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1/02/2009

happy birthday, herr schmitz



feist - my moon, my man

das tip-magazin ist eine berliner publikation ohne großen nutzwert, was auch die jahresendausgabe wieder einmal eindrucksvoll belegte: wertvolle redakteurs- und praktikantenarbeitszeit investierte das stadtmagazin in die kompilation der peinlichsten berliner, die weder überraschte, noch textlich glanzpunkte setzte. mario barth, nummer eins der tip-liste, ist beispielsweise so peinlich, dass es widerum indiskutabel ist, ihm überhaupt eine zeile zu widmen. dass die zeitschrift auch noch den nerv besitzt, ben becker als fast-drogenleiche zu titulieren und jonathan meese einen überbewerteten künstler, mag verwundern, heißt es doch in den mediadaten das blatt sei ein "unverzichtbarer begleiter durch 14 tage kultur- und szeneleben" mit "trends, tipps und empfehlungen mit hoher kompetenz". in den 100 kleinen texten könnten medienrechtler zudem nicht wenige unterlassungserklärungen, wenn nicht sogar schmerzensgelder aufgrund verletzungen des persönlichkeitsrechts herausholen. all das zeugt eher davon, dass hier im stil eines arschproleten publiziert wird (so tip über ihn und thees uhlmann angeblich über sich selbst), und die eigene peinlichkeit des magazins berlin erröten lassen sollte.

wie grau muss die jahresendzeitstimmung in den redaktionsräumen des tip gewesen sein, dass so etwas dabei herauskam? hätte das magazin eine halbwegs brauchbare liste zusammenstellen wollen, wäre eine übersicht über die begehrtesten berliner junggesellen und damen ohne ring am finger zum einen nicht nur amüsanter und charmanter zu lesen gewesen, sondern hätte ebenso vermitteln können, wie lebenswert berlin trotz o2-world und minusgraden ist. ist lobreden über schöne männerhintern zu schreiben nicht eine dankbarere aufgabe, als die kontinuierliche kritik an politikern ideenlos fortzuführen? für diese rubrik gibt es hier seit heute ein neues tag.

herr schmitz hat in den letzten jahren weit oben auf der liste berlins begehrtester junggesellen rangiert, und auch wenn er sich nun entschieden hat, schon vor dem frühling ein paar dieser gefühle zu hegen und sich in zeiten der krise vom markt zu nehmen, verfasse ich irgendwann vielleicht doch noch einmal ein loblied auf ihn. stilikone, engtanzkönig, bestmöglicher mitbewohner und blogpartner bleibt er ohnehin.
hier also dein schriftlicher geburtstagsgruß, jan. mögest du rund, gesund und glücklich bleiben und in diesem leben nicht mehr all zu viele herzen brechen. es grüßt und küsst dich tessa, dein fanclub lütgendortmund und der discoplanet spreewaldplatz.

happy birthday, good night, and good luck!




9/21/2008

bad has landed



nicht das von bernd graff titulierte web 0.0, nicht google chrome und sicher nicht 'the brave new world of digital intimacy' sind der untergang der abendländischen kultur. die vorzeichen einer solchen offenbarten sich vielmehr heute nacht in einer mir bislang unbekannten seitenstraße der friedrichstraße in berlin: in der rosmarinstraße - welch klangvoller name - eröffnete heute abend das badlands. ist der name programm? die tür ließ zunächst einen solchen verdacht aufkeinem, kamen an diesem abend doch vor allem, und diesen weg könnte man fast als charmant bezeichnen, postalisch geladene gäste. was unfreundlichkeit und arroganz generell mit stil zu tun hat, sei dahingestellt, aber die handschrift einer tür prägt nicht selten das dahinterliegende.

das badlands ist in seiner genese angelegt als zusammenwachsen von weekend und rio, von denen die zuletzt genannte quelle nächtlichen treibens vor über einem jahr versiegte. wer den einen club kannte und den anderen kennt, kann sich leicht ausmalen, dass diese mischung von publikum, die den abend tatsächlich in bildern umreißt, eine seltsame sein musste. ein satz, der mir aus meiner englischsprachigen zeit für all das, was an absurdität, fehlgeleitetem tun und krankhaftigkeit hängen geblieben ist, kommentiert folgende szene, die geschätzte sieben minuten nach meinem fußsetzen in die in die mitte berlins platzierte lokalität geschah: einen drink mit kreditkarten nachempfundenen wertmarken in der hand zu bestellen, tita von hardenberg (foto hier)zu meiner linken, zur rechten ulf poschardt, zu einem grad angetrunken, der einen mann seines alters jeglicher haltung beraubt, is just so wrong, it defies words. chosing koks, over kinder - auch das mag eine entscheidung sein, die für manche menschen bei überschreitung der fruchtbaren phase den pfad zum vermeintlichen glück pflastert, but pretty, is something else.



als schönster anblick des abends offenbarte sich erbarmungslos der junge mann im violetten nicki-pullover, fasziniert an einer fototapete dem treiben auf der damentoilette zusehend, der mich fast eine legislaturperiode zuvor das erste mal ins rio geschleppt hatte. die beschreibung, die mir gestern morgen kurz für meinen besten freund durch den kopf schoss war diese: dieser herr hat mir damals im rio den mann vorgestellt, der mir kurze zeit später das herz zertrümmern sollte. natürlich war das angeschlagene herz eine lektion an der ihn in keinerlei weise die schuld traf; das lernen über mich selbst zugleich größer als der verletzte stolz. ihn nun so zu charakterisieren geschieht natürlich mit einem dicken augenzwinkern, denn ein bild dafür, was den schmerz als im nachgang kurzweilig scheinen lässt, ist, dass ich zurzeit eher die energie eines überzüchteten rennpferds und die vergnüglichkeit eines jungen fohlens aufweise, während mein exfreund eine entzückende romanfigur abgibt, so wie er nun täglich mit dem mops seiner exfreundin, die nun freundschaftlich mit ihm, dem hund und zwei zwergkaninchen zusammenwohnt, allabendlich spazieren geht.
das mitanzusehen bricht mir heute das herz.



mein bester freund ist ohne zweifel mehr als der mann, der mir den typ mit dem schoßhund vorstellte. das schöne ist, dass er diese charakterisierung genauso lachend einzuordnen weiß, wie ich es für unsere freundschaft eher bestätigend finde, dass er mich für einen mann, der dreimal so alt ist wie ich, versetzen darf. so alt durfte ich mich gestern nacht an seiner seite fühlen als ich das badlands nicht verstand. zu verstehen gibt es da auch nichts. zum einen kann ich nur die abwesenheit eines konzepts feststellen, zum anderen eine lebensdauer prognostizieren: der plötzliche kindstod.
uns darüber einig standen wir noch eine weile staunend an der bar, gegen aufbruchszeit mit cola in der hand, und beglückwünschten uns dazu, den drang sich als nachtgestalt zu verlieren bereits komprimiert herausgefeiert zu haben, um noch vor der dreißig in ein gefüge zu stolpern, dass marktforscher lakonisch als 'urban mit werten' bezeichnen. um vier uhr morgens - fast zu früh um in berlin die nacht überhaupt zu beginnen - verlor die feldforschung schließlich an reiz. die entscheidung zu riskieren etwas zu verpassen erlaubt uns nun hier und auf der insel wieder zu unserer berufung als medienschlampe zurückzukehren - sei es nun als lobbyist, jingle-schreiber, blogger, marketer oder anchorman. die endvierziger journalisten, die zu dieser stunde noch im club ausharren, machen dann am dienstag wieder die nachrichten, die medien mit dem flair der zeit, die sich heute abend mit ästhetik der örtlichkeit, style des publikums und wahl der musik dezent zwischen 80er und 90er jahren einpendelte. auch das will gelernt sein.

ulf poschardt schloss sich nach zweifeln übrigens der meinung an, das der im netz entstehende bürgerjournalismus eine chance und kein fluch ist. sein text "die intelligenz der masse" findet sich nach dem klick. vielleicht findet er bald nicht nur einen club, sondern auch ein medium, bei dem seine anwesenheit stimmig ist und spuren hinterlässt.

update: ansonsten kommentierten noch die berliner morgenpost, i heart berlin und sonett77.