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2/26/2009

interviewing mr. oizo: affenmusik



Quentin Dupieux ist die Art Künstler, an dem sich die Geister scheiden. Für die einen ist er der Genius, der Ed Banger, dem Label, das seit ca. einem Jahr selbst in den iTunes-Bibliotheken hiesiger Indiemädchen überproportional häufig vertreten ist, fehlte. Wieder andere halten ihn für ein begnadeten Generalisten, der sich an Film und Kunst versucht, dessen Werke fernab der Musik aber bis dato bestenfalls als Achtungserfolge wahrgenommen wurden. Das Gros der Ottonormalverbraucher wird jedoch bei seinem Alias Mr. Oizo vor allem an eine Puppe denken.

Noch knapp 10 Jahre nach seinem durchschlagenden Erfolg mit „Flat Eric“, dem neurotisch zuckenden, gelben Etwas, das uns Faltenhosen schmackhaft machen wollte, kämpft Dupieux seinen Kampf gegen Windmühlen. Dass sich seine neue Platte „Lambs Anger“ jetzt mit einer Referenz an den „Andalusischen Hund“, einen in 1928 erschienen Stummfilm von Luis Buñuel und Salvador Dali, der vor allem Surrealisten und Freudianer auf den Plan rief, schmückt, ist kaum verwunderlich. Dupieuxs Umgang mit der eigenen Person, Umfeld und Geschichte wirkt eigenwillig, bisweilen exzentrisch. In jedem Falle aber gewinnt man den Eindruck, es mit einem Menschen zu tun zu haben, der ein gespaltenes Verhältnis zu sich, seinen Erfolgen und Niederlagen, sowie den Mechanismen des Marktes hat, dem er versucht, seine Kunst näher zu bringen.

Beim Interview selbst wirkt der Franzose angespannt, manchmal flapsig, jedoch immer wach und darauf bedacht, klarzustellen, dass er es sein will, der seine Geschichte schreibt. Ein Unterfangen das mitunter schwierig sein könnte, bedenkt man, dass gleich seine erste Single einen stattlichen Stempel im Gedächtnis der Mediengesellschaft hinterlassen hat.




Dein neues Album ist gerade erschienen. Das Artwork, eine Referenz an Buñuels bzw. Dalis „Andalusischen Hund“, fällt dabei wortwörtlich ins Auge. Es entsteht der Eindruck, du würdest dich auf tragische Weise von deinem Alter Ego „Flat Eric“ verabschieden.

O: Nein, dabei handelt es sich in erster Linie um eine Ehrerbietung an Buñuel und Dali und deren großartigen Kurzfilm. Ich finde es aber unterhaltsam, dass sich alle darüber den Kopf zerbrechen. Es ist witzig zu sehen, dass sich Jugendliche im Internet darüber unterhalten und herausfinden, dass es sich dabei um den „Andalusischen Hund“ handelt. Ein Stück weit möchte ich damit auch das Interesse an Kunst fernab des Mainstreams wecken, so kann man den Jüngeren ein bisschen was mit auf den Weg geben. Etwas zum Nachdenken, Kultur.

„Flat Eric“ lebt also weiter. Damals allerdings hast du im Affekt ein Album veröffentlicht mit dem die meisten Hörer nicht viel anfangen konnten.

O: Ja, es war definitiv eine Antwort auf den Erfolg, weil ich der Überzeugung war, dass dieser für das, was es war, ein paar Nummer zu groß ausgefallen ist. Es war schließlich ein einfacher Beat, den ich für einen Werbeclip mehr oder weniger hingerotzt habe.

Also wolltest du die Leute überrumpeln?

O: Ja, es war eine art Teenagerebellion. Ich wollte allen sagen „Fuck off! Ich bin mehr als das, ich kann auch etwas Härteres, Kreativeres machen“. Es war sozusagen eine Trotzreaktion auf den Erfolg.




Mr. Oizo - Gay Dentists (DL) (YSI)



Danach hast du eine ganze Weile nichts mehr veröffentlicht. Vieles von dem, was du in der Zwischenzeit angefangen, aber nie beendet hast, hast du als „Scheiße“ bezeichnet. Das klingt ein wenig nach Quarterlife-Crisis.

O: Nein, ich bin immer glücklich mit „Flat Eric“ und dem Drumherum gewesen, aber offensichtlich kam das alles viel zu früh. Ich war gerade erst dabei anzufangen, Musik zu machen, hatte keine Erfahrung. Der Erfolg war mir dann einfach zu groß und schien nicht angemessen für ein eher lapidares Stück Musik. Das hat mich retrospektiv definitiv blockiert und mich daran gehindert, etwas Neues zu machen.

Eigentlich verstehst du dich ja auch mehr als Filmer denn Musiker, richtig?

O: Ich habe angefangen Filme zu machen, als ich vielleicht 12 war. Hauptsächlich Kurzfilme. Als kleines Kind war ich besessen vom „Texas Kettensägen Massaker“, also hab ich versucht, solche Sachen im Garten meiner Eltern nachzustellen, irgendwo in einem Pariser Vorort. Mit 20 wollte ich dann mehr in die Comedy-Ecke. Das ist aber alles immer ein bisschen dunkler gewesen, als man es vielleicht bei Comedy erwarten würde, schwierig zu beschreiben. Mit Musik hab ich eigentlich nur angefangen, um sie über meine Kurzfilme zu legen. Da war ich vielleicht 18. Tanzmusik wurde das erst, als ich Laurent Garnier kennen gelernt habe, der mich dazu animierte ein bisschen Blödelmusik zu machen. In erster Linie verstehe ich mich aber weiterhin als Filmemacher, richtig. Die Musik ist nur spaßiges Beiwerk.

Du arbeitest jetzt nur noch digital, wann und warum hast du damit angefangen?

O: Vor 5 Jahren. Anfangs habe ich allerdings noch versucht, das alte Zeug an meinen Rechner anzuschließen. Ich habe eine ganze Batterie an Equipment, die sich über die Jahre angestaut hat. Es war eine wahre Obsession, immer neues auszuprobieren und zu kaufen. Dementsprechend ist z.B. „Moustache“ in einer Halbwelt aus Computern und analogem Equipment entstanden. Inzwischen bin ich aber komplett auf Computer umgestiegen, weil ich denke, dass man damit besser arbeiten kann.




Das lässt sich auch gut raushören, „Analog Worms Attack“ klang noch wesentlich organischer als deine letzten beiden Werke.

O: Ja, „Analog Worms Attack“ wurde z.B. noch auf Tape aufgenommen. Aber ich denke, es ist inzwischen kein Problem, mit der heutigen Technik diesen Effekt zu reproduzieren. Zumindest wenn man sich schlau genug anstellt.

Auf „Moustache“ lässt sich auch erkennen, dass du moderner Tanzmusik etwas mehr Respekt zollst, wenn man es mit dem noch sehr experimentellen, konzeptuellen „Analog Worms Attack“ vergleicht.

O: Ich kann nur sagen, dass ich mit dem zweiten Album so lange warten musste, bis ein wirklich neuer Antrieb da war. Zwei mal das gleiche Album aufzunehmen wäre langweilig gewesen. Deswegen sind die drei Alben auch so unterschiedlich, denke ich. Jedes Mal steckte eine völlig andere Energie hinter dem Ganzen.

Woher kam damals dieser Antrieb, woher die Muße?

O: Vor allem aus den Möglichkeiten, die mir mein Computer bot. Ich war besessen davon, auszuloten, was mir diese digitale Welt zu bieten hatte, all die verrückten Dinge, die man aus den Plugins quetschen konnte. Es klingt für mich selbst etwas komisch, wenn ich das sage, aber im Endeffekt war es wirklich mein Computer, der mich inspirierte, diese Platte aufzunehmen, mit der ich im übrigen heute noch sehr zufrieden bin.




Mr. Oizo - Gay Dentists (JFK Edit) (DL) (YSI)



Die neue Platte klingt sehr modern und glatter, verströmt den heutigen Zeitgeist französischer Elektronik, auch wenn sie immer noch sehr dicht gestrickt und voller Ideen ist.

O: Die Idee ist immer noch das Wichtigste, wenn es darum geht, etwas Kreatives zu tun. Welches Werkzeug du dann genau benutzt, welchen Computer, welchen Synthesizer, welche Software oder ganz allgemein, welchen Weg du wählst, sie zu verwirklichen, ist eigentlich egal. Bei „Lambs Anger“ war z.B. die Idee Affenmusik zu machen.

Affenmusik?

O: Ja, die Platte wurde aufgenommen, ohne viel nachzudenken. Alles sollte sehr schnell gehen. Jeder Track wurde vielleicht in 2 bis 3 stunden, maximal aber einem Tag aufgenommen. Auf keinen Fall mehr.

2 Stunden sind vergleichsweise wenig. Man erzählt sich auch, dass du dir für Remixe nicht viel mehr Zeit nimmst.

O: Nun, ich denke wirklich, dass ich ein spezieller Künstler bin. Meine Person, mein Name ist wesentlich wichtiger als die Musik, wenn es um einen Remix geht. Vielleicht liege ich damit falsch, aber so nehme ich mich selbst wahr. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich schon eine Weile darüber nachdenke, bevor ich etwas in 2 stunden aufnehme. Dass es dann am Ende 2 Stunden sind, ist unwichtig. Es ist viel wichtiger, immer wach und aufmerksam zu sein.




Du bist jetzt auf Ed Banger, zusammen mit Justice, SebastiAn oder Uffie, deren neues Album du auch produzierst. Inwiefern hat dich bei dieser Art und Weise zu arbeiten auch dein neues Umfeld beeinflusst?

O: Eigentlich gar nicht. Ich meine klar, wenn ich auflege, spiele ich natürlich auch ihre Platten, aber für daheim ist das nichts. Manchmal gibt mir SebastiAn einen neuen Track und ich höre ihn das erste Mal, wenn ich ihn im Klub spiele. Wenn ich mir das Zeug auch noch zuhause anhören würde, wäre ich depressiv.

Warum?

O: Weil es zu laut und zu dumm ist. Ich kann verstehen, dass es sehr jungen Leuten gut gefällt, weil sie damit ihre Eltern vergraulen können, aber Musik für meine Anlage ist es auf keinen Fall.

Ist dir das nicht kreativ genug?

O: Doch, doch, es ist schon kreativ, aber es wiederholt sich ständig. Wenn du die ersten 20 Sekunden gehört hast, weißt du, wie es die nächsten paar Minuten weiter geht.




Deine Stücke sind immer relativ kurz und dicht gehalten. Um die zu spielen müsste man sich eigentlich Edits basteln.

O: Ja, genau, darum ging es mir. Ich wollte Tracks voller Kleinigkeiten machen. Die Leute picken sich eh die Teile raus, die sie mögen und basteln sich daraus etwas Eigenes. Das ist seit „Moustache“ Konzept.

Hast du selbst mal darüber nachgedacht, mit Ableton Live oder ähnlichen Tools aufzulegen, um dem ganzen einen kreativeren Touch zu geben, einen, der deine Einstellung etwas besser widerspiegelt?

O: Nein, ich bin CD-DJ. Es kümmert mich nicht wirklich, was die Leute denken, weil die meisten eh nur kommen, um mich zu sehen. Ich muss diesen Teil meiner Arbeit nicht ernster nehmen als irgend notwendig.

Also geht es primär darum, Geld zu verdienen?

O: In gewisser Weise schon. Auf der anderen Seite trifft man natürlich auch Leute und kann seine Musik promoten. Vor 10 Jahren hätte ich auch nicht aufgelegt, weil jeder nur auf Technik schielte. Die hatte ich nicht. Damals hätte man mich wegen jedem Übergang verurteilt, heute interessiert das niemanden mehr. Im Grunde genommen spiel ich aber auch einfach genau dasselbe wie all die anderen auf Ed Banger.

Ed Banger ist heutzutage ein gewichtiger Bestandteil moderner, lauter Klubkultur, während dein voriges Label FCom immer etwas klassischer, stilbedachter wirkte. Wie nimmst du dich im Kontext dieser beiden Labels wahr?

O: Auf FCom war ich einer von vielen Musikern, habe aber eine besondere Stellung eingenommen. Ich war das schwarze Schaf, das anders war als der Rest des Labelrepertoires. Laurent Garnier hat mich damals unter Vertrag genommen, ohne genau zu wissen, was ich überhaupt mache. Beim zweiten Album konnte er sich auch nicht mehr wirklich begeistern. Es fehlte der Enthusiasmus, den ich als Künstler gebraucht hätte. Ich denke, das ist auch, warum es nicht mehr wirklich funktioniert hat. Bei Pedro Winter (Chef von Ed Banger) ist das anders, auch wenn wir sehr verschiedene Vorstellungen von Musik haben, hat er eine sehr einfache Art Enthusiasmus auszudrücken, die mir zusagt. Dort fühle ich mich diesbezüglich besser aufgehoben. So oder so, ein Label ist wichtig für die Distribution meiner Musik, und das funktioniert bei Ed Banger ganz gut.




Mr. Oizo - Flat Beat (WhoMadeWho Rework) (DL) (YSI)



Was du über das Label zu sagen hast, klingt sehr moderat und abgeklärt. Gibt es auch Kollegen, denen du dich nahe fühlst?

O: Es gibt schon Leute, die ich mag. SebastiAn z.B., der mir auch beim Soundtrack für „Steak“ geholfen hat, ist jemand, den ich schätze. Aber das hat jetzt nichts mit seiner Musik zu tun. Die ist natürlich auch gut, aber eben nicht immer nach meinem Gusto. Er ist auch noch sehr jung, hat auch definitiv großes Talent. Musik machen ist für mich aber auch eine Sache des Geistes, worüber man nachdenkt, wofür man sich interessiert, im weitesten Sinne eine besondere Kreativität. Heutzutage ist es sehr einfach gute, beeindruckende Musik zu machen, wenn man Piano spielen kann. Nimmt man z.B. Aphex Twin, dann hat man immer das Gefühl, das hinter seiner Musik etwas Geniales steckt, etwas Mysteriöses. Ed Banger Stuff dagegen ist sehr auf Spaß und Unterhaltung bedacht. Alles muss laut und aufregend sein, was ohne Zweifel seine Daseinsberechtigung hat, mir fehlt allerdings manchmal der Geist dahinter.

Das klingt ein bisschen so, als könnte das Auflegen dann für dich manchmal sehr schwierig sein.

O: Es kommt vor, dass es total deprimierend ist, aber, wie gesagt, es ist Teil meines Jobs, leicht verdientes Geld und gute Werbung. Schließlich hab ich eine Platte zu vermarkten.

Du bist zweifelsohne auch Teil einer regen französischen Szene, die von Daft Punk, Alan Braxe, Fred Falke in den 90ern bis zu neueren Acts, die jetzt auf Kitsuné, Institubes oder eben bei Ed Banger veröffentlichen, reicht. Was denkst du, wie sich das noch weiter entwickeln wird?

O: Dafür interessiere ich mich eigentlich nicht wirklich. Es gibt genug Menschen, die mich bis heute für einen Engländer halten, insofern hab ich auch nie wirklich etwas mit dieser French Connection anfangen können. Vielleicht handelt es sich dabei einfach eine Modeerscheinung, die in 6 Monaten schon wieder vorbei ist. Das wäre dann aber zumindest für mich auch nicht wirklich relevant.




Nun lässt sich aber nicht daran rütteln, dass zumindest der Spirit, sei es in Reinform oder als Inspiration für Genres wie New Rave, Einzug in die Clubs gehalten hat.

O: Ja, das stimmt natürlich. Vielleicht passen Franzosen mit ihrer Art einfach ganz gut in die neue, musikalische Spaßgesellschaft. Vor vielleicht 5 Jahren war Clubmusik noch sehr langweilig, heute hingegen kommt es ein bisschen weniger auf das Können der DJs und mehr auf die gute Auswahl an. Das kommt poppiger, spaßiger Musik sehr entgegen.

Du vertrittst durchaus Thesen, mit denen man anecken könnte. Welchen Einfluss haben die alten und neuen Medien, z.B. Blogs und eZines, auf dich? Ist dir dein Bild in der Öffentlichkeit wichtig?

O: Nein, ich hab in erster Linie Interesse an meinem eigenen Blickwinkel. Ob jemandem meine Musik, meine Filme oder mein Leben gefällt, ist mir egal. Das hat absolut keinen Einfluss auf mich und meine Arbeit. Womit ich nicht sagen will, dass ich mir nicht anschaue, was über mich geschrieben wird. Manches ist gut, manches ist schlecht, aber am langen Ende ist es mir eben doch egal.

Apropos, dein letzter Film „Steak“ wird jetzt – fernab dessen, womit man gerechnet hätte – in Russland veröffentlicht. Wie kam es dazu?

O: Mein Produzent hat sich nie groß für den Film interessiert, er ist ja auch gefloppt. Warum er jetzt ausgerechnet in Russland erscheint, weiß ich nicht. Auf der anderen Seite ist es auch nicht mehr wichtig, weil „Steak“ für mich vorbei ist. Ich wende mich jetzt anderen Dingen zu.

Die da wären?

O: Ich werde einen Film („Realité“) machen, neue Musik einspielen. Alles so wie immer, bei mir wird sich nicht viel ändern.


Fin.


Das Interview wurde ursprünglich für die De-Bug geführt und ist in Ausgabe 128 oder online hier nachzulesen. Weiterführendes zu Mr. Oizo findet ihr hier. Die Fotos sind Flickrfundstücke, merzi dafür. Diesmal ohne Kleinschreibung, da mir der Aufwand nicht gerechtfertigt erschien. Man möge es mir verzeihen.


1/02/2009

happy birthday, herr schmitz



feist - my moon, my man

das tip-magazin ist eine berliner publikation ohne großen nutzwert, was auch die jahresendausgabe wieder einmal eindrucksvoll belegte: wertvolle redakteurs- und praktikantenarbeitszeit investierte das stadtmagazin in die kompilation der peinlichsten berliner, die weder überraschte, noch textlich glanzpunkte setzte. mario barth, nummer eins der tip-liste, ist beispielsweise so peinlich, dass es widerum indiskutabel ist, ihm überhaupt eine zeile zu widmen. dass die zeitschrift auch noch den nerv besitzt, ben becker als fast-drogenleiche zu titulieren und jonathan meese einen überbewerteten künstler, mag verwundern, heißt es doch in den mediadaten das blatt sei ein "unverzichtbarer begleiter durch 14 tage kultur- und szeneleben" mit "trends, tipps und empfehlungen mit hoher kompetenz". in den 100 kleinen texten könnten medienrechtler zudem nicht wenige unterlassungserklärungen, wenn nicht sogar schmerzensgelder aufgrund verletzungen des persönlichkeitsrechts herausholen. all das zeugt eher davon, dass hier im stil eines arschproleten publiziert wird (so tip über ihn und thees uhlmann angeblich über sich selbst), und die eigene peinlichkeit des magazins berlin erröten lassen sollte.

wie grau muss die jahresendzeitstimmung in den redaktionsräumen des tip gewesen sein, dass so etwas dabei herauskam? hätte das magazin eine halbwegs brauchbare liste zusammenstellen wollen, wäre eine übersicht über die begehrtesten berliner junggesellen und damen ohne ring am finger zum einen nicht nur amüsanter und charmanter zu lesen gewesen, sondern hätte ebenso vermitteln können, wie lebenswert berlin trotz o2-world und minusgraden ist. ist lobreden über schöne männerhintern zu schreiben nicht eine dankbarere aufgabe, als die kontinuierliche kritik an politikern ideenlos fortzuführen? für diese rubrik gibt es hier seit heute ein neues tag.

herr schmitz hat in den letzten jahren weit oben auf der liste berlins begehrtester junggesellen rangiert, und auch wenn er sich nun entschieden hat, schon vor dem frühling ein paar dieser gefühle zu hegen und sich in zeiten der krise vom markt zu nehmen, verfasse ich irgendwann vielleicht doch noch einmal ein loblied auf ihn. stilikone, engtanzkönig, bestmöglicher mitbewohner und blogpartner bleibt er ohnehin.
hier also dein schriftlicher geburtstagsgruß, jan. mögest du rund, gesund und glücklich bleiben und in diesem leben nicht mehr all zu viele herzen brechen. es grüßt und küsst dich tessa, dein fanclub lütgendortmund und der discoplanet spreewaldplatz.

happy birthday, good night, and good luck!




12/28/2008

botox und bilanzen



bilanzen und eine kritische rückschau mögen in der finanzwirtschaft ihre berechtigung haben, und sollten sicherlich rigoros getroffen werden, wenn im nächsten jahr aus all unseren fähigen volksvertretern eine neue bundesregierung zusammengewürfelt wird. vor allen dingen sollte der blick auf den wahlzettel aber vorausschauend und mutig geworfen werden. den alten zeiten hinterhertrauern ist für und und unsere kandidaten das falsche rezept. wie viele andere stimmen den öffentlichen lebens klagen diese immer noch darüber, dass die zeiten sicherer koalitionsbildung vorbei sind, anstatt sich den herausforderungen des wandels im parteiensystem zu stellen. die cleavage-theorie greift auch 2009 maximal für eine annäherung an angela merkels modischen gehversuche zu den wagner festspielen oder dem bundespresseball.

die park avenue wird sich nicht mehr darüber wundern, die vanity fair in gewohnt dilettantischer weise. doch was kommt? bei knicken schauen wird nach vorne; schaut euch gerne die jahrescharts an anderer stelle an. über die tag cloud könnt ihr euch zudem einfach durch all das, was schön und mit einem funken popkultureller relevanz versehen war, schnell navigieren. der winter plätschert weiter; die lackleggins halten die mädchenbeine warm, aber auch im angesicht dieser ästhetischen grausamkeit darf die verliebtheit der kalten jahrestage ähnlich heftig klopfen wie im dritten frühling. das war auch wohl der eine grund, warum es bei knicken in den letzten wochen etwas ruhiger verlief. die anderen liegen in der flut exzellenter musik, die noch zum jahresende an die oberfläche trieb, und die friedliche und fruchtbare koexistenz von web- und printmedien. zwei musikalische auswüchse von gefühlt bedeutsamen rang und ein mediales schätzchen habe ich heute ausgewählt, auf deren schultern ich ins neue jahr blicken möchte. zum einen wäre da die school of seven bells die mein herz von brooklyn aus erobert hat und deren vorstellung ich mit einem interview bei lost at e minor beschließen möchte. ihr album alpinisms gehört so fest zu knickens musikalischem winter-repertoire wie die kirche ins dorf.


school of seven bells - i am under no disguise (dl) (ysi)





auch deutsche klänge melden sich im januar zurück. die berliner band klez.e hat in den vergangenen monaten ein album aufgenommen, das an bombast kaum zu überbieten ist. ein 20köpfiges orchester und 40 sängerinnen und sänger unterstützten die band bei ihrer platte 'vom feuer der gaben', die mit ihrer veröffentlichung am 30. januar 2009 einen maßstab im deutschen indie setzen wird, dem die branche für einige zeit hinterherhecheln dürfte. die erste single-auskopplung 'wir ziehen die zeit' erscheint bereits am 2. januar bei loob musik. ich habe als prelistening 'madonna' für euch ausgewählt. zudem empfehle ich euch ein von robert stadtlober hervorragend geschriebenes portrait über sänger tobias siebert, zu finden an dieser stelle.


klez.e - madonna





aber nun zu den schriftstücken: print ist tot, studivz sowieso und an blogs glaubt deutschland auch nicht. so weit, so gut. ich habe knicken die letzten monate nicht besonders gehegt, mein modischer mädchenblog flannel apparel könnte auch besser im futter sein, doch das alles hat einen grund. ich habe in den letzten monaten bei der wochenzeitung freitag an deren neuem erscheinungsbild gefeilt. anfang februar ist es soweit. die website, die zur zeit noch mittelalterlich anmutet wird in etwa einem monat einem onlineauftritt weichen, der vielleicht den zeitgeist der so genannten web 2.0-generation trifft, ohne dabei inhalte zu vernachlässigen. wer eine wirkliche alternative zu der qualität der deutschen printmedien im netz sucht, wen das zum boulevard verkommende spiegel-online erschaudern lässt, wer ein medium sucht, das das netz nicht als untergang der abendländischen kultur verschreit, wer lechzt nach neuen und frechen ideen, sollte den freitag im auge behalten. mein engagement beim freitag zeigt außerdem, dass die investition von liebe und zeit in ein kleines weblog - sei es nun zu musik, mode oder mädchenkram - mehr wert sein kann als praktikum nach praktikum in großen medienhäusern oder die freie journalistische tätigkeit für die lokalzeitung in der heimat. wer knicken liest, wusste das im zweifelsfalle schon, doch vielleicht ist es an dieser stelle noch einmal zeit dafür jan dafür zu herzen, dass er mich ins kalte und unbekannte wasser des bloggens schmiss, und ich irgendwann wieder wusste, dass ich zu recht irgendetwas mit medien studiere, auch wenn ich all mein rüstzeug für das leben in diesem dschungel abseits der uni erworben habe. eine weitere ausführung und liebeserklärung ans bloggen findet ihr hier.

danke, für dieses charmante jahr.



11/22/2008

rotgelockte sitcom-helden


hanne van der woude

kaum etwas kratzt mehr an meinem morgenlächeln als die abwesenheit des sz-magazins in meinem briefkasten an einem freitagmorgen. bis zu meinem büro am hegelplatz ist dieses feine heft die ideale intellektuelle ergänzung zum kaffee und wohl das einzige magazin, dass meinen all monatlich wiederkehrenden altpapierentsorgungsaktionen niemals zum opfer fällt. "boy, ich zeige dir meine sz-magazin-sammlung." auch gestern morgen zauberte das heft mir einmal wieder ein verschmitztes lächeln auf die lippen: 'das prinzip' widmete sich meinem liebsten artgenossen - boris becker. ich habe noch nie einen tennisschläger des sportes wegen in der hand gehabt, ich siedle den sexappeal von männern in weißen shorts eher am unteren ende der skala an, und deutschen klatsch verfolge ich maximal auf bild online - doch: boris hat bei mir einen stein im brett, mit augenzwinkerndem beigeschmack.
nach einer kindheit mit zu vielen spitznamen in referenz meiner roten locken, habe ich diese dann doch irgendwann ins herz geschlossen und vor allem entschieden, dass ich ebenso rotgeringelte kinder später mein eigen nennen möchte. diesen wunsch in die tat umzusetzen gestaltet sich dabei gar nicht so einfach. nicht nur, bin ich weit vom ticken meiner biologischen uhr entfernt, rote haare vererben sich außerdem rezessiv: mein rostiges haupthaar verdanke ich der mutter meines vaters. selbst ein rothaariger mann böte keine garantie für mein rotes wunschkind.
die zündende idee, wie ich trotz aller mendelschen regeln zu eigenen ginger kids kommen könnte, hatte schließlich der praktikant bei meiner früheren arbeit: boris becker muss her! wer mit einer afro-amerikanischen frau ein rothaariges kind zeugen kann, müsste mit einer rothaarigen frau gemeinsam vermutlich eine lola rennt in die welt setzen. der realisierung dieser idee stand nach diesem geistesblitz nur entgegen, dass ich in der reihe von beckers liebschaften aussehen würde wie das schwarze schaf, und zudem bobbele gegenüber eher mütterliche gefühle entwickele, als den gedanken an einen liebesakt. das sz-magazin hat dies in dieser woche hervorragend analysiert und in worte gefasst: boris bleibt ein kleiner junge, und ein sitcom-held dazu:

"nur der sitcom-held ist in seinen wünschen und träumen, seinen stärken und schwächen und ewigen selbsttäuschungen ähnlich durchschaubar und simpel gestrickt. er sagt dies, und jeder fünfjährige vor dem bildschirm weiß: eigentlich meint er das. eine cappuccinofarbene frau tritt auf, und siehe da: sabber, sabber, bumms, rassel, gelächter. dann kommt eine blondine, er schenkt ihr mit großer geste einen verlobungsring, aber am ende der folge: har, har, har. in der ecke des sets ist eine tür, die fast nie aufgemacht wird, aber jeder weiß: besenkammer. wann immer er daran vorbeikommt: ho, ho, ho."

den vollständigen artikel von tobias kniebe gibt es an dieser stelle, und ich empfehle ihn wärmstens. nicht nur ist er ein bißchen böse - und das mögen wir - er wird auch in euch die mütterlichen oder väterlichen gefühle für das bobbele wecken, und ein bißchen liebe hätte er vermutlich jetzt verdient. per sms den laufpass zu bekommen, nagt auch an einem sitcom-helden.


10/30/2008

i'm just a mirage



sicherlich ist die clubkritik auf diesen seiten in den letzten tagen zu kurz gekommen, doch ob sich das ändert, bleibt wohl der willkür und dem zufall unterworfen. wer weiß schon, was die nächsten nächte bringen, und ob ihre bedeutung die fingerspitzen bis an die tastatur kitzeln wird. letztlich geht es bei den worten, die man zu einem club verliert doch auch immer nur in nuancen um den club an sich - und was umfasst er: den ort, die betreiber, das line-up? - sondern stets um die personen, die man mit ihm verbindet. die einzige ausnahme von dieser regel auf meiner liste bildet das berghain, aber ansonsten fällt mir zu jeder berliner tanzstätte, in die ich meinen fuß gesetzt habe, unvermittelt ein name ein. wer den text zum badlands gelesen hatte ohne bereits im vorhinein betrübt und beleidigt gewesen zu sein, weil irgendein ereignis an diesem wochenende nicht die erwartungen erfüllt, oder pläne durcheinandergewirbelt hatte, hat wohl spätestens bei erwähnung der fototapete verstanden, dass hier der club lediglich schauplatz war, keinesfalls aber protagonist.

clubrezensionen schreiben stadtmagazine auf dem mageren raum von fünf zeilen. der rest - und da liegen sie richtig - liegt immer im auge des betrachters. zu wünschen sei es jedem in anbetracht des hereinbrechenden berliner winters, dass er oder sie an den letzten wochenende im badlands das passende gegenstück zum kuscheln und plätzchen backen gefunden hat. das nachtleben der hauptstadt hat schon für viele den weg zum kauf des kinderwagens und solider lebensgestaltung geebnet. dass lange nächte mitsamt all ihrer laster sich getrost mit promotion und frischgebügeltem hemd um 9 im fahrstuhl vertragen, zeichnet doch hier eher den schnitt, und nicht die exoten aus.

man darf sich wieder gut fühlen, nicht plump hedonistisch.
daniel vujanic, panoramakonzentrate


für die nachtschwärmerei von heute bis zum sonnabend empfehle ich für eine der kommenden drei nächte das picknick, in dessen vier wänden herr schmitz seit wochen für mich mittrinken muss - aus ermangelung an durst auf discoschorle, das versiegen meines jagdtriebes und meiner wiederentdeckung des bewusst erlebten sonntags und ein wenig zu viel arbeit. aber vielleicht schaff ich es die tage doch einmal wieder auf den vierten floor oder zumindest vor björns linse. nicht, weil die mirage-crew heute zu ihrem einjährigen bestehen ein killer-line-up bietet oder ich die neue de:bug morgen in den händen halten will, sondern weil ich im innenhof der dorotheenstraße 90 stets gelassene partylöwen treffe, die ihre umarmung herzlich meinen und selbst nach zuviel vodka aus platikbechern immer noch kluge einwürfe in die nacht streuen können und auch die mädchen schön finden, deren schrank nur ein mottenzerfressenes holzfällerhemd als sonntagskleid bereithielt.


ein jahr mirage
donnerstag, 30.10.2008
ab 22h

de:bug abend
freitag, 31.10.2008
ab 22h

alles wie gehabt
samstag, 01.11.008


alle flyer findet ihr in der rechten spalte.


8/11/2008

vernarrt in kuchencharts





für das aktuelle face-magazin, das seit letzte woche im handel ist, habe ich meine zehn lieblingsblogs in einer unmöglich knappen anzahl von worten beschrieben. carles landete dabei mit hipster runoff auf der höchsten stufe des treppchens, denn ich habe mich nicht erst einmal vor entzücken über den boden gerollt und mein nerd-herz ausrufen hören: marry me, marry me! die im face-magazin erschienene beschreibung lautet wie folgt, ist für eine ausreichende würdigung von carles gedanklichen ergüssen natürlich viel zu kärglich:

"carles schreibt richtungsweisende stilkritiken über "meaningful core crap" und mode. seine street style-interpretation "this outfit is social commentary about modern society/geopolitkal issuez" zollt den bloggenden fashionistas endlich den respekt, den sie verdienen."

ich liebe carles aber nicht nur für kommentare zu streetstyle mode und alternative-lifestyle oder dem besten interview, das jemals mit den teenagers geführt wurde, sondern auch für seine kuchendiagramme, mit denen er seinen lesern die von ihm gewonnen erkenntnisse über hipster runoff selbst oder popkulturelle phänomene näher bringen möchte. oben seht ihr seine analysen zu: who do you see when you go to music festivals? und what is hro likely to blog about?. klickt sie für eine lesbare größe; mehr von carles' pie charts findet ihr hier.

zudem kann ich die lektüre des face-magazins nur immer wieder empfehlen. hier bekommen inhalte raum: so ein seitenlanges interview mit max herre und thees uhlmann, das titelthema 'wer kümmert sich um die kinder?', julius von bismarck und sein "image fulgurator" sowie text text text im mittelteil: u.a. von jan off, roman libbertz, stefan kalbers und daniel vujanic, die allesamt viel zu begnadete schreiber sind, als dass man sie in einem normalen magazin erwarten würde. aber das ist das face ja auch nicht. also ab an den kiosk. die übrigen neun meiner 'beloved blogs' stelle ich hier aber auch noch im laufe der woche vor.