7/27/2009

eine frage der ameise



Fällt das Wort Festival, denke ich sofort an Matsch, Mücken und auch an Wacken. An Metal, Männer und Müllpfand. Obwohl auf die Kappe meiner Kindheit vermutlich mehr Baumhäuser und Brennesselstiche gehen als bei manch anderer Provinzblume und ich sogar bei meinen Eltern im Garten das Zelt aufschlug, ist aus mir – obgleich musikliebend - kein fleissiger Festivalgänger geworden. Ich mag es düster, humid und mitsamt der Jahresportion für den geneigten Passivraucher auf überdachten Konzerten. Ein Zelt behält immer den kindlichen-christlichen Pfadfinder-Charme und das Freiluftgelände die unausgesprochene Drohung unter Sternenhimmel Romantik empfinden zu müssen, geschweige denn den Akt mit dem Liebsten in der Gegenwart von voyeuristischen Ameisen vollziehen zu müssen. Ich bin zu alt, ich mag ein blütenweißes Kleid und eine Federkernmatratze oder den Küchentisch.
Doch zumindest für die Ohren hält fast jedes Festival etwas bereit, dass auch den größten Schreihals sanft in den Schlaf schaukelt und die Sternschnuppe in der Sommernacht zückt. Ganz gleich ob man die Nacht nun unter freiem Himmel verbringt, im heimischen Bett oder gestärkten Hotellaken.

Ein Vertreter dieser Gattung von Band sind die aus Südafrika stammenden Dear Reader. Am ersten Tag des Berlin Festivals kann man zu diesen Klängen knutschen, wenn man mag. Oder man lauscht den Klängen genauer, notiert und weist wie jede vorausgegangene Rezension darauf hin, dass weder Band noch Debütalbum „Replace Why With Funny“ sich anhören wie der holde Musikkritiker es von einer südafrikanischen Band erwartet. So etwas darf eine Band aus Portland, aus Glasgow oder den skandinavischen Regionen des verträumten Indiepop, mit dem nicht nur Jens Lekmann die Herzen der stolzesten Frauen zu brechen vermag. Ein südafrikanisches Popduo darf das nicht. Oder dann schon, wenn man nur ausführlich auf den vermeintlichen Widerspruch hinweist. Auch Berlin bringt solche Bands hervor, so munkelt der Untergrund. Oder Madison, Wisconsin. Von dort stammen die Pale Young Gentlemen, an die mich Dear Reader ein wenig erinnerten. Ich habe mich verguckt in die Cellistin, die unter den Gentlemännern weilt. Mit einem Ohr und einem halben. Zusammen wären Dear Reader und die blassen Herren ein wunderbares Miniaturorchester, und man würde rätseln, welchem Kontinent, welcher Musikhauptstadt man nun diesen von Streichern becircten Sound zuordnen könnte. Für die Pale Young Gentlemen gibt es einen gar wunderschönen Verweis, welch musizierende Königlichkeit aus der gleichen Stadt entstammt, obgleich dies musikalisch rein gar nichts zur Sache tut: Rotschopf Shirley Manson und ihre Band Garbage fanden hier zusammen. In diesem Sinne: We're only happy when it's complicated.


Dear Reader - Dearheart (ysi)




Pale Young Gentlemen - Fraulein (ysi)






7/25/2009

friendly fires: kiss of life


Friendly Fires - Kiss of Life


7/24/2009

der friede der fashion familie


esther perbandt - fashionumzug durch mitte

Natascha Ochsenknechts Bezug zur Welt der Mode ist bei ihren Besuchen im Zelt der Berliner Fashionweek nicht auf den ersten Blick ersichtlich. Hier und anderswo sitzt sie, mal mit Jimi Blue und Wilson Gonzalez, mal ohne, aber niemals mit Uwe, stets in der ersten Reihe bei jeder Modenschau. Allgegenwärtig beäugt die magere Version von Brigitte Nielsen die kommenden Kollektionen durch eine dunkle Sonnebrille. Zu erwarten ist hier nicht „A shaded View on Fashion“, doch vielleicht ist die Frau von SchauspielerUwe Ochsenknecht eine Art Bindeglied zwischen den völlig unterschiedlichen Sphären, die am Bebelplatz zu einer Woche der Mode zusammenkommen. Die Modebranche gastiert, so heißt es. Und obgleich dieser Branche die Verkleidung in einer glatten Oberfläche vorgehalten wird, greifen hier Elemente nur mit grobem Faltenwurf ineinander. An den der Mode gewidmetenen Tagen treffen viele Menschen aufeinander, die lediglich ein Zelt als Anlass miteinander teilen, aber ansonsten so wenig gemein haben, wie der Obdachlose mit dem Model nun einmal hat - nehmen wir die Inszenierung von Patrick Mohr als weiteres illustrierendes Beispiel.

Natasche Ochsenknecht hat selbst als Model gearbeitet, dann prominent geheiratet und inszeniert sich nun in Berlin als fachkundiger Stargast, dessen Outfit die wahren Editorialistas jeden Tag eines Besseren belehrt. Offenkundig scheint das vielen Prominenten der hinteren Plätze des Alphabets gemein: Ein großer finanzieller Spielraum resultiert meist in einem frenetischen Fehlgriff in den begehbaren Kleiderschrank. Im Ballkleid zum Bebelplatz an einem verregneten Freitagmorgen? Und obgleich die deutsche Prominenz für die Fashionweek in der ersten Reihe unverzichtbar scheint, sehen Designer davon ab diese auf den Laufsteg zu holen oder sich etwa eine Muse zu halten. Zu tief sind die ästhetischen Gräben, die Schöpfer und Zuschauer trennen. Ein gemeinsames Verständnis der Fashionweek schwelt nur in der Berichterstattung der Tagespresse. In jedem Jahr heißt es erneut, Berlin sei auf dem besten Wege mit den Modemetropolen der Welt auf gleicher Höhe zu schwimmen. Journalisten wagen sich dann zaghaft an eine Beschreibung der präsentierten Kollektionen und stolpern in der nächst besten Zeile ins Boulevard. Völlig falsch ist dabei die Interpretation, die Zugegenheit einer Schauspielerin erhöhe die Signifikanz der Veranstaltung. Was eine integere Zusammenkunft der Modezunft sein könnte, wird von Schauspielern, Musikern und sogar der Politik nur genutzt, um selbst das Konterfei im medialen Rahmenprogramm des Bebelplatzes wiederzufinden.


frida weyer show, chamäleon

Die größte Herausforderung an einen anspruchsvollen Modejournalismus scheint zu sein, den Ablenkungen zu trotzen und sich auf Spurensuche zwischen den Szenen zu bewegen. Parfümwolken und wacklige Stilettotritte auszublenden, die eigene Begierde nach den schmeichelnden Stoffen zurückzustellen und die Blende zu justieren, damit das Abschlussbild auf Vokabular basiert, das nicht ausschließlich subjektive Bewertungen der Entwürfe und vereinfachte Beobachtungen zu Schnittführungen und Materialopulenz beinhaltet. Selbst der Ansatz, den Meister als Tuchscherer und die Mode somit als Handwerk zu betrachten, kann den künstlerischen Aspekt des Schaffens nicht verwerfen. Warum die Annäherung an modische Konzepte meist nur über Epochen und dem des Inhalts befreiten Wort „Trend“ gesucht wird, nicht aber über Interpretation, Dekonstruktion und ein souveränes Urteil, könnte wie folgt erklärt werden: Niemand scheint den Frieden der "Fashion Family" stören zu wollen. Und jeder will der erste sein. Die Fülle und Hatz, in der neue Kleider den Laufsteg überspülen, lässt kaum Zeit für reflektierte Notizen.

Entschleunigung und Interpretation erfährt das Treiben derzeit maßgeblich durch eine andere Kunstform: die Fotografie. Mit der Mode als Muse und der Kamera in der Hand entsteht die Übertragung von fadenfixiertem Material zu temporärer Schönheit als Stillleben. Manches wird sogar noch nach dem zweiundreißigtem Trendwechsel als zeitlos stilvoll wahrgenommen. Die Modefotografie ist zweifelsohne das Fundament des Modejournalismus, besonders in der gedruckten Form. Sie erzählt die Geschichten, die kaum jemand in Worte fasst.
Mehr mit Herzblut geschriebene Zeilen über die Mode, zu der der Kritiker eine Fernbeziehung in großer Nähe führt, könnten dazu beitragen den Modejournalimus aus der Ecke herauszuführen, in der ihn Kollegen verankert sehen: Modejournalismus als Spielart des Boulevards, ausgeführt von kaufsüchtigen Schreibanfängern. Vielleicht können dann bald die PR-Agenturen in ihren Meldungen Suzy Menkes als einzige Referenz um andere Schreiber ergänzen, und den Hinweis, welche B-Prominente zu Weilen den Designer tragen, herausstreichen.

Wir zeigen hier Marc Schuhmanns Erinnerungen, die seine Kamera in der ersten Juli Woche festgehalten hat. Mindestens eine Geschichte, versteckt sich in jedem Bild.


patrick mohr backstage






activated by a mirrorball: jarvis cocker



Jarvis Cocker, Frontmann der Gruppe Pulp, ist eins mit seiner Brille. Zumindest wenn man der medialen Wahrnehmung Folge leistet. Abgesehen von seiner traumwandlerischen Stilsicherheit kennt man ihn als vermeintlichen Gewalttäter und Störenfried. So sabotierte er in 1996 die Performance von Michael Jacksons Earth Song. Seine Landsmänner waren mit ihm, denn was hatte der inzwischen aus dem Leben geschiedene auf den Brit Awards zu suchen. Richtig. Eine Anzeige wegen Körperverletzung und Labelschelte hagelte es trotzdem. Blasphemie allerdings machte sich immer schon gut im Lebenslauf eines englischen Musikers.

Der Mythos, der den Frontmann Pulps umweht, stammt ebenso wie die letzten großen Hits der Gruppe aus den 1990er Jahren. Hiesige Turnschuhgucker werden trotz alledem auch heute nicht umher kommen, sich mit Common People und Disco 2000 beschallen zu lassen, wenn sie sich in Etablissments begeben, die nach Bier und Teen Spirit riechen. Pulp ist zeitlos. Genau wie Jarvis Cocker, der auch mit Mitte 40 noch aussieht wie ein Pennäler auf Kriegsfuß mit sich und seinem Alter. Noch scheint er zu obsiegen.


Jarvis Cocker - You're in my eyes (Discosong) (Pilooski Remix) (dl) (alt)



Und so will man auch nach 3 Solo-Alben und 7 Jahren Schaffenspause irgendwie noch fest daran glauben, dass das Kapitel Pulp nicht endgültig geschlossen ist. Es geht schließlich auch um die eigene Geschichte. Bis dahin allerdings muss man mit dem ungefilterten Ego selbst Vorlieb nehmen. Und dass dieses mitunter von denselben Geistern getrieben wird, die schon "Different Class" thematisch fütterten, ist unschwer zu erkennen: "Memories of days gone by activated by a mirror ball shining bright / In a provincial disco on a Thursday night". Der Muskel will sich noch immer nicht entspannen.

Mehr Informationen findet man auf Jarvis Homepage oder auf den Seiten des Berlin Festivals.


7/22/2009

4 Berlin Festival Tickets zu verlosen. In echt.



Liebe Leute. Es ist mal wieder so weit. In knapp zwei Wochen gibt sich das Berlinfestival die Ehre und bespielt Sperrs Vogelhäuschen. Da wir live dabei sein werden, twitternd und tanzend, hat man uns erlaubt in Koop mit unserem Arbeitgeber, dem Freitag, ein paar Karten unter das Volk zu bringen.

Für die insgesamt 4 Tickets werdet ihr mal wieder gnadenlos zu nervigem Mitmachjournalismus - Motto des Arbeitgebers - verdammt. Wir wollen wissen, in welche Zelte ihr auf Festivals schon gepinkelt habt - vor allem warum, wieso selbst Typen mit Oversized Tees sich sozial entmannen und Feuerzeuge in die Luft halten oder warum Duschen und Speed Metal nicht zusammen passen. Ergo Festival-Reports. Oder sowas. Wenn's geht lesbar, weil für den Freitag. Auch wenn ihr sonst lieber Bilder guckt.

Das Ganze haut ihr dann entweder in euren Blog und schickt uns den Link, schreibt uns eine aufschlussreiche Email an community-support@freitag.de oder aus Gewohnheit an knickenberlin@googlemail.com. Oder ihr schickt Postkarten (gerne auch eingescannt, aber frankiert). Oder so. Wo auch immer ihr auswerfen wollt, tut es so, dass wir davon etwas mitbekommen.

Mehr Informationen findet ihr auf unserem Freitag.de-Berlin-Festival-Blog. Mehr Informationen zum Festival selbst findet ihr hier. Also: Verkauf dich immer richtig. Das gilt auch für euch.

Berlin Festival
7. und 8.08.09
Flughafen Tempelhof

Line-Up:


7/02/2009

Emergency Call: 2x2 Listenplätze für Club Berlin



Das Berlin Festival steht vor der Tür. Berlin feiert. Vermutlich auch noch, wenn das Festival wieder vorbei ist. Bei all dieser mir inne wohnenden Weisheit wage ich die Prognose, dass auch hier angepriesenes Event sich problemlos in den Kalendar einfügen lassen wird. Und da der Open Air Floor am langen Ende von Emil bespielt wird, lohnt es sich auch, dem DJ im werten Vollrausch ein Lächeln zu schenken. Man wird es einem mit osteuropäischem Schmäh danken. Und was gibt es besseres um 6 Uhr morgens in Mitte? Genau.

Aus gegebenem Anlass jedenfalls verlosen wir noch mal schnell 2x2 Tickets. Das Ganze diesmal ohne Schnickschnack zur Belustigung. Wer soll den ganzen Scheiss auch lesen? Eben. Insofern einfache Email mit dem Betreff "Zu Spät" an knickenberlin@googlemail.com und sich der Willkür eines überarbeiteten Teilzeit-Pamphleteer aussetzen. Eine Strategie, mit der man auch durch jedes Bewerbungsgespräch kommt. Versprochen. PS: Bei den Tickets geht es nur um den Club. Kein Konzert. Was auch immer das heißt.

Das Line-Up seht ihr unten, mehr Infos gibt es hier. Achja, Peaches spielt (ein Konzert). Und Whitey. Und Frankmusik. Und CSS. Flyer rechts.

downstairs:
22:00 - 22:45 DJ SVEN & TETTERO
22:45 - 23:15 TERROR PIGEON DANCE REVOLT
23:15 - 23:30 C/O with DJ
23:30 - 00:00 HEARTSREVOLUTION
00:00 - 00:30 C/O with DJ
00:30 - 02:00 PEACHES & SWEAT MACHINE
02:00 - 03:15 JG WILKES
03:15 - 05:30 JOOST VAN BELLEN & WANNABEASTAR
05:30 - end SVEN & TETTERO

upstairs:
23:00 - 01:00 JACK TENNIS
01:00 - 02:30 WHITEY DJ-SET
03:00 - 04:30 CSS DJ-SET
04:30 - 05:30 FRANKMUSIK DJ-SET
05:30 - end JACK TENNIS

open air:
23:00 - 01:30 SALTO MORTALE
01:30 - 03:30 ROBIN VAN DER KAA
03:30 - 05:30 EMIL DOESN'T DRIVE
05:30 - end OPEN DECKS


Friday, July 3
WMF
KLOSTERSTRASSE 44


6/29/2009

2. juli - 1x2 tickets für die vice bread & butter party


picture by miss hentschel

die fashion reports des vice magazins stellen den hochglanz-schreiberinnen der modewelt die nackenhaare auf, denn obgleich der vice-typischen neigung zur übertreibung treffen die kurzbeschreibungen des berliner stils die sache zielgerichtet im mark: die "mysteriöse kombination aus sex, abgefucktheit und dem süßlich-soften charme einer vorkriegsschönheit hat unser aller herzen ergriffen". doch berlin, die bread & butter und die fashionweek brauchen gerade wegen der mühsam gebügelten fassade und den durch die prominenz des hinteren alphabets erzwungenen glamour während der modischen woche parties, die fashion auf eine andere art und weise zelebrieren. schwappt der vodka nicht aufs kleid, hast du nicht richtig gefeiert.

für die vice party am 2. juli - die zweifelsohne viel fashion, aber wenig couture bieten wird - haben wir 2 karten zu vergeben, und die aufgabe ist denkbar einfach: beschreibt uns kurz, was für euch der berliner stil ist und welches stück die berliner straßen und nächte in der kommenden saison prägen wird.

eure fashion reports nehmen wir montag und dienstag als e-mail an knickenberlin@googlemail.com hocherfreut entgegen, und wenn ihr schon dabei seid, packt sie gerne direkt in die comments.

alle infos zur party, die übrigens nur mit einer einladung in angriff genommen werden kann, findet ihr auf dem flyer. unsere zusammenfassung der letzten fashion week findet ihr an dieser stelle.



einen ausschweifenden guide zu den nächtlichen festlichkeiten während der fashion week und bread & butter haben übrigens unsere charmanten kollegen von i heart berlin zusammengestellt.


6/27/2009

Levi's Gewinner Teil 2: Das Grufti-Mädchen



This Shit is serious. Es geht um tiefe Zuneigung, Respekt, Trends und Ghetto. Dinge, mit denen man in Kreuzberg stets umgeben ist. Wir fühlen mit.


"Als ich in der 5. oder 6. Klasse war, musste man eine Pash-Hose anhaben. Ich meine nicht, um etwas darzustellen, sondern um überhaupt wahrgenommen zu werden. Pash-Hosen waren die ganz weiten, die aussahen, als hätte man reingemacht und man musste sie erst in weiß und dann in rot haben. Vielleicht war es auch andersherum.

Die haben aber damals schon 150 Deutsche Mark gekostet. Meine Eltern haben nicht eingesehen, mir eine so teure Hose zu kaufen: "Geh doch zu Jean Pascale, da gibt es auch Hosen, oder C&A. Wir verstehen gar nicht, was du auf einmal gegen C&A hast..."

Ich war damals verguckt in einen ganz harten Typen zwei Klassen über mir, Alexander N******, der war voll Ghetto, hat aber nur mit Pash-Hosen-tragenden Mädchen geredet. Es musste also dringend eine her. Natürlich habe ich mein Sparschwein zerschlagen, in das ich schon seit 5 Jahren eine und zwei Markstücke gesteckt hatte und habe mir eigenhändig eine tolle weiße Pash gekauft. 



Ganz stolz kam ich in die Schule und stellte mich in die coole Ecke. Als der Typ mit seiner Ghetto-Entourage vorbei kam, sah er mich, blieb stehen und begutachtete meine Hose. Dann fingen er und schließlich alle anderen an zu lachen und er meinte: "Ey, uncool, voll von gestern mit der Pash, jetzt trägt man Levi's. Alter!" Gedemütigt habe ich dann aufgegeben, mich nach der Mode zu richten und bin ab der 7. Grufti geworden."


Lieber Alexander, wir danken dir. Es ist nähmlich dank deiner Mithilfe nochmal alles gut gegangen. Wir wissen das. Auch wenn es hart war. Damals.

Mehr zum Levi's Unbuttoned Event am 2.7. im Astra gibt es hier oder rechts in der Leiste.


Levi's Gewinner Teil 1: Der Ostfriese



Unser erster Gewinner kommt aus Ostfriesland und hat es nicht leicht. Wir fühlen mit.


"also da ich desgintechnisch ja hochgradig interessiert, aber eher minderbemittelt bin, was sich unter anderem darin äußert, dass ich voll gerne visuelle kommunikation in berlin studieren würde, aber das bewerbungsverfahren von der htw einfach zu hardcore ist, um einen semitalentierten ostfriesenjungen wie mich da durchschlüpfen zu lassen (wie ich glaube, da ich die bewerbungsfrist verpennt habe), habe ich mich also just gegen ersteren link (buttondesign) entschieden und feuchtfröhlich auf den zweiten geklickt. komm, quiz ist easy, ich bin doch so schlau und so.

aber nee, kannste knicken (no pun intended), weil ich die songs von den ganzen helden nicht kenne. ich weiß ja nicht, ob ihr das ausprobiert habt, also da kommt so ein schickes java-web2.0-schlagmichtot-applet, wo einem so lieder vom busy und vom alex vorgespielt werden, und man soll dann klicken beim richtigen namen des songs. und die kannte ich nicht. ich kenn vom alex zwar so tolle remixe, wie den, den er vom sébastien gemacht hat, mit liebe & gewalt.

aber die antworten kannte ich nicht. ja klar, ich hätte auch einfach die antworten hier so auf einem oldskooligen .txteditor namens stück papier schreiben können und dann nochmal. ihr wisst schon. aber mogeln is nich, mogler stinken nämlich nach reis mit fisch, sagte man mir.

nun denn, entschied ich mich also für diese nette mail an euch, was ja so schlimm schon nicht werden könnte. war es jetzt auch nicht. ist nett mit euch! ich möchte nämlich mal wieder nach berlin. und wenn es mit dem studieren schon nicht klappt, und die leute, bei denen ich so ein tolles unterbezahltes praktikum machen möchte, sich jetzt nach 3 wochen immer noch nicht melden, dann will ich wenigstens ein bisschen tanzen.

also, berliner: habt ein herz und lasst meine freundin und mich unsere levi's (bzw. lee oder humör oder doc denim, whatever... aber pssst, sagts nicht herrn strauss respektive dem türsteher) am 2. juli unbuttonen und unzippen. unbuttonen spricht man meiner definition nach übrigens anbattenen aus, ist gar nicht so schwer, ich probier es gerade aus."



Frei nach Das Pop: "a naked girl will take my picture". Das darf aber ruhig nachgeliefert werden.

Mehr zum Levi's Unbuttoned Event am 2.7. im Astra gibt es hier oder rechts in der Leiste.


6/24/2009

Who killed Bambi?



Dieter Gorny hat die Popkomm vorübergehend eingeschläfert. Die Ursachen für die einjährige Pause der ehemals glanzvollen Musikmesse sieht deren Gründer vor allem in der um sich greifenden Musik-Piraterie; sie mache es Unternehmen finanziell unmöglich, teilzunehmen. Damit stimmt Gorny in den Chor der Stimmen ein, die völlig zu Recht und überfälligerweise fordern, dass rechtliche Grundlagen für die Reformierung des krankenden Industriezweigs Musik geschaffen werden müssen.

Allerdings wiederholt er genau den Fehler, der ihn und seine Messe wohl tatsächlich in die aktuelle missliche Lage gebracht hat: Er klammert sich an eine alte Denke, die das Internet und die heutigen Musikliebhaber mit ihren Konsumgewohnheiten schon längst überholt haben. Im Gegensatz zu Tim Renner, der Open-Source-Ideen versprüht, pocht Gorny in altbewährter Bestrafungsmentalität auf das bereits in Frankreich gescheiterte Prinzip von Netzsperren für Musik-Piraten.

Seine Haltung ist nicht nur verfassungsrechtlich bedenklich, sondern verleugnet schlicht und einfach den realen Wandel. Dass sich der Konsument vom sich selbst bedienenden, freiheitsliebenden Filesharer zurück zum industrie hörigen, zahlungswilligen Musterbürger entwickelt, ist allerdings mehr als zweifelhaft. Vielmehr gilt es, neue Wege zu finden, das Internet, diesen exogenen, technologischen Schock – genau wie die Kassette und die CD – zu überwinden. Das ausgerechnet das branchenfremde Unternehmen Apple die Musikwirtschaft mit iTunes und iPod ausspielen konnte, ist bezeichnend für die Fortschrittsrenitenz der Musikindustrie.

Dessen ungeachtet ist Gornys Anliegen, der Schutz des Urhebers, durchaus ehrenwert. Seine Angst vor der Kulturflatrate, die jegliche Downloads legalisieren und damit Künstler ihrer Verwertungsrechte berauben würde, ist begründet. Die Flatrate würde das Urheberrecht und damit die legalen Distributionswege auf breiter Linie aushebeln, sollte sie frei nach Renner der Open-Source-Logik folgen. Sinnvoller wäre die von CARTA-Gründer Robin Meyer-Lucht vorgeschlagene Urheberrechtsabgabe für das Internet, ähnlich wie es bei Rohlingen oder Brennern schon üblich ist. Diese Abgabe würde sowohl die nicht zu verhindernde Piraterie bedenken als auch den klassischen Geschäftsmodellen Respekt zollen. Zwar würde man illegale Downloads de facto tolerieren, nicht aber akzeptieren – ein entscheidender Unterschied.

Solche Ideen hört man von Gorny nicht, der eben aus diesem Grund die Idealbesetzung für das Sprachrohr der schocksteifen deutschen Musikwirtschaft ist. Man vernimmt nur das immergleiche Lamento, das den Diskurs mit der eigenen Kundschaft scheut. Doch genau hier hätte die Popkomm ansetzen und den Kontakt mit den Kreativen suchen müssen, wie es z.B. die Kölner c/o pop oder die Leipziger (Pop Up vormachen. Die Bewegung in der Urheberrechtsdebatte hätte ein fruchtbarer Nährboden für eine im Kern erfolgreiche, nachhaltige Messe sein können.

Stattdessen fabuliert Gorny von einer „digitalen Krise“, deren Höhepunkt tatsächlich längst passé ist. Popkomm-Direktorin Katja Gross verweist immerhin ganz richtig auf ein neues Gesamtkonzept, welches notwendig wäre, um der Messe 2010 wieder Leben einzuhauchen. Eine Randnotiz. Statt dessen: Alarm- statt Aufbruchstimmung, der Ruf nach Vater Staat statt Eigenveranwortung. Das kommt Ihnen bekannt vor? Willkommen im Klub der Bankrotteure.


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Dieser Artikel erscheint morgen im Freitag. Auf Papier.