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1/15/2010

einen freiherrn im haupthaar


Selbst den Spiegel bewegte das geschmeidige Haupthaar des neuen Verteidigungsministers zu Guttenberg, eine Rückkehr des Glamours in die Politik auszurufen. Die Kanzlerin hingegen hatte es mit seidenem Abendkleid und tiefem Dekolleté Monate zuvor nur geschafft, ein bisschen Brust zur Opernnacht zu einem kleinen Politskandal werden zu lassen, in dem Kommentatoren und Medien ihr wenig modernes Bild einer Frau mit Macht und Verantwortung kundtun durften. Die Beurteilung der weiblichen Festgarderobe überlässt man aus diesem Grund wohl besser Männern mit Kunstverstand: Guido Westerwelle jubelte am Abend des Bundespresseballes Ausrufe der Begeisterung ins rbb-Mikrophon: Würde Frau Aigner in einem solchen Kleid ins Kabinett kommen, toll wäre das. In ihrem politischen Alltag ist für Frauen hingegen immer noch das Graue-Maus-Spiel im burschikosen Hosenanzug das Mittel der Wahl, möchte sie einen kompetenten Eindruck wahren.
Die Rückkehr des Glamours in das Regierungsviertel gründet sich folglich auf die designierten Herren, Pomade im Gepäck und treue Ehefrau im Knopfloch. Dass diese adelig steife Gelacktheit nicht selten mit Attraktivität gleichgesetzt wurde, zeugte von der Ödnis des Wahlkampfes und dem Ausmaß des Schönredens.


Das Magazin der Süddeutschen Zeitung hat in seiner neuen Ausgabe den adretten Freiherr noch weiter geadelt. Karl-Theodor zu Guttenberg, Minister in einem Land, das derzeit nur wenige lebende Stilikonen aufweist, scheint modisch eine solche Bedeutung errungen zu haben, dass sein Look von Teenagern begehrt und imitiert wird. Belegt wird dieses Phänomen mit einer Fotostrecke von Münchner Jugendlichen, die ihren Kleiderschrank entlang des „Noblesse Chic“ bestückt haben. Doch der erste Topf Gel entsprang mit Gewissheit der Kosmetiktasche des Vaters, das erste Jackett wurde in beratender Einkaufsbegleitung der Mutter erworben, das Seidentuch zurechtgezupft bevor Guttenberg sich anschickte, neue modische Maßstäbe im Kabinett zu setzen. Es soll Mütter geben, die freuen sich über die Goth-Phase des Sprösslings und sehen die Schürfwunden der ersten Skate-Versuche als Vorbereitung auf den Ernst des Lebens. Wie trist wären ansonsten die Fotoalben, die man der fernen Verwandtschaft zeigt?
Auch Karl-Theodor wird denken: „Huch, so sahen wir doch damals schon aus“, das große SZ-Stil-Interview aber dennoch zusagen.

Doch wenn es nach Spuren der Politik in der Mode zu suchen gilt, will ich das in der nächsten Woche auf den Laufstegen der Fashionweek in Berlin gerne tun. Besonders freue ich mich auf das Streitgespräch zwischen Petra Pau und Sascha Lobo, die darüber debattieren werden, welche Markenbotschaft das freche rote Haar sendet, ob der Look am Ende eine Hommaga an Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen ist, und weshalb der Verteidungsminister das Trendsetting für sich entschied.


6/19/2009

128 zu 389: Warum sich die große Koalition an die Bild verkauft hat und die Jugend endlich wieder die Jugend sein kann.


Bei der EU-Wahl holt die Piratenpartei in Schweden bei der Gruppe der Jungwähler (18-30 Jahre) mehr Stimmen als jede andere Partei. In Deutschland fegt eine Welle der Empörung durch das Netz, weil die große Koalition ein Gesetz durchwinkt, welches die Rechtsstaatlichkeit in ihren Grundfesten erschüttert. Die Piraten holen ein knappes Prozent. Und die Alterwürdigen huldigen der Macht.

Das System dahinter ist so banal wie kurz gedacht. Ob Henne oder Ei, die Bild entschloss sich relativ frühzeitig dazu, den Altkonservativen Rückendeckung zu geben und Ursula Von der Leyens Internetsperrgesetz ganz im Sinne der Erfinderin zu lancieren. Gegner wurden rigoros abgewatscht. Ein Schelm, wer bei der Zweckgemeinschaft Krogmann/Draxler Böses denkt. Man ist es ja nicht anders gewöhnt.

Nun ist die Bild nicht irgendein Medium, sondern vermutlich eines derer mit den größten Reichweiten. Die "Internet-Community", oder kurz "Community", wie sie inzwischen gern genannt wird, dahingegen ist ein zartes Pflänzchen, ein Sprössling, jedenfalls noch lange nicht in voller Blüte. Ihre Stimme taugt noch nicht für das Rauschen im Walde.

Wahlpolitisch scheint damit klar, was zu tun ist. Wer was gelten will, muss bei der kommenden Wahl auf Rot setzen, auf jenes mit 4 Buchstaben. So wähnt man schließlich im Zweifelsfall den Großteil der Bevölkerung hinter sich. Welcher gute Volkspolitiker käme schon auf die Idee, dem Newsgiganten in der heissen Phase des Wahlkampfs zu widerstehen und den Mann von der Straße mit Bildern nackter Jünglinge zu vergraulen? Richtig.

Die Vermutung, dass hinter dem Verhalten der Protagonisten Kalkül steckt, lässt sich ebenfalls mehr als deutlich an selbigem ablesen. Frau von der Leyen nahm ebenso wenig an Ausschüssen wie Abstimmungen betreffend "ihres" Gesetzes teil, denn wetterfest und schmutzresistent ist ihre Fönfrisur nicht. Sitzen tut sie nur im rechten Licht. Anderswo möchte man im Wahlkampf auch nicht stehen. Und wer hätte sich schon öffentlich von jemandem bloßstellen lassen wollen, dem man vorwirft, ein Päderast zu sein. Das wollte nicht einmal Herr Dörmann von der SPD.

Was aber, wenn der Wahlkampf vorüber ist? Die Parteien gehen ganz im Sinne der klassischen Wahlversprechen davon aus, dass Otto Normalverbraucher in 4 Jahren nicht mehr daran denken wird, was am 18. Juni 2009 geschah. Ob diese Binsenweisheit allerdings auch für das Internet, diesen riesigen, furchteinflößenden und interaktiven Datenspeicher, gilt, ist zumindest fraglich. Wir werden es erleben.

Nimmt man einmal an, man würde nicht vergessen, in 4 Jahren hätte man immer noch mit den Geistern, die man heute rief, zu tun: die Langzeitwirkungen des heutigen Tags könnten schlimmer nicht sein - zumindest aus Sicht der Volksparteien. Denn gerade die Jungwähler sind netzaffin, verteidigen diesen Hort der Glückseligkeit (und vermeintlich der Kinderpornographie) wie ihre Augäpfel. Sie sind es aber auch, die in ein paar Jahren darüber entscheiden werden, wer sie regiert. Denn so alt wird nicht einmal die Wählerschaft der CDU, auch wenn die Parteispitze selbst nur all zu gern vom ewigen Leben fantasiert.

Dass eine Generation heute zum Bauernopfer eines Kuhhandels zwischen konservativen Popularmedien und Regierungswilligen wurde, scheint zu groß, um zwischen Bits und Bytes zu verloren zu gehen. Denn was Jahrgängen von Politikern nicht gelang, findet man dank #Zensursula heute in den sozialen Netzen wieder: U30-Politisierung; etwas, was selbst Linksaußen schon längst ad acta gelegt hatte.

Dass das Gesetz selbst einen Angriff auf Informationsfreiheit, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, Länderkompetenzen und Demokratie an sich darstellt, bezweifeln selbst führende Rechtsexperten nicht. Insofern ist es zumindest nicht ganz unwahrscheinlich, dass dieser perfide Versuch der großen Koalition, kurz vor ihrem Ableben Machtverhältnisse und Kontrollsysteme dieses Landes im Sinne gereifter Renitenz auf den Kopf zu stellen, an der ein oder anderen Hürde, die noch auf ihn wartet, scheitern wird. Im Sinne des Allgemeinwohls wäre es allemal, wenn ein Gesetz, das Kontur mit Konjunktiv verwechselt, eine angemessene Halbwertszeit bekäme.

Was aber bleiben wird, ist das Gefühl einer Generation, nicht verstanden zu werden. Ein Gefühl, das von je her Motor der Veränderung war und nun frei nach Sascha Lobo mit dem Netz den richtigen Kraftstoff gefunden hat. Das ist es, worüber man sich in den Spitzen von CDU und SPD Gedanken machen sollte. Denn das Netz und seine Denke wird die Bild und ihre Leser zwangsläufig überholen; ein Umstand, der Futter für etwaige Projekte im niedrigen zweistelligen Bereich liefert.


6/17/2009

Ich, die Basis



Gestern gegen Mittag, als man mir, der Basis, (maximal) zuhauchte, dass die SPD sich dazu durchgerungen hatte, dem Internetsperrgesetz zuzustimmen, brachen in mir gleich mehrere Welten zusammen. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich aus einer klassisch rot eingefärbten Familie komme. Diese ist allerdings schon länger vom guten Glauben abgekommen ist., so dass mir als rebellischem Sohn nichts anderes übrig blieb, als das Fähnchen hoch zu halten und ganz konservativ beizutreten. Was sollte auch das linksbürgerliche Gebrabbel über grüne Politik, Soziales und Protest?

Diesen Schritt in die Partei habe ich bis dato nie bereut. Als Volkswirt und Marketingfetischist war ich begeistert von Gerhard Schröder, ich gestehe. Mir machte es Spaß, dabei zuzusehen, was er unter populärer Wahlpolitik verstand und wie er als Popstar des Genres auf den letzten Metern immer wieder die Konkurrenz schockte. Das war groß, ein bisschen so wie der BVB Mitte der 90er Jahre. Mit welchen Mitteln diese Größe erreicht wurde, ist für den Fan in der Momentaufnahme immer nebensächlich.

Und wenn man sich mal gar nicht mehr sicher war, dann konnte man sich darauf verlassen, dass man mit der SPD im Zweifelsfall die "gute" der zwei großen Volksparteien unterstützte. Das war ein beruhigendes Gefühl, eines, das einem Halt auf einem unüberblickbaren Feld aus Interessen, Lobbys, Macht, Lobbys und Lobbys gewährleistete. Klar war man gegen den Irakkrieg, vor allem, wenn es ein Pulle Bier dazu gab.

Für mich waren es diese zwei Gebote, auf die man bauen konnte: Entweder die SPD macht populäre Politik, um den "Guten", also sich selbst, zum Wahlerfolg zu verhelfen, oder man propagierte zumindest das Richtige, so dass am langen Ende behauptet werden konnte: "Na, wir wussten schon immer, wie der Hase läuft, aber ihr an der Basis, ihr wolltet uns ja nicht."

Diese Zeiten - vor allem die der bedingungslosen Loyalität - sind für mich als Basis persönlich vorbei. Die SPD hat mich mit ihrer Entscheidung ins Mark getroffen, mein Verständnis von Haltung, Gerechtigkeit und Angemessenheit erschüttert. Und vor allem hat sie ihren Pfiff verloren. Denn helfen kann ihr die Zustimmung zum Gesetz nicht. Weder kurz- noch langfristig. Das Gegenteil wird der Fall sein.

Dieser Tage ist die SPD weder eine strategisch denkende, intelligente noch eine Partei, die für Bürger und ihr Recht eintritt. Sie ist gar nichts mehr. Zumindest nichts, was ich, die Basis, entgegen besseren Wissens in mein Herz schließen kann und will. Eigentlich war in der Hinsicht schon Kurt Beck eine Zumutung, aber jetzt mache ich Schluss. Ich will nicht mehr.



PS: Ich bin chronisch überarbeitet. Ich muss erst noch Mittel und Wege finden, mich selbst zu organisieren, bevor hier wieder mehr passiert. Das kann aber eigentlich nicht mehr lange dauern. Ich bin ja modern. Und so.


5/14/2009

die wahlkampfarena



ok, wir waren immer eher den weichen themen zugewandt. ich zumindest. tessa hat ja schon des öfteren ihr feministisches herzblut, ich ab und zu meinen ärger über die bahn durchblicken lassen. jetzt aber haben tessa und ich dabei geholfen ein neues baby ans licht der erde zu führen. das ist mitunter auch der grund - neben meiner abschlussarbeit - warum es hier etwas still wurde.

jetzt also machen wir ernst, politik und so. der altkluge küchenstaatsmann in mir wurde schon lange nicht mehr ausgelebt, war angestaubt und mit wodka red bekleckert. es hat mir aber sehr viel spaß gemacht - das tut es immernoch -, diese grauen zellen meines hirns wieder aufleben zu lassen. und jetzt ist sie eben da: die wahlkampfarena.

vermutlich wird sie der größte online-stammtisch deutschlands, mit zig meinungen, die sich jeweils für wichtiger halten als die andere. provokativ soll sie sein, politiker, hobbyphilosophen und diejenigen, die es schon immer besser wussten als jürgen klinsmann bzw. angela merkel, sollen sich hier die finger verbrennen.

wie auch immmer, ich finde die idee klasse, weil sie einer vergessenen wählerschaft die politische debatte wieder ein bisschen näher bringt: den onlinern, die wir nun mal sind. irgendwie. und vielleicht haben wir inzwischen auch genug mp3s gehört und lustige bildchen von schuhen gesehen. vielleicht (vermutlich) auch nicht. ein blick zur seite jedenfalls hat zumindest mir nicht geschadet.

wenn ihr lust habt, schaut rein, macht es euch bequem und diskutiert ein bisschen mit, stellt fragen, präsentiert eure meinung. versteht es als spielart, nehmt es ernst, tut das gegenteil, wie ihr wollt. nach zensursula jedenfalls kann es nicht falsch sein, ein bisschen radau zu schlagen.

mehr infos findet ihr auf der startseite der wka, die faq hier und mehr zu meinem sexy arbeitgeber hier. einen heissen dank auch an die wildcards, die das alles erst möglich gemacht haben.


2/11/2009

vom wohlfühlfaktor im weiblichen wahlkampf


kinder, es hätte so schön sein können. und sie so zahlreich. die kinder.

übermutter ursula befand sich auf dem besten wege die legislaturperiode als heilsbringerin der überalternden gesellschaft zu beenden. elterngeld, mehr kitas, treu sorgende väter auf großen plakaten und weitere kampagnen mit glucksenden, satten und süßen kleinkindern. kinder, so weit das auge reicht. das war die vision. die zielsetzung einer mutter von sieben kindern, die in ihrer kommunikativen vermittlung jungen frauen nahe legte, ein baby und besser ganz viele seien ihre vaterlandspflicht. die passenden väter dazu gab es ja auf den plakaten. das wickelvolontariat debütierte kurz als verbaler spielball der medien, zeigte aber gleichsam karikierend, dass eine ernsthafte involvierung der väter in erziehung und ihre gleichberechtigte freistellung vom beruf eine realitätsferne idee war, die besonders in frau von der leyens schwesternpartei csu eher mit einem höhnischen lachen als einem mildes lächeln bedacht wurde. die familienfreundliche babykampagne flankierte die bundesfamilienministerin dann mit progressivem einsatz für eine werbung der faz. sie versteckte sich hinter der zeitung während sie in einem meer von weißen, flauschigen kaninchen saß.
wie die kaninchen, liebe bürger, ich schau auch kurz weg, doch mehret euch. das war die vision.



ob frau von der leyens brutplanung am ende des tages die kurven der frauen und geburtstatistiken signifikant beeinflusst hat, wird kaum zu sagen sein. zu zahlreich sind die intervenierenden variablen, zu dünn ist das konzept des elterngeldes als anreiz zur familienplanung zu fungieren. dabei werkelte das das bundesministerium für familie, senioren, frauen und jugend so emsig am deutschen kindersegen. so emsig, dass sich die jugend sido, die drogenbeauftragte der bundesregierung sabine bätzing und herrnkoch teilen durften, die senioren als best ager von werbeagenturen und als pro ager von dove betüddelt wurden und mädchen in sachbuch und prosa die gleichstellung der frauen und emanzipation voranpeitschten. die arbeitsteilung funktionierte. sie sollte theoretisch funktionieren. denn wenn die jugend erfüllt ist mit tugend, die omas und opas die besseren kitas sind und die frauen von morgen die männer von heute, segnet uns ein babyboom. das war die vision. dann kam die krise.



weder ist die plakatierung mit aktiven vätern noch das vorleben der perfekten großfamilie durch die vermehrungsministerin selbst der schlüssel zu einer kinderreichen gesellschaft, noch wird das schwächeln der konjunktur als maßgeblicher grund anzuführen sein, dass die graphik der geburtenentwicklung weiterhin einen traurigen eindruck machen wird. die beiden relevanten einflussgrößen, politik und popkultur (als maßgeblicher feministischer motor), haben das frauen- und familienbild sowie die tatsächliche situation nicht in eine richtung schubsen können, die den familiengründungswillen fördert.

politikerinnen, feministinnen, frauenrechtlerinnen und die dazwischenquatschenden männer fördern zunächst willkürliche weibliche stereotypen, die wiederum unter frauen neid, konkurrenz und feindschaft, aber wenig gemeinschaft und solidarität stiften. frau von der leyen will passionierte mütter, gerne mit beruf und karriere, die gleichsam ihren mann zum aktiven vater erziehen; leidenschaftliche mütter werden verachtet von frauen, die unter der fixen idee karriere zu machen wie ein mann vergessen, dass sie keiner sind und sich dennoch aufplustern wie ein hahn, obwohl es anders ginge; mütter konkurrieren auf dem spielplatz mit teuren kinderwägen, schönen kindern und pädagogischem halbwissen; hinter jeder entscheidung, sei es die kinderlosigkeit, sei es beruflicher erfolg, sei es ein einzelner sohn oder eine fünfköpfige rasselbande, wird unfreiwilligkeit, unglück, unfähigkeit oder das abkommen von der eigentlichen lebensplanung vermutet.

politik und insbesondere politikerinnen versagen in dieser hinsicht die verschiedenen facetten des frauseins zu vermitteln und anzuerkennen. besonders jungen frauen fehlen innerhalb der politischen landschaft identifikationsfiguren. was jungen frauen durch den kopf geht, wenn sie in zeitung und den politischen talk im fernsehen schauen, wenn sie sehen, wer neuer bundeswirtschaftsminister wird, das ministerium als politisches ressort, in dem gleichstellung besser aufgehoben wäre als im dem für die glückliche familie, illustriert vielleicht christine eichels kommentar, den sie zur erpressung von susanne klatten im cicero schrieb:


"es bedarf nicht allzu viel fantasie, um sich vorzustellen, welchem genre die männer angehören, die eine frau der klatten-liga bei vorstandssitzungen, societypartys und golfturnieren trifft. sie erlebt die öde selbstgefälligkeit gestandener herren, die sich mithilfe routinierter beeindruckungsprosa in bewunderung sonnen wollen. ungefragt geben sie anekoten aus dem allzu umfangreichen repertoire ihrer heldengeschichten zum besten. frauen sind ihr Publikum, ihr spiegel, ihre claque."


also gehen wir fremd. und die "öde selbstgefälligkeit" kann derart starke ausstrahlungskraft haben, dass falls das politische von frauen nicht bereits abgestoßen bei seite geschoben wurde, sie sich nicht ausschließlich thematisch orientieren, sondern auch dort politisch sammeln, wo frauen sichtbar sind, mitentscheiden, und nicht als hübsche dekoration und alibi auf den billigen plätzen drappiert wurden. der anteil der frauen, der sich als emazipiert begreift, unabhängigkeit und berufliches fortkommen schätzt, steigt nachweislich gleichsam mit dem wachsenden interesse an politik und der aktiven teilhabe daran.

dass dies spitzenkräften wie franz müntefering (spd) erst kurz vor wahlkampf einfällt und er schwammig formuliert: "wir müssen auch darüber sprechen, warum relativ wenig frauen in führenden positionen sind. ist es zum beispiel sinnvoll, etwas zu tun, was in vielen Parteien lange gedeckelt worden ist? klammer auf quote klammer zu. manchmal muss man auf zeit solche instrumente anwenden, um ein ziel zu erreichen.” dies kritisiert heide oestreich in der taz zurecht: "einer partei fällt nach zehn regierungsjahren auf, dass man ein gleichstellungsgesetz brauchen könnte? derselben partei, die vor acht jahren dieses gesetz bereits vorgelegt hatte und es dann selbst per kanzlerdekret wieder einkassierte?" den vorsprung, den oestreich der union im weiblichen wahlkampf attestiert - "wenn münterfering gegen die strahlkraft, die von der leyen und merkel allein durch ihre anwesenheit erreichen, etwas ausrichten will, wird ein bisschen quotengemurmel nicht ausreichen" - sehe ich allerdings nicht.

frau von der leyen repräsentiert auch nach haarschnitt nicht den modernen frauentyp noch die Politikerin, der junge wählerinnen begeistert und inspiriert. wer einen kreativen ansatz zum thema gleichstellungspolitik aus dem zuständigen ministerium sehen möchte, dem sei ein blick in den medienkoffer "frauen und männer - gleich geht´s weiter" empfohlen. dazu staatssekretär gerd hoofe: "wenn schülerinnen und schüler zum beispiel sehen und hören, wie breakdance-kids über gleichstellung denken oder selbst aufgefordert werden, einen rapsong zum thema zu machen, setzen sie sich intensiv mit ihren zielen und dem eigenen rollenverständnis auseinander. das hilft den mädchen wie auch den jungen dabei, ihren eigenen weg zu gehen - in beruf und familie." ich vermute, nein ich weiß, dass dieser koffer bei den schülern der 9. bis 12. klasse, für den er vorgesehen ist, für spott sorgen wird, aber nicht zum nachdenken.

angela merkel wird nun abermals im wahlkampf nicht als frau, sondern als neutrum in erscheinung treten. niemand fordert flammende feministische reden. ein bekenntnis zum frausein bedarf keinen staatsakt. ein frauenfreundlicher wahlkampf bedarf aber auch keine babys auf wahlplakaten. frauen bedürfen keine karrieren nach männlichen mustern, aber nach ihren eigenen.

liebe ursula, liebe angie, die frauen von morgen werden weder die mütter, noch die männer von gestern und heute sein. der wohlfühlfaktor im weiblichen wahlkampf wird schmerzlich vermisst.


12/28/2008

botox und bilanzen



bilanzen und eine kritische rückschau mögen in der finanzwirtschaft ihre berechtigung haben, und sollten sicherlich rigoros getroffen werden, wenn im nächsten jahr aus all unseren fähigen volksvertretern eine neue bundesregierung zusammengewürfelt wird. vor allen dingen sollte der blick auf den wahlzettel aber vorausschauend und mutig geworfen werden. den alten zeiten hinterhertrauern ist für und und unsere kandidaten das falsche rezept. wie viele andere stimmen den öffentlichen lebens klagen diese immer noch darüber, dass die zeiten sicherer koalitionsbildung vorbei sind, anstatt sich den herausforderungen des wandels im parteiensystem zu stellen. die cleavage-theorie greift auch 2009 maximal für eine annäherung an angela merkels modischen gehversuche zu den wagner festspielen oder dem bundespresseball.

die park avenue wird sich nicht mehr darüber wundern, die vanity fair in gewohnt dilettantischer weise. doch was kommt? bei knicken schauen wird nach vorne; schaut euch gerne die jahrescharts an anderer stelle an. über die tag cloud könnt ihr euch zudem einfach durch all das, was schön und mit einem funken popkultureller relevanz versehen war, schnell navigieren. der winter plätschert weiter; die lackleggins halten die mädchenbeine warm, aber auch im angesicht dieser ästhetischen grausamkeit darf die verliebtheit der kalten jahrestage ähnlich heftig klopfen wie im dritten frühling. das war auch wohl der eine grund, warum es bei knicken in den letzten wochen etwas ruhiger verlief. die anderen liegen in der flut exzellenter musik, die noch zum jahresende an die oberfläche trieb, und die friedliche und fruchtbare koexistenz von web- und printmedien. zwei musikalische auswüchse von gefühlt bedeutsamen rang und ein mediales schätzchen habe ich heute ausgewählt, auf deren schultern ich ins neue jahr blicken möchte. zum einen wäre da die school of seven bells die mein herz von brooklyn aus erobert hat und deren vorstellung ich mit einem interview bei lost at e minor beschließen möchte. ihr album alpinisms gehört so fest zu knickens musikalischem winter-repertoire wie die kirche ins dorf.


school of seven bells - i am under no disguise (dl) (ysi)





auch deutsche klänge melden sich im januar zurück. die berliner band klez.e hat in den vergangenen monaten ein album aufgenommen, das an bombast kaum zu überbieten ist. ein 20köpfiges orchester und 40 sängerinnen und sänger unterstützten die band bei ihrer platte 'vom feuer der gaben', die mit ihrer veröffentlichung am 30. januar 2009 einen maßstab im deutschen indie setzen wird, dem die branche für einige zeit hinterherhecheln dürfte. die erste single-auskopplung 'wir ziehen die zeit' erscheint bereits am 2. januar bei loob musik. ich habe als prelistening 'madonna' für euch ausgewählt. zudem empfehle ich euch ein von robert stadtlober hervorragend geschriebenes portrait über sänger tobias siebert, zu finden an dieser stelle.


klez.e - madonna





aber nun zu den schriftstücken: print ist tot, studivz sowieso und an blogs glaubt deutschland auch nicht. so weit, so gut. ich habe knicken die letzten monate nicht besonders gehegt, mein modischer mädchenblog flannel apparel könnte auch besser im futter sein, doch das alles hat einen grund. ich habe in den letzten monaten bei der wochenzeitung freitag an deren neuem erscheinungsbild gefeilt. anfang februar ist es soweit. die website, die zur zeit noch mittelalterlich anmutet wird in etwa einem monat einem onlineauftritt weichen, der vielleicht den zeitgeist der so genannten web 2.0-generation trifft, ohne dabei inhalte zu vernachlässigen. wer eine wirkliche alternative zu der qualität der deutschen printmedien im netz sucht, wen das zum boulevard verkommende spiegel-online erschaudern lässt, wer ein medium sucht, das das netz nicht als untergang der abendländischen kultur verschreit, wer lechzt nach neuen und frechen ideen, sollte den freitag im auge behalten. mein engagement beim freitag zeigt außerdem, dass die investition von liebe und zeit in ein kleines weblog - sei es nun zu musik, mode oder mädchenkram - mehr wert sein kann als praktikum nach praktikum in großen medienhäusern oder die freie journalistische tätigkeit für die lokalzeitung in der heimat. wer knicken liest, wusste das im zweifelsfalle schon, doch vielleicht ist es an dieser stelle noch einmal zeit dafür jan dafür zu herzen, dass er mich ins kalte und unbekannte wasser des bloggens schmiss, und ich irgendwann wieder wusste, dass ich zu recht irgendetwas mit medien studiere, auch wenn ich all mein rüstzeug für das leben in diesem dschungel abseits der uni erworben habe. eine weitere ausführung und liebeserklärung ans bloggen findet ihr hier.

danke, für dieses charmante jahr.



12/06/2008

a husband in paris

oder die große koalition als scheinehe


Shahab, Kellner und Kunsthändler – Pont Neuf, July 2007


Gabriel, Maître D’ – Brasserie Balzar, September 2007


Sébastien, Redakteur – Bastille, July 2007


Pierre, Anwalt – Pont des Arts, July 2007


Pierre, Architekt – Rue de Buci, August 2007

kalkül und liebe. vermutlich enger verflochten als das wortpaar nebeneinander gestellt vermittelt. nicht nur auf zuneigung basierende beziehungen, eltern-kind- konstellationen und gehorsame schoßhunde operieren an vielerlei ansatzpunkten mit berechnenden gedanken - meist noch bevor die liebe da war, und immer noch, wenn sie sich bereits verflüchtigt hat - kalkül und liebe haben ebenso in der politik ihren festen platz.

kalkül, so schreibt philip grassmann im aktuellen freitag, sei stets angela merkels präferierte strategie gewesen, verhalf ihr zum aufstieg innerhalb der "männerpartei cdu", führte sie als erste kanzlerin ins amt. belohnt wurde diese taktik mit liebe, oder um im duktus von politischer tuchfühlung zu bleiben: mit beliebheit. frau merkel flogen die herzen entgegen, die krone der politischen charts, die nackenmassage von george bush. die temporäre ehe von cdu/csu und spd mit liebe zu füllen vermochte frau merkel hingegen nicht. die große koalition ist dabei keine gescheiterte ehe, in der partner sich dulden, viel schweigen und die wenigen entscheidungen des alltags auf dem kleinsten gemeinsamen nenner treffen: sie war stets scheinehe. das bündnis der derzeit regierenden parteien besaß nie einen funken liebe, den koalitionen bisweilen versprühen - mit dem partner flirtend, zumindest zu anfang das feuer einer affäre verspüren. wie auch für die meisten scheinehen üblich verwaltete die große koalition ihre zweisamkeit und das land, ohne zu gestalten, ohne fruchtbar zu sein, ohne kinder. der zweck der liaison galt vorrangig dem verbleib an der spitze des machtgefüges, so wie die ehe als schein dem gatten oder der braut den aufenthalt im land garantiert.

man muss kein experte sein, um prognostizieren zu können, dass ein wahlkampf im stil von barack obama hierzulande vorrangig an fehlender leidenschaft, liebe und charisma scheitert und erst danach an den völlig verschiedenen rahmenbedingungen. nicht nur die linken scheitern daran, dass sie die herzen der menschen nicht mehr füllen können, wie jakob augstein vor kurzem schrieb: auch die großen parteien werden hart daran zu knabbern haben, dass inhaltliche aussagen alleine nicht ausreichen werden, um dem wahlkampf ein wenig glanz zu verleihen und dementsprechende effekte zu erzeugen. nach drei jahres des merkelschen zauderns verblasst die begeisterung der deutschen wähler über ihre kanzlerin merklich, schwächt nicht nur ihr eigenes ansehen sondern auch die union und könnte zu dem führen, was philip grassmann zu bedenken gibt: "eine geschwächte kanzlerin ist für franz müntefering und frank-walter steinmeier die beste voraussetzung für eine neuauflage der großen koalition nach der bundestagswahl im kommenden herbst". es ginge weiter, mit wenig feuer.
dabei scheint es fast bizarr, dass die partei, die den wert der ehe hoch ansiedelt und sie homosexuellen paaren weiterhin verwehren möchte, durch eine farblose kanzlerin in einen weiteren turnus eines ehebündnisses geführt wird, in dessen charta die infertilität eingraviert ist.

die fotografin katarina radovic hat sich der natur der scheinehen auf der künstlerischen ebene genähert. für ihre fotoreihe 'a husband in paris' übernahm sie selbst die rolle einer jungen frau, die sich in paris auf die suche nach einem mann begibt, der mit ihr eine scheinehe eingehen würde, um ihr den aufenthalt im land zu ermöglichen. sie sprach die männer zunächst mit diesem anliegen an, um sie kurz darauf über ihr eigentliches vorhaben aufzuklären: die fotografische inszenierung eines scheinehepaares. auf diese weise entstanden portraits von männern unterschiedlicher berufszweige mit der vermeintlichen frau fürs leben. portraits von ehen als verwaltungsakt.

"The aesthetic complexity of these staged images surpasses the strictly political aspects and stretches to romantic relationships between possible marriage partners as well as the seduction of the young woman who, in her appointed role, does not hide that she is "in the hurry"."

die vollständige serie findet ihr bei lensculture mit weiteren ausführungen der künstlerin. katarina radovic und paris bieten hier die zweisamkeit als bühnenstück als variante der scheinehe, die mehr glück, romantik und weitaus mehr perspektive als eine große koaltion verspricht.


11/14/2008

gefangen im farbtopf



knicken bekommt dieses wochenende eine portion greenwashing ab, denn ich blogge von der 28. bundesdelegiertenkonferenz der grünen. dem kurztrip nach erfurt habe ich sogar das fantreffen der bösen onkelz geopfert, dass morgen in berlin stattfindet aber auch so von kollegen vom f***magazin beäugt werden wird. meine beiträge die inmitten gängiger klischees, viel kaffee und einer flut von redebeiträgen entstehen findet ihr bei meinem mädels-blog flannel apparel. vom virtuellen raum in die messehallen erfurt haben es auch geschafft: jens vom pottblog, lukas von coffee & tv, regine sowie ekrem vom jurblog.


10/11/2008

david choe for obama



david choe für barack obama. mehr politisches in kunst gegossen gibt es bei design for obama.


10/10/2008

america. the gift shop


regions destabilized while-u-wait!
neon, glass, 20"x30", 2008


inflatable guantanamo bay bouncy prison cell
reinforced nylon
6'x8', 2008

"if american foreign policy had a gift shop, what would it sell?" - america. the gift shop. ein projekt und weitere von phillip toledano.


mehr für die mädels gibt's hier drüben.


9/09/2008

if i ever get married



kurt blames the media, you might blame erik hallden. zusammen mit dem am idyllischen schwielowsee abgetreten spd-vorsitzenden und einem der hermelinkaninchen aus dem musikvideo zu lützenkirchens drei tage wach hat der schwedische sänger sein jazziges "if i ever get married" auf zelluloid gebannt. so etwas macht vermutlich mehr spaß, als mürrischen berliner parlamentskorrespondenten die nuancen zwischen links und der linken aufzuzeichnen, zeigt aber vor allem uns mädels: es gibt nicht nur jens lekman.


9/01/2008

the week in words and snapshots #3



der montag geht seiner verkaterten natur angemessen auf seichten schritten an die startlinie. ein paar texte, geschehnisse mit mehr oder minder famosem nachrichtenwert und gedanken zur roten gefahr sollen hier als schlusslicht der worte zum sonntag dienen.

die woche wurde quer durch alle medien von frauen dominiert; ein trend, der sich am montag fortsetzen sollte: mccains running mate sarah palin wird es die nächsten monaten nicht leicht haben; nun stellt sich auch noch kurz nach der verkündung ihrer funktion heraus, dass ihre minderjährige tochter ein kind bekommt. es bleibt abzuwarten, wie die republikanische anhängerschaft damit umgeht, ob es nun fluch oder ein segen gottes segen. dieser auftakt wird sicherlich nicht die letzte geschichte, gerücht oder vorwurf mit dem fokus frau im amerikanischen wahlkampf gewesen sein.

in der wochenendausgabe der süddeutschen zeitung sollte laut überschrift des interviews renate künast zum thema männer zu wort kommen. sie durfte sich dann doch nur zu alphatier joschka, feminismus und ihrem kurzhaarschnitt äußern. online ist der text leider immer noch nicht, die mädchenmannschaft hat sich die mühe gemacht, auszüge abzutippen.



der freitag widmet sich, und so kann ich sie nach kurzem nachdenken wirklich bezeichnen, meiner lieblingspolitikerin gabriele pauli. dies mache ich vielleicht nicht an ihren politischen ideen fest, aber auch ob meine zaghafte zuneigung zu frau pauli nun an ihren roten haaren, dem latex-outfit oder ihrer art die alten herren der csu in höchstem maße zu irritieren liegt, vermag ich kaum zu sagen. vielleicht gründet sich meine entscheidung auch auf die ermangelung von alternativen. kluge worte zur 'schönen landrätin' findet ihr in "pumps und gummistiefel" von mathias wedel und barbara vinkens hier schon öfter erwähnten worten, die sie schon anfang 2007 im sz-magazin veröffentlichte. hier die wikipedia-reife beschreibung der politikerin mit kupferhaupt:

"natürlich haben manche, denen fast jede frau, die in der politik auftaucht, ein rotes tuch ist, die männerbündelei unserer machteliten zu verteidigen versucht. die roten haare von gabriele pauli kamen ihnen dabei besonders zupass. diese farbe steht – wie jedes kind spätestens aus populären krimiserien wie jerry cotton weiß – für erotisch besonders aufgeladene frauen, die ohne die wärme der dunkelhaarigen und die unschuld der blonden auskommen und in ihrer eiskalten herzlosigkeit für männer fatal sind. über frau pauli wurde immer wieder die geschichte einer rothaarigen hexe erzählt, die mit den unredlichen waffen der weiblichkeit – rhetorik, moderne pr und attraktivität – schamlos um die gunst des publikums buhlt. ohne jede sachorientierung, die nun einmal sache der frauen nicht sei, kaschiere ihr unverhohlener wunsch, mit dem messer in der hand den männern ans leder zu gehen, nichts als frustrierte karrieregeilheit. ihre unersättliche eitelkeit sei auch durch das licht der scheinwerfer, in dem sie sich sonne, nur kurzfristig zu stillen. interessanterweise hat diese geschichte aber nicht verfangen. das publikum wollte von hysterischen rothaarigen hexen nichts hören und hielt zu seiner tapferen, schönen landrätin, die den mann an der spitze zu fall gebracht hat."



vielleicht bekomme ich nun wieder auf den deckel, mein eigenes haupthaar zum thema zu machen, aber nicht nur mein erstes biometrisches passbild, das ich in der letzten woche zum bürgeramt trug und so verdächtig leuchtet, dass ich vermutlich mit diesem reisepass noch oft verhört werde, rechtfertigt vereinzelte worte zur roten mähne: zum einen traf ich eine artgenossin die in münchen mit ihrem schreibtalent das netz beglückt und mit dem stichwort muffin top den modejournalismus meines geschmacks betreibt, zum anderen widmete sich lisa von la lila den ginger kids, lea der perfekten hexe, prosieben führte mit boris becker und jan ullrich sogar zwei männer der rötlichen haarpracht zusammen und mein jugendschwarm und serienpartner der rotschöpfigen gillian anderson, david duchovny, begab sich wegen sexsucht in behandlung. scheinbar hatte der charakter hank aus duchovnys letzter serie californication ein wenig ähnlichkeit mit dem akte x-star.

aber genug zu roten haaren und anderen lastern, bei broadsheet gibt es noch einen bissigen text zu dress codes und eine annäherung an die frage, ob das semikolon ein mädchenhaftes satzzeichen ist, während das sz-magazin vor kurzem befürchtete, es könne aussterben, xx factor gibt unter dem stichwort misogyny gap zu bedenken, dass sarah palin zwar frauenfeindlichkeit zu spüren bekommen wird, aber niemals den spitznamen "she-devil" bekommen wird, jezebel erklärt warum mccains wahl einer frau keine wahl für frauen ist und widmet sich außerdem den deutschen sternchen bei den first steps awards, prinzessin letizia hat eine neue nase und das nivea sofa keine cellulite mehr. die welt scheint wunderbar in ordnung.


8/16/2008

night blogging



als lektüre zur samstagnacht gibt es den zweiten teil der von mir ausgewählt und hier abgedruckten blogs, die - wenn ich knicken und flannel apparel als meine zöglinge bezeichne - wohl so etwas wie die patenkinder meiner wahl sind. für die kommenden wochen dürft ihr weitere blogwatch erwarten, dann auch mit themenschwerpunkten à la spieglein spieglein, turntables und herzschmerz.

www.discodust.blogspot.com
aleks betreibt in frankfurt die kultstätte für elektronische tagesfragen, die in sachen internationaler vernetzung den rest der deutschen bloglandschaft blass aussehen lässt. es wäre ein wunder, wenn er neben all dem ruhm nicht doch noch reich damit wird.

www.dlisted.com - be very afraid
michaels bitterböses klatschblatt ist mein morgentliches bauchmuskeltraining und blog mit höchstem suchtpotential. er hat zudem die hofberichterstattung für pete doherty übernommen, welchen er liebevoll dreamboat nennt.



very voung millionaire
brad troemel ist mehr als ein weiterer von babes und skateboarding inspirierter fotograf anfang 20. brad glaubt an die Zukunft digitaler galerien und museen im netz, befasst sich mit rekontextualisierung und dem „blink 182 effect“; seine ideen formuliert er daher nicht nur fotografisch, sondern ebenso in verdammt smarten texten.

david’s medienkritik
muss man den bild-blog lesen, wenn die mechanismen hinter deutschlands auflagenstärkster zeitung auf der hand liegen? die politisch inkorrekten beobachtungen von kaspar david und ray drake zur deutschen medienberichterstattung aus amerikanischer sicht könnten hingegen besonders obama-euphorisierten lesern die notwendigen neuen blickwinkel eröffnen.



broadsheet
salon's frauenblog springt in eine nische, die in deutschland immer noch unentdeckt ist. als allumfassendes frauenmedium verzichtet sie weder auf politik- und wirtschaftsthemen, noch auf die männer. broadsheet glaubt nicht nur, dass männer unverzichtbarer bestandteil aller debatten um frauenfragen sind, sondern hat selbstverständlich eben diese in redaktion und leserschaft integriert.


8/12/2008

let's try this without talking



sprüche-shirts sind ein delikates unterfangen, denn sie erfordern feingefühl, charme und verstand. die mehrzahl der für sich sprechenden hemdchen, die auf deutschen straßen zur schau getragen werden und gerne als urlaubssouvenir in die heimat eingeführt werden, schlagen oftmals unterhalb des gürtels zu, sind sexistisch, prollig oder entwaffnend dumm. in den seltensten fällen kleidet so ein t-shirt seinen besitzer zu dessen vorteil.
in meinem schrank wohnen einige bandshirts, die ich aber meist nur als nachthemd benutze, obwohl man sich für ein smashing pumpkins 'zero' shirt im raglan-style und meiner größe eigentlich nicht zu schämen braucht. mein erstes eigenes shirt mit einer phrase erwarb ich dann diesen april auf dem konzert der teenagers, saying: being a teenager is not a crime. diesen kauf tätigte ich aber auch eher, um aus glasgow etwas mitzubringen. eine identifikation mit diesem spruch besteht - zumindest zum jetzigen zeitpunkt- nicht. das shirt kam für mich ein knappes jahrzehnt zu spät. das zweite mit großbuchstaben verzierte kleidungsstück, das dieses jahr den weg in meinen besitz fand, ist das i eat food shirt, für das ich mir immer noch keine finale geschichte zurechtgelegt habe. die essstörungsproblematik braucht aus meiner sicht keine gesteigerte aufmerksamkeit. die initiative der bundesregierung ist wie so viele andere aktionen scheinpolitisch, und vielleicht hätte sie vor diesem aktionismus mit betroffenen sprechen, und nicht die anklage gegen modeindustrie und medien ohne viel zu denken übernehmen sollen. wer hier die lösung sucht, wird an den mageren antworten selbst verhungern.

nun flatterte heute eine mail von einer mir unbekannten firma in mein postfach. werbemails kann ich nicht ausstehen, doch siehe da: diese hatte ihre berechtigung und war ein kleiner lichtblick in diesem verregneten nachmittag. i love boxie designen schlichte weiße, wortgewandte sprüche, die man ohne scham tragen kann. einige exemplare gehören sogar mit rahmen und passepartout an die wand.

moxie beschreibt ihr motivation diese t-shirt-linie zu machen folgendermaßen: "i used to go out with a t-shirt maker. when we broke up i wrote 237 pages saying goodbye. he made a t-shirt saying the same. the t-shirt was better."

die wurzeln kreativer ideen liegen oftmals im schmerz. wäre ich nicht gerade bester dinge, wäre knicken ein news-ticker. there'll be times. und sollte mich das schicksal meines lieblings-shirts der kollektion half a conversation ereilen, wird knicken durch die decke gehen. das shirt sagt voraus:

hey,
you and i
are going to have
a big
love affair
and it won't work
but somewhere in
the middle
my god, we tried


die komplette kollektion findet ihr nach dem klick, weitere informationen zu i love boxie gibt es auf ihren webseiten und im untenstehenden video.


t spoke 23 from moxie dalston on vimeo.


7/31/2008

the truth is out there & discodust is in berlin



manche behaupten, grindin sei so etwas wie die secret society der mp3-blogger. in teilen trifft dies sicherlich zu, aber zum einen akzeptiert grindin frauen, zum anderen tragen wir unsere pläne stets in die öffentlichkeit: so eben wurde wolfgang clement von der deutschen delegation abgeworben, damit überbleibsel der spd wenigstens in ein paar monaten noch im netz zu finden sein werden. die spd streitet sich derweil lieber noch ein bißchen weiter, denn umfrageergebnisse auf einem all-time-tiefstand haben immer noch nachrichtenwert. politikblogger möchte clement hingegen nicht werden. er brütet emsig über einer deutschen adaption von hipster runoff. clement hat blogs verstanden.
weblogs werden in deutschland zwar weiterhin geflissentlich unterschätzt, wir werden aber gerade im herannahenden bundestagswahlkampf wohl noch einige hochtrabende ideen zu ihrem einsatz hören. ich gehe an dieser stelle gerne wetten ein, dass unbescholtene jungspunde der parteien sich schon jetzt in klausur darüber die köpfe zerbrechen, wie sie blogs infiltrieren können um sie im wahlkampf für die jeweilige partei auf stimmfang zu schicken. zu spät für die spd, und ebenso attestiere ich für diesen zweck den deutschen parteien gerne: it's not gonna happen. einzige möglichkeit: sie kaufen aleks und bringen in kollaboration mit discodust eine wahlkampfhymne auf den weg und flehen um die unterstützung von clements hipster blog.
man sieht mal wieder, bloggen birgt jede menge spaß. vor allem sind blogs aber eine wunderbare ausrede für uns kinderlose.

das kinderthema ist auch in dieser tage in den printmedien omnipräsent. sogar der cicero, seines zeichens zeitschrift für politische kultur, macht mit dem baby-thema auf: "das neue baby-wunder." blond und blauäugig strahlt das wunderkind vom titel. ein wenig irritiert war ich weiterhin darüber, dass der cicero sich nun in touch-ähnlicher ankündigungen auf dem deckblatt bedient: wer ist angela merkels mann wirklich? die sterbe-industrie in holland; was obamas vater über den sohn verrät.
das die tage erscheinende face-magazin präsentiert sich mit dem schwerpunkthema: wer kümmert sich um die kinder? nun, hier wird davon ausgegangen, dass die kleinen racker schon da sind, während der cicero uns erkenntnisse darüber liefern will, warum nun wieder so viele kinder geboren werden. im face-magazin erzählen stefan weidner, rza und mark wahlberg von ihrem engagement für kinder, weiterhin gibt es literarische leckerbissen von stefan kalbers, jan off und roman libbertz.

ich durfte hingegen zum face-magazin beitragen, weil ich noch keine kinder habe. ich kann es mir erlauben im nassen kleid durch berliner brunnen zu hüpfen, und - hier meine these zu kinderlosigkeit und blogs - stelle meine zehn kleinen lieblinge vor. mein kinderäquivalent, für das ich manchmal die nacht zum tage mache. wenn man als vermeintlicher akt der ultimativen problemlösung nach berlin gezogen ist, wird man sich früher oder später einen blog anschaffen, den man bemuttern kann. für die katze ist in der mietwohnung kein platz oder die hohe feinstaubbelastung hat unsere allergieproblematik auf die spitze getrieben; als logische folge des kindes als allgegenwärtigen style-accessoire im prenzlauer berg muss man diesen trend boykottieren. wer ist hier überhaupt noch fruchtbar, nach jahren auf raves, im berghain und in der bar25?

ich kümmer mich nicht um die kinder, sondern um knicken. das ist in der tat auch sehr zeitaufwendig, und meine augen leuchten, wenn ich sehe wie der kleine wächst und gedeiht. eine vorbildliche patchwork-familie sind jan und ich außerdem: unverheiratet, ungetauft und mit weiteren partnern. zudem war er es, der mit knicken schwanger geworden ist. wenn das kein stoff für hollywood ist.

wie dem auch sei. freitag abend ist die aus frankfurt stammende kultstätte für elektronische tagesfragen in berlin zu gast. im scala geben sich aleks von discodust, miss toats und ihre gefolgschaft die ehre. das ist natürlich kein schrulliger blogger-pflichttermin wie eine twitterlesung oder die republica, bei der zum thema frauenblogs männer schlicht aus dem raum geworfen wurden. der morgige abend im scala ist einfach eine tanzveranstaltung der extraklasse, auf der sicherlich auch ein paar blogger zugegen sein werden. im kern geht es hingegen immer um inhalte, in diesem fall um musik.

anything you need to know is here. click it, dress up and dance with us.




7/20/2008

the week in words and snapshots #2



here we go again und ich schreibe flugs zusammen, was ich zwischen fashion week und abschied vom lobbyismus gelesen habe - oft dabei auf meinen ohren: modern guilt von beck, das es auf seiner website als stream gibt. als eye candy-support agiert heute die gottbegnadete alex prager die lost at e minor ein aktuelles interview gegeben hat.



in berlin krochen zur fashion week die blogettes hinter ihren bildschirmen hervor und trafen sich abseits der kommentarfunktionen und twitter zum plausch. als jessie von les mads im kräftezehrenden spagat zwischen bloggen, roten teppichen und sekt zum überleben die berliner bloggerinen mit augenzwinkern als elite bezeichnete, löste diese begriffswahl eine giftige diskussion aus, in der außerdem von seiten der leser proklamiert wurde, die mädels seien ihnen nicht stylish genug, um deutsche fashion-blogger überhaupt zu repräsentieren. aus meiner sicht ist das mal wieder ein wunderbares beispiel für sexismus unter frauen, die sich selbst untereinander zunächst am aussehen, und dann an talent und leistung messen.



und um noch kurz bei der deutschen blogosphäre zu bleiben: morgen widmet der spiegel drei seiten der aktuellen print-ausgabe einem deftigen tadel an die blogger: "deutsche online-schreiber haben ein problem entdeckt: sich selbst. im vergleich zu ihren us-kollegen fehlt es ihnen an macht und bedeutung, um die öffentliche debatte mitzubestimmen. die meisten sind unpolitisch und rechthaberisch, selbstbezogen und unprofessionell." (via medienlese)
nerdcore hält mit seinem beitrag warum blogs in deutschland funktionieren unabhängig vom spiegel-artikel dagegen, und argumentiert meiner meinung nach höchst stringent, warum viele blogs nicht funktionieren:

"und das liegt vor allem daran, dass in amerika blogs auch von ihren machern grundsätzlich ernster genommen werden, als hierzulande. denn in deutschland herrscht immer noch die meinung in einigen kreisen der blogosphäre vor, blogs wären vor allem dazu da, katzenbilder und schöne texte über die fahrt ins grüne zu posten und es gibt (noch) viel zu wenige blogs, die postings bringen, die eben auch für menschen interessant sind, die keine verwandten sind oder literarisch interessiert. es geht also letztlich um interessanten content und nicht um irgendwelche banner."



hipster run off erklärt hier, wie schöneres bloggen aussehen könnte. eine auswahl seiner themen: deep design stuff, organic g-string recommendations, concerts in second life und bloghouse existentialism.



zum abschluss gibt es noch eine kleine link-sammlung mit politik und anderen essentiellen dingen für ein mid-twenties-life: im sz-wochenendteil gab es ein kabinettsttück über politiker im fernsehen und ihr vorprogrammiertes versagen in talk-shows, das sz-magazin mischt cocktails nur mit sake, gin und vermouth und vergibt b-noten für sexappeal im sport, beate wedekind überrascht den tagesspiegel zum 20. geburtstag der elle mit der aussage: tussis sind smart und gerne auch über 50, john dickerson schreibt bei slate über wahlkampfkunst und the high campaign art of killing your friends, der cicero wagt den vergleich von angie nahles und angie merkel, stuckrad-barre vermutet im gleichen heft, kurt beck sei ein hologramm und findet rauchen im ice sei wie bushido für abiturienten und bei den teenagers gibt es neue bilder vom treiben ihres unwesens in moskau und beim melt. wenn du die teens magst: check out fanboy/fangirl. cheers to grindin and mp3 via bigstereo.


fanboy/fangirl - scion money (ysi)



erholt euch gut von dem nassen spaß. gute nacht.


7/19/2008

the shock of pleasure



für den kaffee vor der samstag nacht und die wund gelaufenen füße auf den roten teppichen der berliner fashion week gibt es einen beitrag von shock of pleasure aus dallas, die 'superstar' von the carpenters mit pochender, elektronischer handschrift neu interpretiert haben. nicht zuletzt die stimme von sängerin kelley christian bietet anlass, das im herbst erscheinende album 'it's about time' einmal näher in augenschein zu nehmen. mehr von der band hören könnt ihr auf ihrem myspace.


shock of a pleasure - superstar (ysi)



natürlich birgt dieser blogpost wieder einen zarten bezug zur fashionweek herself. karen carpenter war 1983 eine der ersten öffentlichen figuren, die an den folgen ihrer magersucht starb. im rahmen der modeshows erinnerte das bundesgesundheitsministerium daran, dass erst vor wenigen tagen branchenvertreter die nationale charta der deutschen textil- und modebranche im rahmen der "initiative leben hat gewicht" unterzeichnet hatten, hohlwangige mädchen aber weiterhin standard auf den laufstegen seien. vertreter der modebranche hingegen beklagten, vom ministerium bislang nicht in die initiative eingebunden worden zu sein.
um barack obama wird sich gesundheitsministerin schmidt wohl auch sorgen, sollte er im rahmen seines deutschlandbesuches neben kurt beck fotografiert werden.


wonne von der waterkant



berlin woman, schneid deine haare ab und du bist frei. und wie wahr: dieser tage festigt sich die befürchtung, dass berlin in den kommenden monaten nicht mehr zur ruhe kommt. die fashion week ist unter diesen anzeichen nur ein hübsch anzusehendes, champagner verwöhntes mauerblümchen, dem man sich leicht entziehen kann. vielmehr nagt der politische habitus der stadt merkbar stark an dem gefühl, in einer hauptstadt zuhause zu sein.

das politische sommerloch, das kurz nach der konstituierung der bloßen koalition begann und von da an lediglich zäher und bornierter wurde, labt sich an reibereien über die politische eventkultur. die regelmäßige kommentierung über die seelische und sportliche form vom schweini & poldi durch angela merkel scheint nur noch eine frage von wochen, und mit vergleichbar trügerischer vehemenz, wie die spitzenpolitiker derzeit über eine legitimation eines berlin besuchs von barack obama und die platzierung seiner bühne streiten, ist ihre stille hoffnung auf ein foto mit dem amerikanischen präsidentschaftskandidaten. denn solch ein schnappschuss wäre für jeden deutschen politiker samt partei hinsichtlich des unmittelbar bevorstehenden deutschen wahlkampfs eine größere stütze als ein bild mit bush, sarkozy, ein besuch bei der fashion week, den wagner-festspielen oder im fußball-stadion. für obamas rede sind bereits großleinwände auf einer art fanmeile im gespräch - zu gute kommt das nicht nur ihm. hätte er nur ein paar wochen gewartet, hätte man ihm auch die o2 world anbieten können. vielleicht wären dann sogar bundespolitiker in die diskussionen um mediaspree in 'ihrem' berlin eingestiegen. die entstehung der baupläne, der debatte und der umgang mit der problematik von seiten der landesregierung und dem bezirk behält weiterhin einen absurden touch und zaubert auch fragezeichen auf die stirn von nicht-berlinern.

die knut-nachfolge, ameisenbär adolpho, hat tragischerweise nicht genügend kindchenschema gefrühstückt, um die berliner und übrigen länder so weit abzulenken, damit sie das politikfeld slapstick geflissentlich ignorieren. im stukenbroker safari park warten zwar sieben weiße löwen-babies auf die liebe debiler weibsbilder, ausreichend sollte aber auch das nicht.

nun haben unsere hamburger freunde von saint pauli und the coconut wireless wie auch beim letzten mal eine lange vorrede genossen, die mit ihnen nur sehr entfernt zu tun hat. doch hätten meine finger sich auf den tasten nicht kurzerhand verselbstständigt, hätten sie gar kein vorwort bekommen, denn ich bin gerade dabei die musik rauszuhauen, die sich in den letzten tagen in meiner mailbox gestapelt hat. die fashion week überlasse ich gerne julia, jessie, mary, mahret sowie den anderen fleissigen fashion-bloggern; wir bieten hier ein kleines alternativprogramm für die ohrenbekleidung. zur lektüre empfehle ich den text willkommen im kindergarten! von thea dorn, der besonders für alle, die sich in berlin und anderswo vom rauchverbot gegängelt fühlen, sehr erquickend sein wird:


"rauchen ist tödlich, so lassen sie die zigarettenschachtel zu uns sprechen. fünfmal täglich obst und gemüse, predigt es von der plakatwand herab. deutschland bewegt sich.
in der tat: deutschland bewegt sich. und zwar in richtung kindergarten. noch sind wir nicht so weit, dass wir uns von mutti staat das pausenbrot schmieren lassen. noch darf der dicke tom weiter butterstulle mampfen und die dürre tanja an ihrem Apfelbutzen nagen. noch darf jutta jeden abend zwei flaschen rotwein trinken und jörn an seinem joint ziehen. doch der selbst verschuldete wiedereintritt des menschen in die unmündigkeit hat begonnen."


den anfang zum musikalischen programm des wochenendes macht nun die hansestadt hamburg mit einem mix von saint pauli und zwei remixen von the coconut wireless. über die jungs von saint pauli findet ihr bei uns an dieser stelle mehr. es lohnt sich. the coconut wireless stammt ebenfalls aus dem dunstkreis von no shit but geil und steuert zwei feine mixe bei. die stimme von sarah walker kennt ihr bestimmt von von deichkinds 'ich betäube mich'.


watch out, there's more music to come this weekend.


sarah walker - punani (the coconut wireless remix) (ysi)


the chemical brothers - salmondance (the coconut wireless remix) (ysi)



friday i'm in love - saint pauli dj-mix

01. the count and sinden: beeper (a-trak rmx)
02. boys noize: oh (a-trak rmx)
03. caracho: in hamburg sagt man ja ja (saint pauli rmx)
04. martin solveig: c'est la vie (bloody beetroots rmx)
05. b52s: juliette in the spirits (saint pauli rmx)
06. mika: lollipop (yuksek rmx)
07. busy p: to protect and entertain (crookers rmx)
08. sarah walker: punani (the coconut wireless rmx)
09. audioporno: choo choo (bloody beetroots rmx)
10. egotronic
: raven gegen deutschland (saint pauli rmx)
11. love&police: computermusik
12. pnau: baby (breakbot remix)


download it here.


7/15/2008

don't push me, 'cause i'm close to the edge

gewinne eine grandmaster flash autobiographie



hip hop-großmeister grandmaster flash hat kürzlich seine autobiographie fertigstellt und wurde prompt von den jungs von CROW´n´CROW ins berliner week end eingeladen um dort seine memoiren zu präsentieren - win it here! ein ausführliches interview im vorfeld des week end-gigs der vorigen woche, geführt von der mtv urban moderatorin hadnet tesfai, findet ihr in kürze auf den seiten von CROW´n´CROW; zudem werden dort zwei riesige sitzsäcke im limitierten grandmaster flash-design für einen wohltätigen zweck versteigert. impressionen in text und standbild gibt es auf dem berliner blog schon jetzt.

der mittlerweile fünfzigjährige joseph saddler, der als erster hip hop act mit den furious five 2007 in die rock 'n' roll hall of fame aufgenommen wurde, ließ es sich im anschluss an die lesung aus 'the adventures of grandmaster flash - my life, my beats' nicht nehmen bis in die frühen morgen stunden seine turntable exzellenz mit dem berliner publikum zu teilen.

knicken verlost nun in zusammenarbeit mit CROW´n´CROW zwei exemplare der fast 300 seiten starken erinnerungen des godfathers aller hip hop djs in gegenleistung zu einem knappen, begnadet schönen beitrag von euch.



thematisch knüpft eure kreative mitwirkung an der brandaktuellen reglementierungsfreude der politik und schreckensszenarien von eltern und lehrern an. wir prämieren eure abhandlungen unter dem leitgedanken "mein kind muss später hip hop hören" - obgleich in text, fotografie oder illustration - mit dem werk des grandmasters. als pflichtlektüre hierzu empfehle ich den wunderbaren text der taz: freiheit für track 7, der einen süffisanten einblick in den alltag der bundesprüfstelle für jugendgefährdende medien gewährt. ich zitiere als vorgeschmack:

"das bayerische landeskriminalamt hat die überprüfung von track 7 und track 9 angeregt. auf dem konferenztisch stehen kaffeekannen und wasserflaschen, darum herum sitzen ein lehrer, ein lokaljournalist, eine frau vom zentralrat der juden, ein vertreter des verbands der deutschen automatenindustrie, einer des landes bayern und einige andere abgesandte von verbänden und ländern. sie stellen heute "die deutsche gesellschaft" dar.
die deutsche gesellschaft hat ein durchschnittsalter von ungefähr 57 jahren, vorwiegend graue haare und ausnehmend gute laune. als die erste fanfare aus den boxen stößt, der bass leicht brummt und azad rappt, dass in frankfurt haschisch auf bäumen wächst, nickt eine beisitzerin aus versehen vier takte lang mit dem kopf. während track 9 läuft, unterstreicht der vertreter bayerns auf seinem textzettel die worte "klinge in den arsch steckt"."

johannes gernert,
taz vom 10. august 2007


ich landete erst vor kurzem unverhofft auf meinem ersten sido konzert, das mich spontan in begeisterung versetzte und einmal mehr untermauerte, dass meine kinder unter anderen zu hip hop beats das krabbeln lernen werden. frauenfeindlich und menschenverachtend? - da empfehle ich pro sieben-formate wie popstars, gülcan & collien oder das model und der freak.

schickt uns eure beiträge (text (max 500 wörter), fotos, illustration und co.) zu "mein kind muss später hip hop hören" bis sonntagabend, 19. juli 2008 an knickenberlin [at] gmail [dot] com. zusammen mit CROW´n´CROW wählen wir die besten aus, stellen sie online und bestücken euch mit dem buch des grandmasters.