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12/01/2009

Niemand hat die Absicht, in Bottrop zu wohnen.



Mit einer Mischung aus Erschrecken und Erstaunen stelle ich zur Zeit fest, dass ein Gros von Freunden und Bekannten beinahe allergisch reagiert, wenn man beim Anblick von Formaten wie DSDS, Bauer sucht Frau, Frauentausch oder dergleichen auch nur ansatzweise die Nase rümpft. Man liebt es. Man will es lieben. Reflektion hingegen ist kein gern gesehener Gast auf den heimischen Sofas. Und wenn überhaupt dient sie maximal als Vorwand, trotzdem darüber lachen zu können. Man weiß eh Bescheid.

Erlaubt ist schließlich alles, „diese Leute machen so was ja freiwillig“. Wirklich, tun sie das? Zweifelsohne strampeln die Menschen, die uns dort vorgeführt werden, um jeden Zentimeter Anerkennung. Sie müssen, denn die Gesellschaft selbst - das sind wir, z.B. wenn der Fernseher nicht läuft - würde am liebsten gar nichts mehr von ihnen wissen. In der Regel tut sie das auch. Vergessen werden wollen aber freilich die wenigsten.

Auf der anderen Seite stehen die Sender, die von diesem Strampeln maßgeblich profitieren und aus diesem Umstand ihr Kapital schlagen. Ein Schelm, wer denkt, dort würden Leute hinters Licht geführt. Viel zu lang haben wir unser Verlangen nach einem Gruselkabinett unterdrückt, als dass wir es jetzt gegen gesunden Fremdscham eintauschen würden. Warum auch, "die da" sind wie du und ich. Nur eben etwas schlechter.

Wieso muss man also so sehr daran glauben, dass es in Ordnung ist, über die Minderbemittelten - denn so nennen wir sie politisch korrekt - zu lachen? „Wenn das mal nichts mit dem System zu tun hat“, sangen Blumfeld einst und könnten hier - wenn auch leicht umgemünzt - nicht in Gänze falsch liegen.

Die Protagonisten unserer allabendlichen Unterhaltung sind in gleich zweierlei Falle getappt. Erst in die soziale, dann in die mediale. Die soziale Falle sind unter anderem Phänomene, die gemeinhin und grob unter Hartz4 subsumiert werden können. Was gemeint ist, wenn dagegen demonstriert wird, ist allerdings weniger das Werkzeug Hartz4, als viel mehr die Angst der Mittelschicht in die Armutsfalle zu tappen. Genauso wenig wollen wir in Bottrop wohnen, talentfrei sein oder ein Pferd unseren besten Freund nennen. Dazu später mehr.

Wer jedenfalls Angst hat, muss beruhigt werden. Das hat seit Jahrhunderten System. So wusste man schon im alten Rom, dass das Volk ruhig bleibt, wenn es nur Brot und Spiele bekommt. Letztere haben wir jetzt sogar 2.0. Wir lachen wie eh und je über die anderen: die da unten, die Freaks und die Asozialen, die Abartigen, die Armen und eben die Bauern. Hauptsache, man fühlt sich normal. Das lässt vergessen, dass man trotz Abitur bald auf der anderen Seite der Mattscheibe sitzen könnte. Der Weg ist kurz.

Das letzte bisschen Sinn und Verstand unterliegt so regelmäßig der perversen Erregung, die man verspürt, wenn Single Hartmut sein Pferd Apoll fragt, wie es gilt mit seiner potenziellen Angetrauten Nicole umzuspringen. Das ist verständlich. Es erinnert uns daran, dass unser Pferd Paul heißt und Nicole Isa, Tina und/oder Sarah. Außerdem wissen wir, dass wir besser küssen können. Im besten Fall schwant uns sogar, dass wir sozial so verankert sind, dass wir für Geschlechtsverkehr nicht zahlen müssen.

Daher sind Formate dieser Fasson inzwischen so gefragt, dass man meinen könnte, der Unterschied zwischen einem hirnlosen Zombiekiffer mit Fressflash bei Burger King und Otto Normalverbraucher vor dem TV sei gar nicht so groß. Das stimmt vielleicht auch. Nur haben Gier und Hunger sowohl ein anderes Ziel als auch eine andere Motivation.

Wo das Fleisch herkommt, kümmert indes niemanden.


3/01/2009

eine sklavin der liebe



guten morgen, lieber trash. danke uschi blum, danke zdf. war das ein lanze brechen für travestie und schwule kunst, oder darf das nur hape kerkeling? wie viele ältere zuschauer sind verstört vom stuhl gefallen und haben ihr "abo" des zweiten deutschen fernsehens empört gekündigt, bei so viel nackter männerhaut?

solch unerwarteten fernsehmomente wünscht man sich trotz aller inszenierung öfter, denn dass trotz dieses großen moments der samstagabendunterhaltung wetten dass auch mit boris & lilly und heike makatsch in sachen quote nicht gegen bohlens singende küken bestehen konnte, überrascht wenig, ist das konzept in der tat ansonsten auf den zuschauer weit jenseits des renteneintritts zugeschnitten.

mehr zu uschi blum bei myspace.


10/30/2008

erde an sender



ich bin noch verzückt von der fünften folge der zweiten staffel von californication, pushing daisies zirpt mein schlaflied, ich habe lange nicht so gelacht wie bei arrested development, dass ich seit ein paar tagen gucke und larry david ist mein held - folgerichtig brauche ich keinen fernseher sondern nur dsl und ein gemütliches bett. die debatte zur qualität im deutschen fernsehen soll bei uns daher auch nicht weitergesponnen werden, die rettung kommt nicht mehr - dies tut sie lediglich in der röhre selbst für schuldner, restaurants, dysfuktionale ehen und als abm- und recyclingmaßnahme für die stilbildenden gesichter des deutschen tvs. die schönste schrift zur thematik hat die fas in form von 50 fragen verfasst und dabei vor allem bewerkstelligt, eine geniale frage als abschließendes rätsel zu formulieren. aber lest die kleine auswahl und frage 50 selbst:

18. was würde passieren, wenn man marco schreyl seine moderationskarten wegnimmt?

23. das zdf hat johannes b. kerner wirklich aus china einfliegen lassen, um ein fußball-testspiel anzusagen? nicht zu kommentieren: anzusagen?

33. wenn es schon keine nachrichtensender in deutschland gibt, die diesen namen verdienen, könnte es nicht wenigstens musiksender geben?

46. wie sehr schämt sich günther jauch heimlich für „stern-tv”?

48. warum dürfen nur fiktionale figuren im fernsehen richtig böse sein?

50. veronica ferres?


9/29/2008

in the meantime, don't bend over for the soap



californication, david duchovny in hochform als zauberhafter, dreitagebärtiger autor hank moody, kommt heute endlich auch in die deutschen schlafzimmer und flimmert auf rtl 2 über die bildschirme. da ich bereits mit zarten zwölf fox mulder für alle zeit verfiel, habe ich die erste staffel der serie bereits im letzten jahr in mich aufgesogen und an dieser stelle bei knicken rezensiert.

in berlin wird zu recht an jeder stelle für die mehrfach prämierte serie geworben, auch die taz fand die passenden worte für das warum. doch auch für alle, die sich in duchovnys schürzenjäger-character bereits in der original-version heftig verguckten, kam heute die rettende botschaft: die erste folge der 2. staffel lief bereits gestern in den usa. für mich ist das zweifelsohne der höhepunkt meines septembers, der sich nun wöchentlich durch den herbst ziehen wird. ist duchovny eigentlich immer noch für seine sexsucht in der entzugsklinik?

wer es weniger sexy, dafür aber bunt, verspielt und mit reichlich zuckerguss mag, darf sich ebenfalls auf die zweite staffel einer hinreißenden serie freuen. am ersten oktober geht pushing daisies in die nächste runde.


6/24/2008

klassiker, die dritte



um herrenhosen dreht sich mein heutiger beitrag nicht, denn die nationalelf, mary und karin von pudri haben den trend zum kürzeren hosenbein fürs erste energisch und elegant bekräftigt. auch die diskussion um katjas fotografischen beweis dafür, dass männer high-waist-hosen tragen können und dabei sogar eher an stil und sexappeal gewinnen, muss erst einmal vertagt werden. die musik tanzt zuerst, und das zum dritten mal.
sowohl classixx als auch the ting tings waren bei uns bereits zwei mal zuvor zu gast, daher spare ich mir die füllwörter und belasse es bei den beiden tracks, die classixx hervorgezaubert haben.


the ting tings - shut up and let me go (classixx remix) (ysi)



classixx - cold act ill (extended mix) (ysi)



im namen des guten geschmacks, der knappen herrenhosen und der deutschen tugenden bleibt für den abend noch ein auftrag: kauft euren schwestern, freundinnen und mitbewohnerinnen ein eis und erklärt ihnen vor morgen noch das passive abseits oder kevin kuranyis bart, bevor gülcan und collien auf prosieben dazwischen funken. wenn ihr nicht wisst warum, folgt diesem link.


6/04/2008

von kühen, sternen und emanzipierten frauen



so manch einer meiner freunde ist beunruhigt, muss man doch nach und nach die durch die wm gewonnene narrenfreiheit in sachen fußball peu a peu wieder zurückgeben. längst ist klar, dass könig fußball gegen germany's next top model und co keine uneingeschränkte durchsetzungsfähigkeit am heimischen wg-küchen-fernseher mehr genießt. doch bei allem respekt vor den schminkkünsten einiger freundinnen, steht absolut ausser frage, dass das allgemeingut fußball selbst bei höchstkritischer betrachtungsweise noch einen mehrwert transportiert, dem das gesellschaftsfähige fremdschämen in keinster weise entgegensteht.

aber woher kommt die schier unbegreifliche begeisterung für einen haufen grenzdebiler tussies, die in eiltempo von einem besseren busenmodell auf schlachtgewicht gebracht werden? wer meint, dass nach etlichen wellen der frauenbewegung endlich vernunft am heimischen spiegelchen eingekehrt ist, irrt gewaltig. das allabendliche publikum der multimedialen fleischbeschauung setzt sich nicht nur aus den unbelehrbaren chauvinisten, die nimmermüde bierselig auf das androzentrische weltbild anstoßen und busen gucken wollen, sondern eben auch aus dem weiblichen bildungsbürgertum zusammen.

aber vielleicht liegt genau da der hund begraben: während sich die interessen, rechte und pflichten der männlichen bevölkerung in den letzten jahrzehnten vielleicht marginal verschoben haben, drangen ihre weiblichen widerparts dank emanzipation & frauenbewegung in ungeahnte bereiche des sozialen lebens vor. die frau sucht und findet sich - irgendwo zwischen barbiepuppen, rosa haarspangen, dank frühkindlicher bis pubertärer prägung durch schule und familie - schlussendlich doch als frau in der durchaus männlichen leistungsgesellschaft wieder; sie definiert sich durch den unterschied zum mann, sie funktioniert wie sie funktioniert. seit ewigkeiten.



die schöne, junge dame allerdings, die einem immer mittwochs früh so nett in der u-bahn zulächelt, soll wenn möglich ohne geistigen schaden den sprung vom kleinen mädchen zur erwachsenen frau, die nach besten kräften ein mann - nur mit kurven und besserer kleidung, aber mindestens so erfolgsgeil - sein soll, geschafft haben. das aber wiederum scheint sowohl auf theoretischer als auch empirischer ebene unwahrscheinlich, stehen dem ganzen doch mindestens prägung, die eigene biologie, vater staat und zu guter letzt der mann selbst entgegen. sollte frau wirklich so hin und hergerissen sein, ist es kein wunder, dass man als guter, sensibler mitbewohner hinter katzengras auf der küchenfensterbank ein untrügliches zeichen für essstörungen vermutet. wir haben keine katze.

man könnte vermuten, dass dieser psychische völkerball schlussendlich in der hochschulreifen begeisterung für germany's next top model gipfelt, einer sendung, die eindrucksvoll aufzeigt, wie die leistungsgesellschaft mit frauen und frauen mit der leistungsgesellschaft umgehen. es ist alles dabei: neurosen, magerwahn, intrigen, leistungsdruck, missgeschicke und das sichere wissen, dass dieser wettbewerb den bedürfnissen der teilnehmerinnen zu allerletzt dienlich ist. maximiert wird anderes: die quote. aber warum der große erfolg? aus eigener erfahrung sollte jeder nur zu gut wissen, wie gern mensch sich den spiegel vorhält. das erklärt im konjunktiv den erfolg des formats jedoch maximal als symptom eines systemfehlers.

fragwürdig bleibt, warum die emanzipation als solche nicht wirklich einzug in den rahmen des spiegels gehalten hat: in strukturen und denkprozesse der allseits geliebten gesellschaft, die nur allzu gern die marktwirtschaft - angebot und nachfrage - vorschiebt, wenn es mal wieder hart auf hart geht. wieso war die emanzipation, fernab von frauenquote und bundeskanzlerin, nicht in der lage, die gesellschaftlichen strukturen aufzubrechen und zu verändern, so dass nicht nur die frau, sondern auch die ihrem geschlecht zugesprochenen werte und qualitäten in ausreichendem maße in die strukturen der marktwirtschaft und gesellschaft einzug halten hätten können?



die wirtschaft, die immer noch auf mann getrimmt ist, nimmt frauen augenscheinlich maximal als wechselwählerinnen wahr, die weniger festgefahren als ihre männlichen pendants sind und sich ergo kommerziell besser ausschlachten lassen. sie sind die stars des marketings, die cash cows einer neuen mediengesellschaft, die sich geschickt genau die aspekte der emanzipation zu nutze macht, die ihr am nützlichsten sind, den größten profit versprechen und nur noch wenig mit dem urgedanken zu tun haben. so erklärt sich zumindest die zunahme an formaten, die sich zumindest offenbar auf frau als zuschauerin konzentrieren: mittags-soap statt a-team, verliebt in berlin statt mac gyver. soviel zum verständnis der privaten und öffentlich-rechtlichen in sachen frau. ein bisschen rosa hier und da, dann passt es schon. augenscheinlich profitabel.

dass es strukturell - also tiefergehend und radikal - auch anders geht, beweisen z.b. studien, die festhalten, dass der einfluss der frau auf unternehmen an sich mehr als nur positiv ist. so findet die brand eins heraus, dass junge unternehmen, die sowohl mehr frauen beschäftigen als auch deren ideen und arbeitsweisen mehr fördern, im schnitt erfolgreicher am markt agieren als deren patriarchisch organisierte widerparts mit hoher leitwolfquote. es sei dahin gestellt, inwiefern man alles auf deklarierte geschlechterunterschiede herunterbrechen kann; optimistisch stimmt es allemal.



der gesellschaftlichen injektion mit weiblichkeit entgegen stehen aber immer noch das bollwerk des patriarchats und die paranoia des mannes an rechten einzubüßen. so vermutet mann schon lange hinter dem gesteigerten medieninteresse an frau fälschlicherweise eine schleichende unterwanderung seiner gesellschaftlichen stellung. diese erkenntnis lässt sich auch problemlos auf das eigene privatleben übertragen: ist der eigene bierbauch erst nicht mehr gut genug, sind es frauen, die wahre männliche wärme und geborgenheit nicht mehr zu schätzen wissen, klar. das ist einfacher, vor allem aber bequemer, als sich selbst zu hinterfragen, oder - gott bewahre - sich mit frau auf augenhöhe zu messen.

allen frauen ist im hinblick auf etwaige nachbarkontinente und -länder allerdings nur zu wünschen, dass die mancipation hierzulande keinen re-einzug hält und sich spätestens im zeitalter der 18. staffel germany's next top model noch ein bisschen mehr in sachen emanzipation getan haben wird. bis dahin muss sich frau wohlmöglich noch mit portalen wie der erdbeerlounge rumschlagen, während mann dem 2-jahreszyklus folgend die nächsten wochen der em frönt und den kampf um die küche neu aufnimmt. die zumindest ist in sachen emanzipation eine "insel der glückseligkeit", wie cohn-bendit einst über berlin-kreuzberg sagte, allerdings bezüglich der integration ausländischer mitbürger. dass mitte und der prenzlauer berg inseln emanzipativer glückseligkeit sind bleibt indes trotz kinderwagenshowoffs glücklicher muttis eine gewagte these. aber eine, über die man diskutieren könnte. apoll sagt ja.


5/13/2008

outer limits of the flesh



während ich am wochenende überschüssige kleidung abgestreift hatte und am schwielowsee tatsächlich ohne sonnenbrand den sonntag überstand, widmete sich verena stehle im sz-wochenende dem anschmiegsamen beinkleid der männer. jungs in röhrenjeans – ganz gleich welcher statur – widersprechen dem ästhetikempfinden der autorin zutiefst: ob sich nun ein atmungsaktiver pvc-schlauch um die austrainierte fussballerwade schlingt oder dürre burschen ihren hintern durch das tiefer tragen der hose zu einem "platten, rechteckigen, traurigen mühlstein" formen - diese mode sei unmännlich, zudem ausdruck einer hinkehr zur weiblichkeit mitsamt eyeliner und it-bag, so stehle.

schade nur, dass dieser elaborierten stilkritik der girlfriend-jeans, gefangen in der wut auf einen drainpipe tragenden herzensbrecher, der blick auf alternativen fehlt, sowie die sicht auf die eigentliche problemzone: skinny jeans an frauen, in dieser saison besonders gern in der high-waist-variante. um die problematik zu verdeutlichen zitiere ich gleich zweimal aus dem vice global trend report 08: denn enge, hochtaillierte jeans "können nur anorektische frauen tragen oder, um es politisch korrekt auszurücken, frauen mit einem sehr aktiven stoffwechsel. bei allen anderen sieht das so aus, als trügen sie unter ihren mutti-jeans große gürteltaschen". im berlin-teil des berichts wird die ausweglosigkeit der stilsünden, die das hippe volk für ihren beinschmuck hervorbringt, sogar noch verschärft: "es ist ein wunder, dass die in sachen mode recht unbeständigen deutschen immer noch nicht von dieser hautengen-jeans-marotte gelangweilt sind. ganz im gegenteil: in letzter zeit tragen immer mehr leute diese scheißdinger und zwar enger und kürzer als jemals zuvor. ein paar abtrünnige versuchen mit aller macht, den spieß umzudrehen, indem sie hochtaillierte, extraweite schlaghosen mit kleinen süßen kräuseligen blusen tragen. man kann ihnen nur viel glück wünschen." - jenen mädchen glück, den männern scheuklappen. doch wenigstens zeigt sich hier für die frauen immerhin eine alternative. mit der abkühlung der temperaturen im herbst werden aber die high-waist-trägerinnen vermutlich zu einem klaren kopf zurückfinden und die momjeans verbrennen. ersatzweise bleiben ihnen anschließend immer noch röcke und kleider, um ihre ärsche wenigstens notdürftig zu bedecken. doch was empfiehlt sich den männern? alles augenmerk den schuhen?



was tun, wenn's engt? - in der süddeutschen verliert sich der unmut über die schmalen hosen in der kreation neuer metaphern für das eingezwängte männerbein. konkrete änderungsvorschläge sucht man vergeblich; dem vice-magazine kann man es bekanntlich selten recht machen - erleuchtung darüber, was diesen sommer kleidsam ist, findet man aber auch in den modestrecken der vice fashion issue nicht. hier ist es wie immer: viel neon, ein bisschen porno, leidlich übergeworfene stücke aus dem hause american apparel, kontrastiert mit adrett gekämmten buben im hemd.

doch vor der überstürzten suche nach lösungen für den körperbetont bekleideten mann ist noch zu klären, ob verena stehle nicht versehentlich in eine gruppe reckturner gerannt ist, als sie den männern einen ausschweifenden hang zum spray-on-denim attestierte. vor meinem geistigen auge gewährt sich mein männlicher bekanntenkreis - zumeist verortet in kreuzberg und mitte - ausnahmslos ausreichend bewegungsfreiheit für große sprünge. die berliner jungs laufen generell selten gefahr, ihre hosen aus allen nähten platzen zu lassen: bis zu ihrem 30. geburtstag sind sie allesamt so zart gebaut, dass sogar stretchjeans die aufgabe einer innigen umarmung nicht abschließend erfüllen könnten.

die viel interessantere frage, als die, ob die sz-autorin hier einer drängenden frage unserer zeit auf der spur ist, oder, welcher jeansschnitt welchen arsch wie opulent aussehen lässt, setzt vielleicht auch bereits unterm höschen an: denn wenn mann hauteng trägt, muss zwangsläufig beantwortet werden, welche körperform den sommer bestimmen soll. nicht das outfit, das bodystyling ist die herausforderung wechselnder kollektionen. nasen, brüste, andere ecken, kurven und kanten müssen für den aktuellen geschmack getrimmt werden – die männer machen mit. wir hatten an dieser stelle ja schon einmal darüber berichtet, dass wir in den essstörungs-selbsthilfe-gruppen sehr bald ein ausgewogenes geschlechterverhältnis haben werden, da die jungs ebenfalls blöd genug sind, sich dem mager-diktat zu unterwerfen. der perfekte körperbau einer männlichen kleiderstange wird zudem in kürze im deutschen fernsehen einzug feiern: pro sieben arbeitet derzeit an einer jungs-variante von germany's next top model. hier klärt sich vielleicht dann, welche hosenform den männern ans herz gelegt wird, und wie grazil sie sein müssen, um von c&a plakaten strahlen zu dürfen. hoffen wir nur, dass pro sieben sich für die jury etwas einfallen lässt – denn mit so erschreckend wenig charme, humor und wortgewandtheit wie die derzeitigen preisrichter der casting-show agieren, haben diese sich selbst für einen sendeplatz im privatfernsehen disqualifiziert. das zdf bietet bald überdies eine ausweichmöglichkeit für jungs und mädels, die wie meine mitbewohnerin auf den typ cdu-finanzreferent stehen: dort werden demnächst nachwuchspolitiker gecastet.



da ich den jungs gerne selbst überlasse, in welchen stoffen sie sich auf die straße wagen, habe ich zum abschluss keinen mode-, dafür aber einen musiktipp. the virgins – hagere schönlinge zuletzt von terry richardson für die vogue hommes international abgelichtet – bringen anfang juni ihr erstes album heraus und sind absolut sehens- und hörenswert. unser november-feature zu ihnen findet ihr nach dem klick. weil's so schön war, gibt es rich girls aber noch mal.

the virgins - rich girls (ysi)


mehr modemagazinlieblinge und new yorker nachwuchsrocker gibt es hier alsbald - in röhrenjeans, versteht sich. denn da liegt frau stehle ganz richtig: die zweite haut aus jeans ist immer noch berufsbekleidung der rockstars.


3/15/2008

berlinfashion.tv: ideal forum



der neuste beitrag bei berlinfashion.tv zeigt das ideal forum, das auf der fashion week anfang diesen jahres im rahmen einer ausstellung junge künstler präsentierte. neben einem interview mit kuratorin nadja herder werden außerdem die japanische künstlerin yuka oyama und chrischa oswald interviewt, die wir euch hier schon einmal vorstellten.

mehr berlinfashion.tv gibt es hier.


3/13/2008

german love aus oregon



entgegen landläufiger meinung existieren in den vereinigten staaten neben dem lederhosenträger und nazi weitere stereotypen für den bewohner deutscher lande. mein liebling darunter, nicht zuletzt weil er das erste klischee war, mit dem ich im golden state konfrontiert wurde, ist die von mike myers von 1989 bis 1997 verkörperte figur dieter. ein recht schmeichelhaftes wesen hat saturday night life da geschaffen: den durchgeknallten, intellektuellen ästheten, der stets im schwarzen rollkragenpullover gemeinsam mit seinem affen klaus in der westdeutschen talkshow "sprockets" absurde interviews mit prominenten führt, und im abspann zu kraftwerk tanzt.
in der gesammelten liste von dieters bravourösen aussprüchen taucht allerdings nie auf, dass neben abartigkeiten, vorgestellt in "germany’s most disturbing home videos", die effizienz der deutschen eines seiner bevorzugten themen darstellte. das aus dieters munde stammende 'efficient german sex' wurde zum meistbenutzen catchphrase meines usa-aufenthalts, der in berkeley selbst in politischen diskussionen immer wieder eingeworfen wurde, und stets wohlwollen für die deutsche handhabe der dinge symbolisierte.

sprockets, dieter und äffchen klaus stürmten vor kurzem durch die hintertür meines kopfes als ich auf den song german love von starfucker stieß. aus lektüre der lyrics, geschrieben vom schlagzeuger und kopf der band, josh hodges, kam ich der bedeutung des songtitels nicht näher. aufrund ihrer kürze lassen sie keine weitere interpretation zu, und selbst das urban dictionary hält zu german love keinen erklärenden eintrag bereit. auf nachfrage merkte josh zwar an, dass er deutsche sexy fände, der titel des liedes kam hingegen zustande, als er die melodie vor sich hinsummte und die worte sich dieser anpassten - das 'german' sei bedeutungslos, so josh. weshalb der text nun nicht 'jen my love, i will give it to you' heißt, wird wohl das geheimnis des sängers bleiben.


starfucker - german love (dl) (ysi)




aber nicht allein aufgrund des regionalen bezugs sondern vor allem aufgrund der brillianz von dem, was josh hodges mit seinen projekten starfucker und sexton blake musikalisch bewegt, sollen die lofi-meisterstücke auch hier die runde machen. portland hat sie alle, die guten.
doch sexton blake und starfucker empfiehlt sich nicht nur für indie-fans von elliott smith, the shins oder pinback, sondern für alle, die simple, wunderschöne musik herzen.
die alben 'sexton blake' und 'play the hits' – eine compilation von cover-songs, die sogar stücke von elton john und milli vanilli für die indieohren schmackhaft anrichtet – sind was für sie sammlung.
wer zum frühstück zunächst die 80er unbehandelt verzehren möchte, findet das orginal von young turks hier, von making love out of nothing at all hier. rod stewart und air supply klingen in der version von sexton blake folgendermaßen:


sexton blake - young turks (dl) (ysi)



sexton blake - making love out of nothing at all (dl) (ysi)



starfucker ist die jüngere und aktuelle band von josh und ryan biornstad; ausführliche informationen zu diesem projekt und sexton blake hält das interview mit josh hodges bei speakzine bereit. das erste album von starfucker erscheint dieses jahr bei badman recording co.; da ryan und josh virb bevorzugen, könnt ihr euch dort mehr von den jungs aus oregon anhören. show them some german love.

und um mit einem zitat von dieter zu schließen: "it had a good beat and was easy to dance to; i give it a fourteen."


2/18/2008

somebody shrunk the men



als spross der katholischen kirche bin ich mit dem ritus des österlichen fastens aufgewachsen und habe anstandslos die an weiberfastnacht ersungenen süßigkeiten zur verwahrung oder rationierten abgabe an die oberste spirituelle instanz meiner familie übergeben. wirklicher verzicht erwuchs einem kind in den 80ern daraus nicht. heisshungerattacken aus liebeskummer, hormonellen schwankungen oder klausuren- stress sind kleinen kindern meist unbekannt, und ein verzicht auf das spärliche medienangebot war zu dieser zeit kaum von nöten.

vom deutschen fernsehen abstinent zu leben ist zwanzig jahre später im sinne des fastens ebenfalls kein opfer, eine zuwendung zum programm der heimischen sender wohl eher ein opfererung des eigenen verstands – dennoch kommt der aufruf der ansonsten eher rückwärtsgewandten katholischen kirche einem kleinen schritt auf modernerem boden gleich: papst benedikt xvi. empfiehlt seinen schäfchen in den wochen vor ostern ein medien-fasten, um in der abkehr von bildern und stimmen die zeit der buße intensiver zu durchleben.
für die amerikanischen katholiken erscheint dies vielleicht als hohn, hat der writers’ strike sie doch mehrere wochen auf zwangsdiät von ihren liebsten sendungen gesetzt und quer durchs land sarkastisch kommentieren lassen, das aussetzen des programmangebots würde die us-bürger nun zwingen, interpersonalen kontakt zu intensivieren oder das geschriebene wort zur hand zu nehmen.



für die deutschen christen hingegen wäre das medienangebot das geeignete anorektikum, um in der fastenzeit die finger von den gaumenfreuden zu lassen. doch vielleicht hat benedikt sich mit seinem vorschlag in die essstörungs-offensive der bundesregierung eingereiht, und sieht beim medien-fasten einen ansatz - ensteht durch shows wie dsds, barbara salesch oder johannes b. kerner doch eher ein brechreiz als appetitlosigkeit – bulimische symptomatik einzudämmen, scheint diese doch wenig vereinbar mit den prinzipien der katholischen kirche – im gegensatz zur spirituellen askese.

das fasten auf immateriellen verzicht zu verlagern ist außerdem von nicht zu unterschätzender volks- wirtschaftlicher bedeutung: kommerziell angebotenes fasten, tee, vitaminpräparate und yogamatten könnten wohl kaum ausgleichen, was verloren ginge, würden alle christen 40 konsekutive tage auf jegliche genussmittel oder gänzlich auf feste nahrung verzichten.

hoffen wir nur, auch die politik verzichtet in der fastenzeit einmal auf das bad in pseudo-ereignissen: als bildfähige aktion wäre das fasten natürlich für jeden minister geeignet, sich in zeiten, in denen kein handy zurückzugeben ist, teesiebe auf die augen gesetzt werden oder gänse gerettet werden können, sich medial mal wieder ohne politische aussage zu positionieren. die wirksamkeit solcher aktionen sollte aber für eine gute platzierung unter unseren beliebtesten volkvertretern auch im zuge eines medien-fastens der bevölkerung ähnlich gering ausfallen.

die politischen, spirituellen und gesundheitlichen aspekte des fastens hin oder her – einem bericht der new york times zufolge hat ein asketischer lebenswandel nun auch wieder für männer hochkonjunktur: im artikel "fashion’s new male ideal: the underfed look" sorgt guy trebal sich um die hohlwangigen männer, die über die laufstege wandeln.

von anabolika zum leben erweckte muskelmassen sind zwar seit jeher nicht zu tolerieren - geschweige denn anzufassen - doch nun können die skispringer sich zusätzlich damit rühmen, nicht nur mit der in hungerzeiten natürlich auftretenden zusatzdosis von serotonin zu dopen, sondern auch modisch in sachen körperbild am puls der zeit zu sein. der trend nun lieber etwas elfengleiches, als einen california surfer boy an der hand zu führen, mag auch den frauen trost spenden, die trotz normalgewichts ihren freund im armdrücken schlagen, oder seit monaten versuchen, ihn durch den entzug von zigaretten, aufopferndes zufüttern von sahnigen suppen und den weihnachtlichen marzipanvorräten, wenigstens auf inch-weite 30 zu mästen – was meist ohne erfolg hinsichtlich des körperfetts bleibt, aber wenigstens mit wertschätzung und verblüffung über die wachsenden küchenambitionen honoriert wird.



wer sich nicht in weiser voraussicht des indieboy-revivals ein solches prachtexemplar vor jahren im magnet-club zu eigen gemacht hat, kann nun natürlich das gemeinsame kochen im pärchenkalender als fastentag markieren, den trend zum jüngeren mann gleich wieder miteinführen und den 17-jährigen freund der kleinen schwester einheimsen, oder ins sauerland zum skispringen fahren.

sollte all dies ohne trophäe enden, kann frau bis ostern zumindest immer noch behaupten, vor allem sexuelle enthaltsamkeit zu exerzieren.
im zuge dieses stichwortes gibt es dann noch eye candy zum abgewöhnen für die herren: lindsay lohan im ny mag als marilyn monroe - streckenweise unbekleidet, aber nicht gerade lecker.

futter für die geschundene fernsehseele gibt es seit letzter woche übrigens wieder von der insel. dort ist sie zweite staffel der serie "skins" angelaufen - so schön, so sexy und so skinny wie eh und je.


10/16/2007

i could do you all



politische satire, soweit das auge reicht - doch absender war das system in den letzten wochen stets selbst. bissige kommentierungen durch publizistische stimmen wie die titanic sind nahezu überflüssig geworden, so eindrucksvoll inszenieren die beteiligten akteure und eingebundenen medien ihre artikulationsversuche gegenüber kontrahenten und publikum.

erster akt: johannes b.kerner
die sendung "kerners helfer" der vergangenen woche markierte wohl den höhepunkt der absurden gespräche und ideen, die moderatoren, buchautoren und politiker an den rezipienten bringen wollen. johannes b. kerners dramaturgischen gehversuche glänzten wenig, weder er selbst, noch ein einzelner seiner gäste schmückten zurecht das zdf-studio. was sollte eine margarete schreinemarkers, die deutlich wahnwitziger als frau herman ist und keinen deut klüger, zu der debatte um hermans äußerungen beitragen? ganz richtig: keinen inhalt, sondern hysterisches gekreische. einen zugewinn an image, sympathie und glaubwürdigkeit hat an diesem abend wohl keiner der fünf beteiligten narren mit in die nacht getragen. ein verstörendes trauerspiel.

zweiter akt: anne will
hingegen erzeugte anne will ("klassenkampf im klassenzimmer - alles andere als nobel") am sonntag in unserer küche ein wahres freudenfeuerwerk. die immer wieder eingeblendeten nobelpreisträger gerhard ertl und peter grünberg lachten an den entscheidenden stellen und übernahmen eine stille, aber bändesprechende kommentarfunktion; der lehrerverbandspräsident trat auf in klassisch bayerischer funktion: wenig einsichtig und rhetorisch verwirrt; karl lauterbachs blicke töteten mehrfach christian wulff, der ein selbstverliebtes sonntagslächeln aufgesetzt hatte, das zu sagen schien:
"i could do you all. even if you are not into men, i could still do you." wer auch immer herrn wulff auf die nase gebunden hat, er sei der niedersächsische brad pitt, muss überzeugend gewesen sein.
eifrig strahlte anne will mit ihm um die wette; dies war vermutlich ihre strategie, auch dann souverän zu bleiben, als sie den gockel wulff zur einen, den sonderbaren fliegenträger zur anderen seite sitzen hatte. ein kopfschüttelndes creepy entglitt endgültig in die runde, als das pferdemädchen begann zu erzählen - daneben ihr mentor, der ihr das reiten und lesen lehrt - politisch denken, persönlich fragen – die tagline der ard-talkshow kreiert ein seltsames format.

dritter akt: frau von der leyen und die katholische kirche
da es bei anne will neben den streitereien der beamten und politbrüder eigentlich um kinder ging, fehlte klar lieblingsministerin ursula von der leyen und die katholische kirche. doch sowohl die mutter der nation als auch die männer aus dem vatikan sorgten am wochenende für eigene schlagzeilen, die die satire-zeitschrift titanic zu einem wunderbar kranken start-cartoon inspirierten. wenigstens frau von der leyen konnte durch ihren schnellschuss und beweis der menschlichen fehlbarkeit ein paar sympathiepunkte bei mir sammeln.
den großteil meines wohlgefallens heimste von der leyen allerdings durch ihren werbeeinsatz im rahmen des relaunches der frankfurter allgemeinen zeitung ein. die von scholz & friends geschaffene anzeige der serie "dahinter steckt immer ein kluger kopf" ist mutig, witzig und mit einem dicken augenzwinkern versehen. und man höre und staune: von der leyens politische heimat ist bei den christdemokraten. berlin scheint der frau, die in niedersachsen von player wulff gefördert wurde, gut zu tun.

die bundesfamilienministerin thront nun für die faz in einem meer von albino-kaninchen, und schlägt zwei fliegen mit einer klappe. neben ihrem testimonial für die überregionale zeitung ist wonderwoman mal wieder im einsatz für die mission ihrer amtszeit: kinder für deutschland.



die idee, dieses ziel mit dem österlichen fruchtbarkeitssymbol zu illustrieren, ist von agentur, faz und von der leyen allerdings nicht bis in die spitzen durchdacht worden – so folgert zumindest jemand, der seit kindesbeinen mit den langohren durch den garten getollt ist, und ihre paarungs- und aufzuchtverhaltensweisen kennt.
kaninchen sind weit entfernt vom christlich geprägten familienbild der cdu. das prinzip "wie die karnickel" würde gesamtdeutschland zwar nicht schaden – im gegenteil - nur in demografischer hinsicht könnte das kaninchenprinzip fehlschlagen, es sei denn frau von der leyen ist in verhütungsfragen auf linie des papstes. diese einstellung widerspräche allerdings der vom ministerium betriebenen familienpolitik, die unter anderem anreize dafür setzen möchte, eine familie sorgsam zu planen und das erste kind erst nach etablierung im berufsleben zu bekommen.

doch die erste assoziation zum kaninchen fällt aufs rammeln, nicht auf die niedlichen nachkommen. und ersteres ist ausschließliches interesse der nager; automatische quantensprünge in der geburtsrate bedeutet dies hingegen nicht. ich kann mit reinstem gewissen sagen, dass jeder der plüschigen casanovas, die durch meinen garten gehoppelt sind, seine libido und homosexuelle neigung mit nicht zu brechendem willen ausgelebt hat
, und die anzahl der kaninchen, die ich während meines landlebens besessen habe, qualifiziert diese aussagen für statistische repräsentativität. zäune wurden überquert, tunnel gegraben, und dies alles nicht, um die anderen rammler in kämpfe um das schönste weibchen zu verwickeln: it is all about the humping – fünfzig mal am tag gleicht da eher einer untertreibung. neben der völligen gleichgültigkeit, ob das besteigen des anderen nagetiers zu nachkommen führt, sind kaninchen zudem polygam, und die väter nicht am geringsten an der aufzucht der kleinen beteiligt.
ein modell, das frau von der leyen definitiv nicht schmeckt.

schlussakt: tierische impulse für die familienpolitik

die faz-kampagne bekennt sich zum kaninchen, dabei lernen bereits kinder in der grundschule, dass es durchaus tiere gibt, die ein leben lang zusammenbleiben und ein harmonisches und gleichberechtiges familienleben führen, beispielsweise die pinguine. und alle helfen mit: sogar gleichgeschlechtliche pinguinpaare brüten den nachwuchs der anderen aus. im lebensentwurf pinguin existieren zudem krippenplätze seit jeher. vorbildlich.

da aber das thema kinder kriegen mit dem kaninchen trotz kleiner widersprüchlichkeiten am besten ins bild gesetzt wird, kann sich frau von der leyen die
pinguine für eine allumfassende kampagne aufheben. elterngeld, aktive väter und kinderbetreuung müssen schließlich auch noch kommuniziert werden.
das familienministerium arbeitet bestimmt mit hochdruck an einer lösung, wie bald auch die väter zum
brüten gebracht werden können.


10/11/2007

be like mike


calvin harris, kind der 80er und neuerdings liebling europäischer tanzflure, nimmt sich den mitchell brothers und ihrem minihit michael jackson an. dabei raus gekommen ist noch ein bisschen mehr hit sowie digitales blingbling in form eines videos.


the mitchel bros - michael jackson (calvin harris remix) via risky bizniz


in sachen michael ist allerdings das letzte wort für den moment noch nicht gesprochen, auf jimmy kimmel durften vorgestern zuschauer und justice bewundern, wie deren d.a.n.c.e performt wurde. von michael, rod, prince, rick und stevie. double trouble, aber nice.



mehr calvin findet ihr hier oder hier.


9/25/2007

burlesque loveboat boredom



bei knicken gab es heute viel zu sehen, und so soll der tag auch enden: dita von teese ist gesicht der neuen peta-kampgne animal birth control.

freilich darf man darüber streiten, ob die angelsächsische art von campaigning, die eigentlich ausnahmslos prominente testimonials involviert, auch im bereich des tierschutzes sinnvoll ist, und ob gerade schneewittchen-schönheit dita an birthcontrol denken lässt. hübsch anzusehen ist frau von teese wie eh und je.

bevor das loveboat euch allerdings mit dem gossip des tages beglückt, darf ich auf eine weitere fernsehserie hinweisen, die winterabende im fluge vorbeiziehen lässt: nip/tuck kehrt zurück auf die bildschirme und verlagert die kunst der plastischen chirurgie und des verführens vom sunshine state in den golden state – und wir sind uns einig: dr. christian troy ist mit großem abstand der heißeste serienarzt aller zeiten – dr. doug ross alias george clooney gibt gegen julian mcmahon eine recht traurige gestalt ab.
in deutschland läuft auf prosieben erst die zweite staffel, in den usa nun die fünfte. staffel drei und vier waren nebenbei bemerkt allerdings ein hochgenuss in sachen morbider arztserien. there's something to look forward to.

zu guter letzt also die schlagzeilen des tages: das sextape von meg white, das zu diesem zeitpunkt wahrscheinlich schon jeder gesehen hat, ist scheinbar ein fake, the doherty schenkte kate moss eine tote maus – als zeichen seiner gefühle, eye candy für alle fans von jake gyllenhaal, unser lieblings-gossip-blog dlisted kürte "bavaria’s most glamorous politician" gabriele pauli zur hot slut of the day, und schließlich gibt euch präsident ahmadinejad im rahmen seiner usa-reise eine weisheit mit in die süßen träume:

"in iran, we don’t have homosexuals like in your country. we don’t have that in our country. in iran, we do not have this phenomenon. i do not know who has told you that we have it."


9/24/2007

a girls' boys club



lucky number slevin brachte mich letztes jahr dazu lucy liu zu mögen und ihrem schauspielerischen können ein wenig respekt entgegen zu bringen – vielleicht waren es auch einfach ihre sommersprossen und ihre kindliche stimme, die mich ein stück verzauberten. die rolle des tigers in ally mcbeal spielte liu immer überzeugend, nahm aber somit den charakter ein, vor dem man die neurotische und hochgradig anorektische ally beschützen musste.

am 4. dezember startet in den usa eine neue serie, in der lucy liu nicht mehr hinter anderen charakteren zurückstehen wird: cashmere mafia. alle weiblichen fashion und serien victims geraten bei dieser nachricht vermutlich in entzückung, besonders, da sex and the city produzent darren star mit an bord ist.

anders als sex und the city verspricht die serie einblicke über den tellerrand nymphomaner singles und girl talk hinaus, hinein in die welt von weiblichen führungskräften in manhattan, die neben der passenden garderobe auch noch partnerschaften, kinder und die karriereleiter managen müssen. sogar gender issues innerhalb der führungspositionen werden der vorschau zufolge aufgegriffen. ursula wäre stolz auf dich, darren.

ob man dem braten trauen kann? sollte die cashmere mafia, ein boys club für business ladies, doch nur wieder beziehungs-, sex- und stylefragen diskutieren und eine plattform bieten, um lucy liu zu einer neuen fashion ikone zu küren, gibt es diesen winter genügend ausweichmöglichkeiten. andererseits verspricht der trailer mehr, und fräulein liu vermag es durch ihren humor und ihre frische spielweise einer serie den richtigen twist zu geben. was wäre ally mcbeal ohne lings fauchen gewesen?

und wie paul schon im trailer zu funny games ganz richtig - im kontext von hanekes film bitterböse - anmerkt: you shouldn't forget the importance of entertainment.



9/18/2007

political loveboat boredom



weder das workout auf dem justice konzert noch der allwöchentliche ausflug ins picknick bestätigten meine these herannahende herbsterkrankungen durch tanzeinlagen und vodka abwenden zu können. so gehörte der sonntag abend dem tatort, der den sehnlichen wunsch nach dem 28. oktober und unerreichten professor boerne nur verstärkte - das unausweichliche übel folgte im anschluss.
für unzählige männer gehört anne will zu den schönsten gesichtern des öffentlich-rechtlichen fernsehens, und auch ich stehe ihr durchaus wohlwollend gegenüber, der sonntag-abend-polit-talkshow hingegen nicht.

haben diese sendungen jemals zu einer wirklichen weiterbildung beigetragen, oder sind sie reines portal für selbstinszenierung der geladenen gäste, deren erfolg unerbittlich von telegener erscheinung und rhetorischen fähigkeiten bestimmt wird? sabine christiansen demonstrierte mit prominenten besuchern aus dem showbiz wie sky dumont nicht nur die fragwürdigkeit ihrer gästeauswahl, sondern auch einen politischen kurs.
die illustre runde zu gast bei anne will schien da einen deut unpolitischer, dafür hochgradig emotional – im kategoriensystem einer medieninhaltsanalyse hätte man glatt abwägen müssen, die sendung als human touch zu codieren.

auch der problembär und jürgen rüttgers wirkten in den ersten einstellungen als sei die neue show ein großer spaß – sie strahlten um die wette – waren sie doch in einer sendung, die maximale bevölkerungs- und medienaufmerksamkeit erhalten würde, platziert worden. unter gesichtspunkten wie eloquenz, charisma und logik wird diese betrachtungsweise aus perspektive von kurt beck natürlich zur milchmädchenrechnung. wie bereits vor zwei wochen erwähnt: ich freue mich auf den wahlkampf, und wünsche der spd eine überirdische agentur oder glückliche begebenheiten zum agenda surfing.

beinahe hätte sich das erste problem der spd von selbst erledigt, und die sendung vermochte wenigstens einmal kurz zu unterhalten: während die kamera auf margot käßmann ruhte, entlud sich über ein noch eingeschaltetes mikrophon eines anderen talkgastes ein knallendes geräusch.
"kurt beck ist geplatzt!" - vielleicht hatte sich auch jemand die aufforderung der titanic zu sehr zu herzen genommen.


kurt beck saß allerdings immer noch quicklebendig und krebsrot vor aufregung auf seinem stuhl, als die kamera zurückschwenkte.
sein coach hat ihm für solche situationen hoffentlich empfohlen an die weinlese in der pfalz zu denken. dieses landschaftsgemälde von max slevogt gewährte beeindruckende einsicht in die mentalität und den horizont von rheinland-pfalz' ministerpräsidenten, wie auch die anderen lieblingsbilder, die politiker 2006 im cicero präsentierten.
selbstverständlich bewies zu diesem anlass guido westerwelle das sicherste händchen, gerd schlug sich respektabel und was wählte ursula von der leyen?– chagalls maternité. diese ausgabe des cicero erspart das lesen langatmiger biografien und politischer programme – ein wahlomat für ästheten und psychologen.

anne will hätte eigentlich anlass für einen schönen mädchen-beitrag sein können, den ich schon lange seit der grausigen titelstory des tip schreiben wollte. die quintessenz der küche zum vom tip erfundenen berliner phänomen des bösen mädchens lautete: es gibt keine bösen mädchen – nur neurotische. beide findet man in moderatorenkreisen der ard eher selten, monika lierhaus ausgenommen.

nachdem anne will aber ein braves mädchen blieb und die jungs problembären sein ließ, bleibt der sonntag abend auch in zukunft frei für andere dinge, beispielsweise spitzzüngigen gossip auf deutsch.

für heute bleibt es allerdings bei ein paar harmlosen links zu feinen gute-nacht-geschichten: cowboys bei fashionshows, britische paradiesvögel, ein blonder robert downey jr., mehr brangelina, absurde adoptionswünsche, johannes b. kerner zieht die aufmerksamkeit eines amerikanischen blogs auf sich und anregungen für turbulente träume.


9/09/2007

no nudity in the kitchen!

eine der seltenen begebenheiten, in der das argument "ich habe die brüste" die diskussion nicht zu meinen gunsten entschied, führte zu einer neuen richtlinie für die wg-küche: no nudity while watching soccer.

zugegeben, fußball gehört nicht zu den fernsehereignissen, die man nackt genießen sollte, denn deutscher fußball ist für mich – gleich nach den schanzensprüngen der bulimischen schneehasen – die sportart mit dem spärlichsten sexappeal. unter formal ästhetischen kriterien sind profikicker zwar durchaus nicht von der bettkante zu weisen, der weg dorthin hingegen scheint schier unmöglich, wenn visuelle verlockung und starfucksyndrom keine ausreichenden anreize bieten. da der schritt endgültig alles arbeit zu nennen nicht mehr fern ist, sollte bei jedem flirt, jedem one-night-stand und jeder affäre intellektueller fortschritt mit inbegriffen sein. kein job für kevin kurányi, but: there’re sexy lawyers out there.

doch dies nur als exkurs und einsicht darüber, dass fußball nur mit bier, cigaretten und ohne female distraction zu genießen ist. das spiel gehört den jungs, die waffen der frauen ruhen. you name it, eva herman.

am morgigen montag kehrt allerdings eine fernsehserie zurück, die man auf keinen fall alleine, und gerne ohne bekleidung konsumieren sollte. zunächst kreiert der cast von curb your enthusiasm in den episoden mitsamt der improvisierten dialoge fremdscham in einem ausmaß, das nur zu zweit zu ertragen ist – blaue flecken nicht ausgeschlossen, sie mildern den schmerz. weiterhin versprüht die serie von und um larry david zwar keine erotik, doch es ist verfrüht im september bereits zu heizen. zweisamkeit unter bettdecken bietet sich an.



neben einem anlass für ausgedehnte serienabende zwischen decken und kissen (californication und nip/tuck nicht zu vergessen) könnte larry david sogar paartherapeutische funktionen übernehmen. larry ist als fiktionaler charakter für den zuschauer absolut liebenswert – because deep inside you know you're him – für seine angehörigen, freunde und geschäftspartner hingegen auslöser für gerechtfertigte wutausbrüche. somit führt er immer wieder vor augen, wie wenig anstrengend der eigene partner ist, und wie entzückend und unterhaltsam dessen macken.

warum die serie nie im deutschen fernsehen lief, ist einfach zu erklären: sie ist zu witzig, zu böse und niemals politisch korrekt. as sexy, as it gets.
larrys witze über seine eigene, jüdische religion, rassistische hunde, ein streit zwischen einem holocaust-survivor und einem teilnehmer der gleichnamigen show, in letzter sekunde nicht mit einer frau zu schlafen, weil ein foto von george w. bush ihr zimmer ziert?

hbo schickt morgen die sechste staffel auf sendung. wer die ersten fünf noch nicht gesehen hat, sollte dies schnell nachholen um die winterdepression im keim zu ersticken. ihr werdet lachen, nach luft schnappen und schmerz durchstehen; zu guter letzt ein paar neue englische wendungen zum fluchen, kommentieren und streiten aufschnappen, und ein paar eigene, böse gedanken hegen:

you ain't got no etiquette, muthafucka!


8/21/2007

a sinful night in vegas








mtv hat sich für die diesjährigen video music awards nicht lumpen lassen und den großmeister david lachapelle engagiert, um einen vorgeschmack auf die show in las vegas zu inszenieren. kanye west, die foo fighters, chris brown, rihanna und fall out boy, die allesamt für die verleihung am 9. september nominiert sind, traten vor lachapelles linse um umringt von viel barem busen, bling bling und farbenfrohen fresken ins szene gesetzt zu werden. dass mtv aber bei rihannas konterfei zum zensurbalken gegriffen hat, führt die konzeption der bilderstrecke ad absurdum.

die einzelnen puzzleteile des panoramafotos wurden an verschienen medien verbreitet und kursieren seit ein paar tagen im netz. angeblich lichtete lachapelle auch lily allen und sorgenkind amy winehouse ab, allerdings hat allen ihre teilnahme wegen visa-schwierigkeiten mittlerweile abgesagt, und ob die soul-diva winehouse nun endlich in rehab ist, sich vor den vmas den goldenen schuss setzt oder doch auftritt, ist derzeit noch unklar.

die nominierungen der jährlichen awardshow sind nicht überraschend, viel timberlake, beyoncé und rihanna. kategorien wie most earth-shattering collaboration und quadruple threat of the year klingen hingegen ein wenig ungewöhnlich. da die vmas in der vergangenheit aufgrund amüsanter moderationen á la chris rock immer recht ansehnlich gewesen sind, kann man im september auch eine ausnahme machen und es wagen, den musiksender einzuschalten. mal schauen, wie timbaland die aufgabe des gastgebers in diesem jahr meistert.


8/15/2007

consider yourself defiled



david duchovny hat einen weisen zeitpunkt gewählt, um auf die flatscreens der us-haushalte zurückzukehren. mit 47 gehört er zu den männern, die mit steigendem alter an attraktivität gewinnen, und stellt somit eine sehnlichst erwartete alternative zu hollywood's next-gen men dar, die sich scheinbar darum prügeln, wer der androgynste oder most metrosexual sein darf.

sein character hank moody in der neuen serie californication sieht aus wie ein mann, der mitten in schaffens- und midlife-krise steckt: fertig, unterschlafen, dreitagebärtig und gedankenverloren – aber der durst nach inspiration, sex aber auch familie scheint unverkennbar hinter seiner sonnenbrille hervor, die ein veilchen verdeckt, dass er sich bei der akrobatik am laken eingefangen hat.

californication flimmerte am montag abend das erste mal über die bildschirme, und gestern auch endlich über meinen. thank god he's back. david duchovny ist ein exzellenter comedy-schauspieler, was er immer wieder in den amüsanten folgen der x-files oder der larry sanders show unter beweis gestellt hat.
auch ein stückchen nerdigkeit bringt er aus seiner paraderolle fox mulder mit ein, spielt er doch einen schriftsteller dessen debut den titel "god hates us all" trägt. dieser zweifelt nicht nur aufgrund einer gescheiterten beziehung, sondern eben auch an seinen fähigkeiten als autor, nachdem sein erstlingswerk unter dem titel "a crazy little thing called love" mit tom und katie verfilmt wird. seitenhieb für den scientologen cruise?

anyway, die us-medien loben die serie schon nach der pilot-episode als eine der besten serien des jahres, legt man hank so eindrucksvoll böse bilder in den mund wie gegenüber einer seiner bettgeschichten "not only are you a cadaverous lay…", lässt ihn intelligente vagina-jokes erzählen und rundet die serie sowohl mit etablierten schauspielern als auch vielversprechenden nachwuchstalenten ab.

die erste folge gibt bereits einen guten einblick in die figur hank moody, ohne wie so viele pilotfilme zu dick aufzutragen, und lässt dennoch verlauten, dass es noch viel zu entdecken geben wird. auch, welche der drei auf die bühne geführten ladies (ex-frau, tochter und one-night-stand) letztendlich seine muse sein wird, oder jemand ganz anders.

zum schluss noch einmal von duchovny selbst auf den punkt gebracht, was diese serie so empfehlenswert macht und von anderen differenziert: "it's a comedy. it's an adult comedy. it's not an adult acting like a 6-year-old, which is what most comedies are like."


8/08/2007

tatort travemünde



sebastian kamps ist bäckersohn, und das ist auch der vermutlich einzige grund, warum die boulevardmedien ihn vor seiner gestrigen hochzeit zu einem der begehrtesten junggesellen deutschlands zählten. weder seine pausbacken, noch sein musikgeschmack begründen dies. sebastians ankunft in travemünde wurde mit seinem lieblingslied "i am looking for freedom" untermalt. ein bißchen sieht er auch aus wie the hoff, nur hoffentlich erspart er travemündes strand die rote speedo!

die staubtrockenen backwaren der franchise-kette kamps eignen sich bekanntlich nur als entenfutter und paniermehl, doch schaden angerichtet hat die familie noch nicht genug. sebastian und seine gattin gülcan, ihres zeichens selbst eine kreation der medienbranche, setzten gestern einen erneuten meilenstein in der entwicklung des fernsehens, die sowohl journalisten als auch werbern den brötchenerwerb immer schwieriger macht; denn wer hier wirbt, oder berichtet, muss verzweifelt sein. das privatfernsehen braucht keine journalisten mehr, die kommentatoren kommen aus den seniorenresidenzen ausgedienter viva-moderatoren. da weiß man, was man hat: können, charisma und kompetenz gleich null. auf seiten der werbung stellt sich die frage, welche firmen ihren agenturen noch große etats für fernsehwerbespots zur verfügung stellen möchten. fernsehwerbung mag zwar die königsdisziplin dieser branche sein, aber die mediaplaner wissen womöglich auch nicht, welche spots außer für damenrasierer, fettarmen joghurt und katzenstreu überhaupt noch ihre zielgruppen über das fernsehen erreichen, quote hin oder her.

so schreibt auch zukunftsforscher opaschowski, dass eine mediengeneration heranwachse, "die sich zwischen konsumhaltung und verweigerungshaltung entscheiden muss. […] die kleine gruppe der verweigerer verhält sich fast wie eine postmediale generation: raus aus dem medialen zeitkorsett und weg von sinnentleerten tv-ritualen, ausstieg aus cliquenzwängen, gruppennormen und oberflächlichen beziehungen. […] dies kann sich nur eine info- und bildungselite leisten - die masse bleibt weitgehend im käfig der konsumkultur."

dennoch konnten gestern abend alle zufrieden sein. prosieben erreichte einen marktanteil von 18,6 prozent, versammelte die deutsche prominenz in gestalt von kai ebel zur travemünder traumhochzeit, und mein mitbewohner fand doch noch die dvd mit den münsteraner tatorten, so dass ich anstatt dem ja-wort doch noch jan-josef-liefers mit seiner moorleiche anschauen konnte.

zur scheidung schalte ich dann wieder ein, versprochen.