zu früh um in berlin die nacht überhaupt zu beginnen - verlor die feldforschung schließlich an reiz. die entscheidung zu riskieren etwas zu verpassen erlaubt uns nun hier und auf der insel wieder zu unserer berufung als medienschlampe zurückzukehren - sei es nun als lobbyist, jingle-schreiber, blogger, marketer oder anchorman. die endvierziger journalisten, die zu dieser stunde noch im club ausharren, machen dann am dienstag wieder die nachrichten, die medien mit dem flair der zeit, die sich heute abend mit ästhetik der örtlichkeit, style des publikums und wahl der musik dezent zwischen 80er und 90er jahren einpendelte. auch das will gelernt sein.
ulf poschardt schloss sich nach zweifeln übrigens der meinung an, das der im netz entstehende bürgerjournalismus eine chance und kein fluch ist. sein text "die intelligenz der masse" findet sich nach dem klick. vielleicht findet er bald nicht nur einen club, sondern auch ein medium, bei dem seine anwesenheit stimmig ist und spuren hinterlässt.
update: ansonsten kommentierten noch die berliner morgenpost, i heart berlin und sonett77.
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teresa m. buecker
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9/08/2008
i kissed a girl, and then i went to hell
katy perry ist die art von mädchen in der welt des pop, die amerikanischen christen und republikanern heftige bauchschmerzen bereitet. sie kokettiert zwischen burlesque & bubblegum pop, zwischen vamp und unschuldigem hundeblick und singt zu allem übel auch noch über zungenspiele mit dem gleichen geschlecht. in ohio provozierte der song der tochter eines pfarrerehepaars bereits einen gottesbotschafter ein schild mit der aufschrift "i kissed a girl and then i went to hell" aufzustellen - broadsheet berichtet. die gay community hat sie im übrigen ebenfalls mit ihrem song 'i kissed a girl' verärgert. hier wirft man katy vor, die lesbische lust für heterosexuellen kitzel auszubeuten. na dann.
das caliornia girl hat es trotz diesen kleinen empörungswellen zu einem erstaunlichen übernachterfolg geschafft. ihr berlin-konzert, das für den 17. september angesetzt ist, wurde aufgrund der großen nachfrage bereits in den großen raum des postbahnhofes verlegt. einen tag vorher spielt sie in köln.
ein umfassendes portrait findet ihr beim observer, aus dem folgende beschreibung der sängerin stammt:
"like alanis morissette without the anger ('i have angst, but it's not my main message. it's a bit boring, I think.'), a pink without the need to blame her parents ('i had a great upbringing, i'm fine with it.'), perry's feisty, upbeat music is the kind that lily allen might have produced had she grown up in christian california."
bei uns findet ihr einen remix von mr. gaspar. noch mehr informationen zu katy gibt es auf ihrer homepage und myspace-seite.
katy perry - i kissed a girl (mr gaspar bootleg) (ysi)
katys debut-album 'one of the boys' erscheint am 14. september by virgin.
8/28/2008
you and i are going to have a big love affair
der folgende text ist schon an dieser stelle erschienen. da knicken in ihm aber eine nicht zu verachtende rolle spielt und er sich auch hier wohlfühlen wird, steht er nun ebenfalls hier in leicht abgeänderter form.
es gibt tage, da freut man sich um so mehr so hübsche kinder wie diesen blog und flannel apparel zu betreuen. zu anfang habe ich die texte ohne ein direkt adressiertes publikum geschrieben, und mich an der zusammenkunft schneidiger wörter, sperriger satzteile und teils wirrer, teils heller gedanken erfreut. ein text für einen meiner blogs, ist in der endsumme ähnlich genugtuend wie das entstehen einer zeichnung auf ehemals weißem papier. die wahl der passenden bildsprache, das einfärben der liebreizenden vokabeln, die passende überschrift und die entscheidung im ton rational, sarkastisch oder vorlaut zu werden - ist ein prozess der mein herz mehr beflügelt als manche frauen das shoppen. manchmal ist es sogar besser als ein biss in den nacken.
gezweifelt, zu welchem zweck ich die blogs umhege habe ich nie, denn schreiben ist stets auch selbstzweck und folgt nicht immer ökonomischem kalkül, dem blick auf karriere oder hat missionarische absicht. gezweifelt haben andere, die meine zeitliche investition in diese seiten im netz, so klein und unter vielen, stark in frage gestellt haben. genau diese leute haben blogs allerdings bis heute nicht verstanden.
es kann in deutschland immer noch eine weile dauern, bevor auch nur annähernd die hälfte der mediennutzer verstanden hat, wie blogs zu lesen, zu verstehen und zu nutzen sind. natürlich haben die leser keinen ausgereiften journalismus vor der nase und keine lebenswichtigen nachrichten, keine verkündung bahnbrechender entscheidungen; doch überall im netz lauern perlen ihrer gattung, und gute, auch durchaus persönliche blogs können das eigens selektierte menü medialer leckerbissen um sprünge reichhaltiger machen, ansprüche an stil befriedigen, wissensdurst stillen und sätze direkt an dein herz dirigieren.
dieses kleinod hier zu schreiben, hat mir mehr gebracht als jahrelanger zeitungskonsum und sporadisches fernsehen gucken. eine kleine expedition ins netz hat genügt um zu erkennen, dass ich als zielgruppe nicht abgeschrieben wurde. blogs zu lesen, zu schreiben, anzugucken und wieder zu vergessen, ist aktives mediennutzen mit starkem fokus auf dialog und diskurs, leidenschaftliches streiten, gemeinschaft und freundschaft. blogs sind keine digitale inszenierung die in virtuellen freunden resultieren; blogs make you go out there, meet people, get to know them and fall in love.
ich war in höchstem maße skeptisch, als ich über mahret zu einem blogger-treffen zur kopenhagener fashion week eingeladen wurde. ich, die ihren freundeskreis aus sorgsam selektierten männern speist, deren beste freundin keine frau ist und die ihre letzten frauenzeitschriften mit sechzehn verbrannt hat. ich hatte zugesagt, ein paar tage mit fünf anderen frauen, die fast ausschließlich über mode schreiben, im kopenhagener modezirkus zu verbringen.
2008 hatte eine weitere überraschung für mich bereit: ich traf an einem tag am gleichen ort fünf der smartesten, offensten, unkompliziertesten und liebreizensten frauen, die sich bislang in meinem radius aufgehalten haben. fashion-bloggerinnen - you heard me right.
hier also eine weitere noch nicht erkannte chance, die blogs inne wohnen: die klügsten köpfe. denn obgleich die blogosphäre - misst man diese an den deutschen blogcharts oder den nach medialer aufmerksamkeit lechzenden bloggestalten - männlich dominiert scheint, finden sich hier unzählige frauen, die etwas zu sagen haben. bloggen kann natürlich jeder idiot mit computer und notdürftiger rechtschreibung, einen blog hingegen zu etablieren, technisch und optisch umzusetzen, zugang zu inhalt und veranstaltungen zu bekommen, gleicht einem kleinunternehmen - in oben genannten fällen immer ein kleines mediumimperium gebaut auf den zarten schultern einer jungen frau.
würde ich nun ein eigenes unternehmen leiten, ich hätte berge versetzt um diese damen für meine zwecke einzuspannen. glücklicherweise kommen auch langsam andere menschen in den entsprechenden positionen auf diese idee. wer hätte mir letztes jahr geglaubt, wer kauft es mir heute ab wenn ich schreibe, ein mit herzblut geschriebener blog ist wohlmöglich eine bessere investition in deine zukunft als ein straight durchgezogenes studium, drei praktika in pr, medien und wirtschaft, oder dein lang geübtes, herbes auftreten um mit karriereglatter ausstrahlung zu überzeugen. ich erwähnte in einem post vor kurzem die frau, die das buch mit dem titel "the best plan for developing the leader you need" in der s-bahn las, ein buch, dass ich als größere strafe betrachte als das weihnachtsgeschenk meiner mutter von eva-maria zurhorst. wenn man nun einen außerwöhnlich klugen kopf für eine mediale unternehmung oder etwas themenspezifisches sucht, ist es kein falscher ansatz zu schauen, wo und wie diese leute sich im netz bewegen und nicht zu fragen, welche seminare sie zu leadership-kompetenz besucht haben, oder an welcher elite-uni sie ihre jugend gegen den ritterschlag mit einem auf umweltverträglichen papier gedruckten zertifikat für besondere folgsamtkeit getauscht haben. das internet macht nicht notwendigerweise dumm, in den richtigen händen kann es ungemein bilden, befähigen und inspirieren.
in den weiten des internets wurde ich glücklicherweise auch kürzlich entdeckt und mein lobbyistendasein endete jäh, aber ohne eine einzige träne. anerkennung für knicken und meine karos schmeichelt und irriterit zugleich, denn komplimente prallen meist an mir ab, da ich die zwei immer noch als experiment betrachte, aber nicht als medaillenkandidaten. wenn ich knicken und seine flauschige schwester allerdings als meine kinder bezeichne, dann habe ich vor kurzem meine große liebe getroffen. sie heißt freitag, und wird noch von sich reden machen. dort geht es auch um sprünge im netz, schöne worte und große gedanken. ich hoffe ihr schaut mal vorbei, wenn es soweit ist. ich habe mein hochzeitskleid schon ausgesucht, und eheliche kinder sind in planung. und selbst das war vor knapp einem jahr noch anders. kinder habe ich mir damals nämlich nicht gewünscht.
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teresa m. buecker
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4:06 pm
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Tags: Blogs, Fashion, Girlism, Journalismus, Kinderträume, L'Amour